Shot on Alexa:

“Rogue One – A Star Wars Story”

Dass “Rogue One” auf der ARRI Alexa 65 gedreht wurde, ist nicht selbstverständlich. Lange Jahre war analoges Drehen das Mittel der Wahl, auch für schwer effektlastige Filme – und ist es oftmals heute noch. Wir fassen zusammen – und sprachen mit dem DoP des Films, Greig Fraser.

DoP Greig Fraser mit der Alexa 65 - Rogue One: A Star Wars Story..Pao BTS image..Ph: Jonathan Olley/Lucasfilm..©2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
Foto: Jonathan Olley / Lucasfilm
DoP Greig Fraser mit der Alexa 65.

Als George Lucas 1977 mit “Star Wars – A New Hope” Filmgeschichte schrieb, tat er das nicht etwa zufällig mit einem Überraschungserfolg, sondern gezielt. Neben dem klugen Schachzug mit den Einbehalten der Merchandisingrechte – was ihn schwer reich machte – hatte er die Filmhandlung so geschickt konstruiert, dass sie nicht nur jedermann auf irgendeine Weise Zugang bot, sondern auch, dass man vorne und hinten weitere Erzählungen dranstöpseln konnte – Zunächst lief der Film ohne die verwirrene Bezeichnung „Episode IV“ vor dem charakteristischen Lauftext. Die von Fans als „Holy Trilogy“ bezeichnete Kerntrilogie um Luke Skywalker, Prinzessin Leia und Han Solo war zudem mit dem Nonplusultra an Tricktechnik hergestellt worden, was in den 70ern und frühen 80ern zur Verfügung stand beziehungsweise geschaffen werden konnte.

Spielberg nutzte ähnlich beeindruckende Effekte für seinen „Close Encounters of the Third Kind“, der nur ein halbes Jahr später starten solle, doch was Lucas mit seiner Firma Industrial Light and Magic da an Effekten aus der Trickkiste gezaubert hatte, das war eindeutig ein Quantensprung. Vom Lichtschwert bis zu Creature Effects, von Raumschlachten bis zu Robotern und künstlichen Gliedmaßen, und das auch noch in nahezu jeder Szene – für das damalige Publikum tat sich ein ganz neues filmisches Universum auf, und für Filmemacher ein Universum ganz neuer Möglichkeiten. Nicht unerwähnt bleiben sollte Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“, dessen verhältnismäßig dezent gesetzten Effekte noch fast eine Dekade früher den Grundstein für wirklich ferne Welten im Kino gesetzt hatten, und bis heute nichts an ihrem Glanz eingebüßt haben.

George Lucas hatte damals VistaVision wiederbelebt, also das seitliche Verwenden von 35 Millimeter-Film, um aus dem günstigen Filmmaterial eine deutlich höhere Auflösung herausholen zu können, und exzessiv Motion Control verwendet, um für die – damals noch analogen – Spezialeffekte Kamerabewegungen präzise wiederholen zu können. Schon früh wollte Lucas weg von den analogen Kameras, wollte komplett digital drehen. Doch die Entwicklung ging nicht schnell genug, zumindest nicht in der Qualität, die Lucas wollte, und so wurde erst „Star Wars Episode II: Attack of the Clones“ 2002 volldigital gedreht. Und das nicht nur als erster Film der Star Wars Franchise, sondern als erster größerer Film überhaupt.

Als JJ Abrams dann Episode VII drehte, „The Force Awakens“, tat er das wieder klassisch auf 35 Millimeter, ein paar Szenen sogar auf 65 Millimeter mit einer IMAX-Kamera.

Regisseur Gareth Edwards dreht selbst: Hier mit Schauspieler Diego Luna – Rogue One: A Star Wars Story..L to R: Director Gareth Edwards and Diego Luna (Cassian Andor) on set. ..Ph: Jonathan Olley..© 2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.
Foto: Jonathan Olley / Lucasfilm
Regisseur Gareth Edwards dreht selbst: Hier mit Schauspieler Diego Luna.

Neu ins Kino kommt nun „Rogue One – A Star Wars Story“, mit der Disney, die das komplette Star Wars-Universum vor einigen Jahren kauften, eine Fülle an Prequels, Sequels, Spin-Offs und anderem rund um die bekannte Saga einläuten. Dieser Film spielt direkt vor Episode IV „A New Hope“ und erzählt gekonnt, wie die Rebellen die Baupläne für den Todesstern ergattern können und wie diese letztlich in das Gehäuse von R2-D2 geraten.

Gedreht wurde „Rogue One“ mit der ARRI Alexa 65, zumindest in weiten Teilen. Endlich eine Kamera, die hält, was George Lucas sich 1977 gewünscht hat, könnte man sagen, und der dazu passende Workflow. DoP Greig Fraser entschied sich zudem für die Ultra Panavision 70 Anamorphoten. Mit diesen Optiken hatte Quentin Tarantino „The Hateful Eight“ gedreht, allerdings auf 70 Millimeter Film. Einige Sequenzen wurden jedoch auch bei dieser Produktion auf 35 Millimeter analog gedreht.

[Ein Interview mit DoP Greig Fraser finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe 1-2/2017 auf Seite 72!]

Für den nächsten Film der Reihe, Episode VIII, war ebenfalls 65 Millimeter IMAX im Gespräch, nun wird von 35 Millimeter gesprochen, also könnte es eine voll-analoge Produktion werden. Wir leben in spannenden Zeiten, was das Drehen angeht, auch wenn die Postproduction und das Projizieren wohl so gut wie flächendeckend digital geworden ist.

„Rogue One – A Star Wars Story“ ist ein solider Kriegsfilm in einem Science-Fiction-Setting. Er bedient sich der üblichen Versatzstücke der beiden Genres. Die Figuren sind emotional nicht halb so tief angelegt wie es möglich gewesen wäre, aber das ist auch verständlich: Wie es ausgeht, wissen alle, die damals bei Episode IV aufmerksam zugehört haben. Der Unterhaltungswert ist jedenfalls hoch, die Star-Wars-Optik ist gegeben, sprich, das Universum hat würdigen Zuwachs bekommen. Nicht unerwähnt bleiben sollte, dass unter anderem Peter Cushing digital auferstanden ist, um seine Rolle des Grand Moff Tarkin noch einmal einzunehmen – über 20 Jahre nach seinem Tod. Auch das ist eine Sache, die sich noch als zukunftsweisend herausstellen könnte. „Rogue One – A Star Wars Story“ startet am 15.12.2016.

 

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