Editorin aus Wien

Drei Fragen an … Anna Kirst

In der Rubrik “Drei Fragen an” stellen wir in jedem Heft eine Filmschaffende oder einen Filmschaffenden mit drei kurzen Fragen zu Arbeitsschwerpunkt, beruflichem Engagement und Freizeit vor! In unserer Ausgabe 6/2019 beantwortete Anna Kirst die Drei Fragen – und erzählte mit Leidenschaft, warum für sie politisches Engagement inner- und außerhalb des Berufs so wichtig ist.

Anna Krist beantwortet unsere drei Fragen

1. Was ist dein Arbeitsschwerpunkt?
Ich bin selbstständige Editorin und fühle mich nach zehn Jahren Schnitterfahrung in so gut wie jedem Genre zu Hause. Egal, ob Film oder Fernsehen, Werbung, Musikvideos, experimenteller Kurzfilm, Nachrichten, Magazine – ich habe in all diesen Bereichen Erfahrungen gesammelt und schätze die unterschiedlichen Herausforderungen, die diese Formate mit sich bringen. Am meisten hat es mir die Arbeit im Filmbereich angetan. Hier sehe ich, auch aufgrund der Projektdauer, die größte persönliche Weiterentwicklung. Während meiner Ausbildungszeit an der Filmakademie Wien konnte ich mich vor allem im fiktionalen und dokumentarischen Kurzfilm ausprobieren. Mittlerweile lief die erste von mir geschnittene Langdoku („Kein halbes Leben“, Regie: Sybille Bauer) auf österreichischen Filmfestivals und der kürzlich fertiggestellte fiktionale Langfilm („Schwarz Weiss Bunt“, Regie: David Moser) startet gerade mit der Verwertung. Auch zeittechnisch wechseln sich bei mir die kurzfristigen Werbeengagements und Fernsehmagazin-Arbeiten mit den längerfristigen Kurz- und Langfilmprojekten ab. Ich liebe die Vielfältigkeit, die meine Arbeit mit sich bringt, und betrachte jedes Projekt als individuelle Möglichkeit, um eine einzigartige Geschichte zu erzählen.

2. Bist du in einem Verband aktiv?
Ich bin zahlendes Mitglied im Österreichischen Verband Filmschnitt und bei FC Gloria – Frauen Vernetzung Film, ein Verein, der sich für die Förderung von Frauen in der Filmbranche einsetzt. Im zweitgenannten Verein bin ich auch als Workshopleiterin an Schulen tätig, um junge Menschen für das weibliche Filmschaffen zu sensibilisie- ren und Vorbilder für Mädchen* und junge Frauen* auf- zuzeigen, die sich nun vielleicht für eine Karriere in der Filmbranche interessieren. Weiters bietet FC Gloria auch ein Mentoringprogramm an, das ich dieses Jahr als Mentee belege. Meine Mentorin ist Niki Mossböck und der Austausch mit dieser brillanten Editorin ist für mich eine großartige Chance, um von ihr zu lernen und mich mit ihr über all die Themen zu unterhalten, die mich immer schon beschäftigt haben.
Ich sehe beide Vereine als wichtige Plattformen, um sich miteinander auszutauschen, zu vernetzen und die Kommunikation über die vorherrschenden und künftigen Arbeitsbedingungen zu fördern. In Österreich ist gerade einiges im Umbruch, was vor allem politische Hintergründe hat. Das österreichische Sozialsystem sowie die Kulturförderung werden gerade heftig angegriffen, was sich beides auf uns Filmschaffende auswirkt. Ich sehe die Verbände hier als wichtiges Werkzeug, um gemeinsam aufzutreten und sich diesen Fehlentwicklungen lautstark zu widersetzen. In diesem Kontext hat sich vor wenigen Tagen auch die IG Filmkultur gegründet, die noch breitenwirksamer auftritt und hinter der der Großteil der österreichischen Filmverbände steht. Karina Ressler hat kürzlich in einer Rede so treffend gesagt: „Wir dürfen uns nicht von der Notwendigkeit ablenken lassen, dass der Kampf um eine gute Welt ein allumfassender sein muss. Mit vereinten Kräften und in unterschiedlichen Allianzen gegen einen kalten Zynismus, der den Verdrängungswettbewerb über alles stellt.“ Diesem Statement kann ich nur beipflichten.

3. Wofür schlägt dein Herz außerhalb der Arbeit?
Ich weiß, an dieser Stelle sollte ich vielleicht über meine große Leidenschaft für das Reisen schreiben, oder darüber, dass ich gerne Roller Derby spielen würde. Im Moment schlägt mein Herz jedoch am rasantesten, wenn es um Soziales und die Politik geht. Sozialpolitik. Dadum, dadum, dadum. Da springt es mir förmlich aus der Brust. Im Moment versuche ich, meine Freizeit nach Möglichkeit auf den wöchentlich stattfindenden Donnerstagsdemos in Wien zu verbringen, oder mich so detailliert wie möglich darüber zu informieren, was die österreichische Regierung im Galopp beschließt. Ich lese viel, versuche zuzuhören, wenn Menschen anderer Meinung sind und übe mich im respektvollen Austausch miteinander. Und wenn ich auch hiervon eine Pause brauche, gehe ich mit Freund*innen auf ein Konzert, ein Filmfestival, ins Kino, oder verschwinde mal mehr oder weniger kurz im Serienäther. Und weil es bald wieder so weit ist: Der Eurovision Song Contest lässt mein Herz auch höher schlagen … noch Fragen?

Ja, wir hatten noch Fragen zu Anna Kirsts Kurzfilm-Erfolg 2016. Das ganze Interview lesen Sie hier nach.

Sie arbeiten an der Kamera, am Tonmischpult, im Szenenbild oder einem anderen technischen Gewerk? Dann beantworten Sie doch auch unsere drei Fragen und stellen sich der Branche vor.

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