Abschlüsse können nachgeholt werden

Filmstrom: Qualifikationen für Quereinsteiger

In unserem zweiten Teil zur Stromversorgung an Filmsets dreht sich alles um die Qualifikation, und wie auch der gestandene, aber nicht offiziell qualifizierte Oberbeleuchter seine Fähigkeiten legal einbringen kann. Der Artikel erschien erstmals in Ausgabe 6/2017. (Zu Teil 1)

Stom am Set: Von den technischen Details und den Hintergründen bekommt der normale Nutzer nichts mit und auch nichts zu Gesicht.

Ein typischer Baustromverteiler bildet die Stromquelle für ein Filmset. Deutlich sichtbar: verschiedene Buchsen für verschiedene Stecker. Neben Schuko gibt es hier verschiedene, nur eindeutig steckbare CEE-Verbindungen.
Foto: Hans Laßek
Ein typischer Baustromverteiler bildet die Stromquelle für ein Filmset. Deutlich sichtbar: verschiedene Buchsen für verschiedene Stecker. Neben Schuko gibt es hier verschiedene, nur eindeutig steckbare CEE-Verbindungen.

Hans Laßek formuliert es leicht verständlich: “Wenn man  auf die Welt kommt und keine elektrotechnische Ausbildung gemacht hat, dann ist man ‚elektrotechnischer Laie’. Das ist wichtig zu definieren, denn bei den Sicherheitsmaßnahmen orientiert man sich immer am elektrotechnischen Laien. Es muss zum Beispiel gefahrlos möglich sein, einen Stecker in die Steckdose zu stecken und ihn wieder herauszuziehen. Es muss gefahrlos möglich sein, eine Sicherung, die ausgelöst hat, wieder einzuschalten. Das sind ganz triviale Dinge. Die Geräte müssen auch so gestaltet sein, der Toaster, die Kaffeemaschine, jede Leuchte, dass der elektrotechnische Laie sie bedienen kann, ohne dass er eine gewischt kriegt; beziehungsweise dass Schutzmaßnahmen greifen, die zur automatischen Abschaltung der Spannung führen, wenn ein Fehler vorliegt.”

Qualifikation

Für die Bedienung sicherer elektrischer Geräte im privaten Umfeld braucht man keinerlei Qualifikation. Auch einfache Arbeiten darf man vornehmen, wie zum Beispiel eine Lampe über Lüsterklemmen an einen Strom-Auslass anzuschließen, sofern dies sicher ist und keine Gefahr hervorruft. Doch im gewerblichen Umfeld sieht es ganz anders aus. Hier darf kaum etwas unternommen werden, wenn die Qualifikation fehlt – die Gesetzgebung und die Vorschriften der Berufsgenossenschaften sind eindeutig. Die unterste, erste Runge auf der Karriereleiter der Elektrotechnik ist die sogenannte “elektrotechnisch unterwiesene Person EuP”, wie Hans Laßek erklärt: “Das ist jemand, der bestimmte einfache Tätigkeiten ausführt. Dafür gibt es eine Ausbildung von ein bis zwei Tagen. Wesentlich ist immer, dass der Mensch dann die Gefahren hinsichtlich des Umgangs mit dem elektrischen Strom kennenlernt, plus der Tatsache, dass er lernt, was er zu tun, aber auch zu lassen hat. Dieser Mensch kann dann unter Aufsicht einer Elektrofachkraft diese einfachen Arbeiten durchführen. Die muss nicht daneben stehen, das wäre albern, aber sie muss erreichbar sein. Wenn zum Beispiel der Elektriker eines Unternehmens unterwegs ist, kann die elektrotechnisch unterwiesene Person die Arbeiten mit entsprechend geschützten Geräten durchführen. Einfache Tätigkeiten wären zum Beispiel Prüf- und Messtätigkeiten mit speziellen Geräten.”

Ein Verteiler, wie er an jedem Set zu finden ist. Der Durchmesser der Buchsen sowie der Kupplungen gibt an, welche Stromstärken anliegen.
Foto: Hans Laßek
Ein Verteiler, wie er an jedem Set zu finden ist. Der Durchmesser der Buchsen sowie der Kupplungen gibt an, welche Stromstärken anliegen.

Zusatzausbildung für Oberbeleuchter

Etwas besser ausgebildet ist die “Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten”, zum Beispiel die Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik (SQQ1 der IGVW). Der Qualifikationsumfang für diese Stufe liegt heute bei rund 280 Unterrichtsstunden zu 45 Minuten. “Das ist schon recht umfangreich in Theorie und Praxis. Damit kann er aber das Netz und die Tätigkeiten (am Filmset) auch planen, ausführen und prüfen”, so Laßek.

Die nächste Stufe ist dann die drei- bis dreieinhalbjährige Ausbildung zur Elektrofachkraft. Hier variieren die Berufe bereits nach dem Einsatzgebiet. Der Hauselektriker gehört hierher, ebenso der Betriebselektriker in Handwerk und Industrie. “Es gibt keinen Universalelektriker, der alles kann. Man muss sich immer wieder weiter qualifizieren”, erklärt Laßek. Für Sonderbereiche gibt es Zusatzausbildungen, wie zum Beispiel für “Arbeiten unter Spannung”: Wer als Elektriker in einem Krankenhaus etwas arbeiten will, kann ja schlecht mal eben den Strom abstellen.

Für den Filmbereich bietet sich hier die Zusatzausbildung “Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik” an. Wer schon länger als Oberbeleuchter gearbeitet hat, kann diese auch ohne vorigen Berufsabschluss erwerben. “Oberbeleuchter, von der Bildgestaltung mit lichttechnischen Mitteln her kommend, schließen die Leuchten an das Filmstromnetz an. In der Vergangenheit wurde das Filmstromnetz durch den Set-Elektriker errichtet”, erklärt Hans Laßek. „In der heutigen Praxis ist selten ein Set-Elektriker vorhanden. Der Oberbeleuchter übernimmt dessen Aufgaben und Verantwortung. Dadurch entsteht der Bedarf an elektrotechnischer Qualifikation. “Rein ausbildungstechnisch sind sie jedoch Laien. Das Manko ist, dass man das Berufsbild Oberbeleuchter eben noch nicht in einer Form mit einem staatlichen Berufsabschluss versehen hat. Den gibt es nicht als Berufsbild, es gibt keinen Rahmenlehrplan wie zum Beispiel für die Fleischereifachverkäuferin.”

Da das Errichten von Stromnetzen im Gegensatz zum Abwiegen von Hack jedoch eine sogenannte “gefahrengeneigte Tätigkeit” darstellt, ist die Diskussion um die Qualifikation heiß.

Weitere Informationen finden Sie bei Hans Laßeks Filmstromakademie. In einem dritten Teil, der morgen auf kameramann.de erscheint, erfahren Sie, welche Sicherheitsmaßnahmen unverzichtbar an jedem Filmset sind.

Finden Sie hier auch die anderen beiden Teile “Filmstrom: Wie versorge ich mein Set?” und “Filmstrom: Was jeder beachten sollte!“. Sowie das Seminarprogramm der Filmstomakademie.

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