Viele mögliche Fehlerquellen

Filmstrom: Wie versorge ich mein Set?

Kein Filmset kommt ohne Stromversorgung aus. Doch was auf den ersten Blick so einfach aussieht, ist eine Wissenschaft für sich – und sogar lebensgefährlich, wenn etwas falsch gemacht wird. Julian Reischl sprach für die Ausgabe 6/2017 mit Hans Laßek von der Filmstromakademie zum Thema Strom am Set.

Foto: Hans Laßek
Alltag: Scheinwerfer an Traversen am Steiger, Kabel überall.

Besucht man ein Filmset, trifft man meist als erstes auf dessen Stromversorgung. Der Generator, im Regelfall schallgedämpft auf einem LKW montiert, wird meist weit abseits des Geschehens aufgestellt. So ist er nicht im Weg, nicht zu hören und auch leicht abzukoppeln, damit er bewegt werden kann. Dicke schwarze Starkstromkabel schlängeln sich, manchmal mustergültig durch Kabelbrücken oder über Traversen, zu Verteilern. Von hier gelangt der Strom zu den diversen Verbrauchern. Diese sind in Leistung und Verbrauch vielfältig, reichen sie doch von den Smartphone-Ladegeräten der Teammitglieder über die Kaffeemaschine bis zu großen HMI-Scheinwerfern mit über 20 Kilowatt. Ausfälle dürfen nicht geschehen und müssen, wenn doch, schnell und problemlos behoben werden können. Die Anforderungen an den Strom am Filmset sind also groß.

Im Großen und Ganzen, so erläutert Dipl.-Ing. Hans Laßek von der Filmstromakademie in Sankt Augustin, gibt es vier mögliche Stromquellen für ein Filmset. Da wäre zunächst das vorhandene Stromnetz der Location, also in einem Haus zum Beispiel das Hausstromnetz. Gerade bei Drehs mit geringerem Energiebedarf kann das bereits ausreichen. Der sogenannte Baustromverteiler ist die zweite Möglichkeit, an Strom zu kommen. Hierfür muss der zuständige Energieversorger diesen “Stromkasten” an sein eigenes Stromnetz anschließen. Er dient als Übergabepunkt für das Stromnetz der Filmproduktion. Diese Versorgung ist das Äquivalent zur laienhaften Vorstellung,  “sich einfach an die Überlandleitung anzuklemmen”. Die dritte Variante ist der Generator. Im Idealfall versorgt ein Generator das “Base Camp” mit Strom, ein zweiter liefert den Strom für die eigentliche Filmarbeit. Die vierte Möglichkeit ist der Dreh im Studio, das natürlich über ein fest installiertes Studiostromnetz mit entsprechender Leistungsfähigkeit verfügt.

Danke, Nikola Tesla

Grundsätzlich gibt es – gezwungenermaßen – zwei Spannungen an einem Filmset. Das eine ist das Drei-Phasen-Wechselspannungsnetz mit 400 Volt Drehstrom, das andere das aus dem Wohnbereich bekannte Wechselstromnetz mit 230 Volt Wechselstrom, einphasig. Der Drehstrom in Deutschland ist auf drei Phasen standardisiert, das Kabel ist also zusammen mit dem Nullleiter und dem gelb-grünen Schutzleiter fünfpolig. Dieses Stromkonzept wurde so erdacht, dass man aus jeder einzelnen dieser drei Phasen zusammen mit Nullleiter und Erdung eine reguläre 230 Volt Wechselstromquelle abführen kann, ohne die Spannung transformieren zu müssen. Der Drehstrom kommt auf “nur” 400 Volt, weil man diese Werte nicht einfach zusammenzählen kann. Die Physik dahinter ist nicht gerade trivial, auf die wollen wir auch gar nicht unbedingt eingehen. Das Physik-Genie Nikola Tesla hat Wechsel- wie Drehstrom entwickelt. Durch diesen wurde es erst möglich, Strom überhaupt über kilometerlange Strecken verlustarm zu transportieren.

Die Bezeichnung Drehstrom stammt übrigens aus der Erzeugung desselben: Drei Spulen sind im Winkel von 120 Grad um ein sich zum Beispiel durch Dampf oder Wasserkraft drehendes Magnetfeld angeordnet. Dabei entstehen besagte drei, um diese 120 Grad phasenverschobenen, sinusförmigen Wechselspannungen. Die Art der Zusammenführung dieser drei Phasen im Verbraucher in Stern- oder Dreieckschaltung ermöglicht daher entweder die Erzeugung verschiedener Spannungen oder eben maximaler Leistung.

Weitere Informationen finden Sie bei Hans Laßeks Filmstromakademie. Morgen hier auf kameramann.de der zweite Teil, in dem es um die Qualifikationen im Bereich Stromversorgung geht.

Finden Sie hier auch die anderen beiden Teile “Filmstrom: Was jeder beachten sollte!” und “Filmstrom: Qualifikationen für Quereinsteiger“. Sowie das Seminarprogramm der Filmstomakademie.

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