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Von Wagner und 16-mm-Film: Matthias Greving im Gespräch

Matthias Greving wurden 2018 für die Aufzeichnung von Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ für den Grimme-Preis nominiert. Für das Heft 7-8/2019 sprach Gerdt Rohrbach mit dem Produzenten über die Herausforderungen bei der Übertragung und über das Besondere von Filmmaterial. 

Die Aufzeichnung der Ring-Trilogie bei den Wagnerfestspielen erforderte viel Aufwand (Foto: Sky)

Auf der Homepage der TAG/TRAUM Filmproduktion ist mir ein Begriff aufgefallen: Commercial Story Telling. Was ist unter diesem Begriff zu verstehen und was bieten Sie damit Ihren Kunden?
Wir haben uns bei der „TAG/TRAUM“ die Frage gestellt: Warum sollte man uns auswählen, wenn es um Werbung oder Image geht? Die Antwort ist relativ einfach: Weil wir in unserem Metier, Geschichten zu erzählen, ein unheimliches Know-how entwickelt haben. Dieses Know-how übertrugen wir unter anderem auf Imagefilme oder Messeauftritte. Ein Beispiel: Der Zirkus Roncalli hat seit kurzem keine Tiere mehr in der Manege. Unser Kollege Peter Hümmeler, der hierfür der Hauptansprechpartner ist, hat mit seinem Team eine neue Showattraktion entwickelt. Dafür hat er das Element der holographischen 360-Grad-Projektion für die Manege adaptiert. Dies fand auch in der Presse große Aufmerksamkeit und Bernhard Paul hat für seinen „Zirkus auf der Höhe der Zeit“ den NRW-Staatspreis erhalten. Wir haben für Krone gearbeitet, für einen Messestand von MAN haben wir das weltgrößte Hologramm erstellt. Mit unseren Erfahrungen aus den anderen Genres können wir genau diesem Anspruch entsprechen.

Wie sind Sie dazu gekommen, Aufzeichnungen von den Wagnerfestspielen zu machen?
2016 kam Sky auf Axel Brüggemann und mich zu und fragte, ob wir mit ihnen den neuen Kultur-Kanal „Sky Arts HD“ starten wollten, und zwar mit der Weltpremiere der viertägigen Liveübertragung von Wagners „Ring des Nibelungen“. Da sagt man natürlich aus mehreren Gründen zu! Einmal, weil ich viele Jahre viel mit Musiktheater zu tun hatte. Ich bin ein begeisterter Opern- und Theatergänger. Dann habe ich viele Shows, Liveband-Aufzeichnungen und Musikproduktionen gehabt. Dabei habe ich als Ton-, Kameramann und als Produzent gearbeitet, so dass ich keine Angst davor hatte. Das sind ja 16 Stunden Aufzeichnung und 8 Stunden Show dazu! Dazu braucht man Routine und Struktur. Beides hatte ich, weil ich auch sehr viel Regie im aktuellen Geschäft geführt habe. Dabei kam es drauf an, alles auch schnell einmal umzuschmeißen und aus dem Augenblick heraus neu zu konzipieren. Es war also auf der einen Seite Interesse und auf unserer Seite Erfahrung vorhanden. Gleichzeitig fühlte ich mich persönlich auch sehr herausgefordert.

Wie viel Personal war da eingebunden?
Zwischen 50 und 60 Leute. Das ist aber nur das Team für die Aufzeichnung. Und man muss wissen, dass alle Kameras im Festspielhaus Remote-Kameras waren. Somit fallen etliche Kameraleute und Assistenten pro Kamera weg. Eine wichtige Rolle spielte dabei Volker Striemer. Er war der lichtsetzende Kameramann für Bayreuth.

Gab es bei diesen Aufzeichnungen der Wagnerfestspiele besondere Herausforderungen, etwa weil sie besonders strapaziös waren?
Da war zum einen die schiere Masse. Wir sind ein ziemlich kleines Team, das unglaublich flexibel ist. Zehn Tage vor dem ganzen Live-Event drehten wir die gesamten Einspielfilme, die dann in den stundenlangen Shows, die um die eigentliche Aufführung herum laufen, aufgeführt werden. Wir begannen eine Stunde vor der Oper mit der Livesendung, gestalteten dann die einstündigen Pausenshows, und hatten anschließend ein fast 60-minütiges Nachprogramm. Diese Leistungen gab es zusätzlich zur Aufzeichnung der Oper. Parallel produzierten wir das Kinoprogramm. In diesem Jahr hatten wir etwas ganz Besonderes: Wir hatten Axel Brüggemann live in zwei parallel produzierten Liveprogrammen. Wenn eine MAZ bei Sky lief, konnte es sein, dass er gleichzeitig für das Kinoprogramm moderierte. Die Herausforderung bestand darin, dies immer fehlerlos gleichzeitig zu schaffen und rasch auf spontane Gäste zu reagieren, die uns dazu brachten, alles entweder fürs Kino oder für das Liveprogramm noch einmal ganz schnell umzustellen. Dies ging nur wegen eines hervorragenden redaktionellen Backings von Bjoern Behr als Redaktionsleiter von Sky vor Ort, der uns sehr unterstützt hat und Freiraum gab. Letztendlich bin ich dann aber derjenige, der den gesamten Sendungsablauf koordinieren muss. Es war, glaube ich, noch nie ein Team so erleichtert, als das alles durch war. Ich hatte einen Puffer von 35 Sekunden bei einer Sendelänge von 8 Stunden. Trotzdem haben wir es geschafft und darauf bin ich stolz.

Matthias Greving konzipierte „Delver Glass“ für den Dreh auf 16-mm-Film. (Foto: Lür Wangenheim)

2012 haben Sie Ihr Filmprojekt „Delver Glass“ auf chemischem Film realisiert. Ist dieses Medium auch heute noch für Sie relevant?
Film ist für mich nach wie vor sehr relevant, weil er ein Medium ist, das anders erzählt und eine andere Visualität hat als das digitale Bild, egal welche Linsenkombination ich auf welcher digitalen Mühle habe. Mit „Delver Glass“, dem ersten geförderten Projekt, das ich damals gemacht habe, habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt und meine erste 16-mm-Kamera gekauft. Mit dieser Kamera haben wir nicht nur den Kurzfilm gedreht, sondern auch verschiedene Werbefilme. Gerade war sie bei einem Spielfilmprojekt eingesetzt. Es ist sehr künstlerisch und trägt den Titel „Die Festung“. Für Regisseur und Kameramann war es wichtig, dass wir auf Film drehen. Die Begeisterung für den Film darf nicht abebben. Heute ist eine gewisse Ehrfurcht zu spüren, und man hört: „Wow, ihr dreht auf Film!“ In den letzten Jahren hat Film das Anachronistische, das zwischen 2012 und 2015 zu spüren war, verloren. Mittlerweile findet man es gut, wenn ein Projekt auf Film verwirklicht wird. Es ist zwar nicht machbar, eine Reportage auf Film zu drehen, dennoch halten wir immer Ausschau nach Projekten, für die das passt. Wir diskutieren auch gerade darüber, ob wir nicht eine Web-Serie auf Super 16 drehen sollen. Es gibt einige Kameraleute, die darauf warten. Um nur ein paar Namen zu nennen: Torben Müller, Moritz Mössinger, Lür Wangenheim und viele andere. Jeder Verleih in Deutschland hat noch mindestens eine 16-mm-Filmausrüstung. Kodak ist immer lieferbereit, es gibt in Europa etliche Labors, die günstig Top-Qualität anbieten. Man bekommt von einem Tag auf den anderen Dailies. Es herrscht eine allgemeine Begeisterung und man ist von dem 2012-Papier „16 mm ist nicht HD-fähig“ schon längst abgekommen.

Matthias Greving spricht hier über den von ihm produzierten Erfolgsfilm “Die Hände meiner Mutter” und die Stimmung am Set.

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