Postproduktion in 4K und sogar 8K sind bei Act HeadQuarter Media möglich

Herausforderungen und Möglichkeiten von 8K und HDR im Grading-Prozess

In unserer Ausgabe 5/2019 ging es um den Einsatz von drei unterschiedliche High-End-Grading-Systemen bei der Kölner Firma Act HeadQuarter Media. Wir haben  mit den beiden Geschäftsführern gesprochen, die dabei auch aktuelle und zukünftige Technologien betrachteten.

Postproduktions-Pult bei Act Headquater Media

Beim Postproduktionshaus Act HeadQuarter Media laufen gleich drei unterschiedliche Grading-Systeme unter einem Dach: Nucoda Filmmaster, DaVinci Resolve und FilmLight Baselight. Die Systeme werden entsprechend ihrer Stärken in unterschiedlichen Produktionsfeldern eingesetzt.

Hin- und wieder kann es in heißen Phasen zu Engpässen bei der Auslastung kommen, etwa wenn Serienproduktionen anstehen. Für diesen Fall haben die Kölner für alle drei Systeme Assist Stations eingerichtet. Dazu Geschäftsführer Andreas Fröhlich: „Während zum Beispiel der Kollege in der Kinosuite sitzt und Farbkorrektur macht, schickt die VFX-Abteilung einen Visual Effects Shot für den Film, der gerade korrigiert wird, zur Assist Station. Dort kann dann parallel an dem Projekt weitergearbeitet werden.“ Alles außer dem Grading ist also außerhalb der Suites, in denen die Farbkorrektur stattfindet, umsetzbar. „Das lässt uns Luft, während die Abläufe stark ökonomisiert sind, weil viele Prozesse parallel im Hintergrund laufen.“

Die Nachfrage nach 4K-Bearbeitungen, auch wenn sie jetzt öfter gewünscht werden, sei übrigens noch nicht besonders stark. „Ein Bild das fünfeinhalb mal größer ist als HD, gibt es nicht umsonst, weil die Rechenleistung viel höher ist“, stellt Robert Groß, der zweite Geschäftsführer, fest. „Spätestens dann wird klar, dass es teurer ist, was zu einer gewissen Zurückhaltung führt.“ Für das Team in Köln geht es letztlich hier lediglich um eine lineare Vergrößerung, gleichgültig ob es um 4K oder 8K geht. Der Flaschenhals sei die Technik, die auf sämtliche Formate angewendet werden kann: „Heute kann man ein 4K-Bild Realtime bearbeiten, bei 8K lässt die Technik beziehungsweise Hardware das noch nicht vollumfänglich zu. Das ist die einzige Begrenzung. Man könnte heute schon einen Film in 8K postproduzieren. Es würde nur deutlich länger dauern, bis der Film fertig ist.“ Die Grading-Einheiten könnten mit 8K ebenfalls ohne weiteres umgehen, allerdings auch hier mit einem höheren Zeitaufwand. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Mit jeder sekundären Farbkorrektur, bei der jeweils nur eine bestimmte Farbe bearbeitet wird, verdoppelt sich beispielsweise beim Nucoda die Datenmenge. Entsprechend hat eine 90-minütige Dokumentation in HD einen Datenumfang von rund anderthalb Terabyte. Mit jedem Layer verdoppelt sich die Menge, so dass ein Projekt am Ende ein Datenvolumen von acht und zwölf Terrabyte erreichen kann. Bei 4K vervierfacht sich dieser Umfang, was die Verarbeitung bei konstanter Rechenleistung entsprechend verlangsamt.

Aktuell arbeiten bei Act HeadQuarter Media drei feste Coloristen, die bei Bedarf von Andreas Fröhlich selbst verstärkt werden. Dabei seien stets auch weitere Profis willkommen: „Da die Softwares mittlerweile so günstig geworden sind, gibt es zwar viele, die sich mit diesem Bereich beschäftigen, aber wir suchen nach Coloristen, die eine fundierte Ausbildung absolviert haben, sich mit Sensitometrie auskennen und die bereits Erfahrung an den großen Farbkorrektursystemen gesammelt haben.“

Überhaupt verlässt sich das Unternehmen mit Sitz in der Dommetropole entgegen dem Trend, bei dem viele Firmen immer mehr auf freie Mitarbeiter setzen, auf eine feste Stamm-Mannschaft, die zurzeit aus 56 Mitarbeitern besteht. Als Kölner Unternehmen möchten die Verantwortlichen den heimischen Markt bedienen. Viele der Kunden, zum größten Teil ebenfalls Mittelständler, haben ihren Sitz ebenfalls in der Region. Und ihnen sei es wichtig, mit bekannten Ansprechpartnern zu kommunizieren. „Das beginnt schon lange vor dem Dreh, da wir die Produktion bereits im Vorfeld beratend unterstützen, etwa bei der Verwendung der Kameras“, betonen die Geschäftsführer, „das erhöht die Bindung und ein reiner Technikvermieter wollten wir sowieso nie sein.“

Jetzt schauen die Kölner gespannt auf die Entwicklung in Sachen HDR. Für sie bedeutet dieser Standard mit seinem wesentlich höheren Kontrastreichtum einen Fortschritt für die Endverbraucher, der von seiner Bedeutung vergleichbar mit der Einführung des Farbfernsehens ist. Die Mannschaft von Act HeadQuarter Media fühlt sich jedenfalls gut vorbereitet. Bereits seit fünf Jahren setzt sie die Colour Academy Color Encoding Specification (ACES) ein, um mit Bildern aus verschiedenen Quellen, etwa VFX oder Grafikabteilung, einheitlich umzugehen. Bilder aus den unterschiedlichen Farbräumen werden in ACES importiert, bearbeitet und anschließend wieder in ihren jeweiligen Farbraum zurücktransportiert. So bleibt die Ursprungsqualität erhalten, aber sämtliches Material wird unter denselben Voraussetzungen behandelt. „Weil wir in ACES arbeiten, ist der Sprung zu HDR nicht groß, denn wir können entscheiden, in welchen Verwertungsfarbraum wir gehen. Neben Kino, Web oder HD gehen wir jetzt genauso in HDR. Ohne ACES wäre das so einfach nicht möglich.“

Welche Herausforderungen beim Einsatz von drei Grading-Systemen sonst noch zu beachten sind, können Sie hier nachlesen.

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