Hardware und Software

Streaming: Technische Möglichkeiten zur Umsetzung

Im ersten Teil zum Live Streaming sind wir auf rechtliche Aspekte, sowie auf die grundliegenden technischen Voraussetzungen eingegangen. Hier im Zweiten Teil des Berichts aus unserer Ausgabe 1-2/2018, gehen wir ins Detail und schauen uns konkrete Möglichkeiten für dir Umsetzung eines hochwertigen Live-Streams an.

 

Der Web Presenter bietet verschiedene Überblendungsmöglichkeiten für seine Signale an.
Der Web Presenter bietet verschiedene Überblendungsmöglichkeiten für seine Signale an. (Bild: Foto: Peter Kaminski)

BLACKMAGIC DESIGN WEB PRESENTER

Eine Lösung, mehrere professionelle Kameras für Streaming einzusetzen und für die Übertragung zu selektieren, ist mithilfe des Web Presenters von Blackmagic Design und einem PC- oder Macintosh-Rechner möglich. Der Web Presenter wurde in Europa erstmals auf der IBC 2016 vorgestellt. Der Web-Presenter wird vom PC/Rechner als sogenanntes UVC-Device erkannt – also als USB Video Class Device. Fast jede Streaming-Software unterstützt UVC als Audio/Video-Quelle. Damit ist man also sehr universal aufgestellt, denn UVC wird sowohl von Windows als auch von macOS X oder Linux unterstützt. Anders als es beim Einsatz von DeckLink-Videokarten von Blackmagic Design ist, denn die Programme müssen diese Karten explizit unterstützen und das ist leider nicht immer der Fall.

HARDWARE

Die Hardware ist in einem 1/3 19″-Gehäuse untergebracht. Es gibt eine Rack-Montage, wo bis zu drei Web Presenter eingebaut werden können oder andere Produkte gleicher Baugröße von Blackmagic Design, wie zum Beispiel die Blackmagic Design Teranex Mini Konverter. Auf der Rückseite befinden sich die Anschlüsse und zwar stehen hier ein 12G-SDI-Kameraeingang und ein durchgeschleiftes SDI-Signal (Loop) sowie ein SDI-Programmausgang und ein HDMI 2.0 Ein- und Ausgang (Loop) bereit. Es gibt auch noch zwei analoge Audioeingänge, und zwar in Form von einem Line/Mic-Eingang (XLR-Buchse, symmetrisch) oder eines Stereoeingangs mittels zweier Cinch-Buchsen. Die Verbindung zum Rechner erfolgt über USB 2.0. Als Eingangssignale für HDMI und SDI werden alle gängigen HD- und UHDFormate bis 2160/60p unterstützt. Für das Streaming selbst steht bei der virtuellen USB-Web-Cam maximal HD mit 1.280 Å~ 720 in 16:9 progressiv zur Verfügung, das heißt, es wird entsprechend herunterskaliert. Aus dem SDI-Programm-Ausgang wird, zum Beispiel für eine externe Aufzeichnung, das nicht herunterskalierte Signal ausgegeben.

Die Rückseite des Web Presenters sieht sehr nach „Plug&Play“ aus.
Die Rückseite des Web Presenters sieht sehr nach „Plug&Play“ aus. (Bild: Foto: Peter Kaminski)

Der Web Presenter an sich kommt ohne große Bedienelemente aus. Hinter einer Abdeckung befinden sich einige kleine DIP-Schalter, mit denen sich ein Eingang – also HDMI oder SDI – fest aufschalten lässt oder eine automatische Auswahl gestattet. Der SDI-Eingang hat bei der automatischen Auswahl Priorität.

BEDIENUNG

Der Web Presenter lässt sich über das Aufsetzen des Teranex Mini Smart Panels deutlich aufwerten. Dazu wird die normale Frontblende entfernt, was sich durch Lösen einiger weniger Schrauben schnell durchführen lässt und das Smart Panel dann aufgesetzt und befestigt. Auf dem Screen wird das an den Rechner übergebene Video dargestellt und zwar mit eingeblendetem Bargraf für den Audiopegel, oben mit Statusinformationen wie selektierter Eingang und Quelldaten und die USB-Kamera-Bildrate. Es gibt darüber hinaus über die Tasten Menü, Audio, Video, Set die Möglichkeit der Parameteränderung. Wählt man einen der Dialoge aus, so lässt sich mit dem Drehgeber der angewählte Parameter verändern.

Hinzu kommt mit dem Smart Panel eine ganz neue Funktion, nämlich die Quelle über die Tasten 1 und 2 am Smart Panel umschalten zu können. Die Umschaltung erfolgt dabei über eine vorgewählte Überblendungszeit (Cut, 0,5,  1 oder 1,5 Sekunden). Es lassen sich zwei verschiedene Typen von Überblendung wählen, und zwar ein Crossfade (Mix) zwischen den Quellen oder eine Blende, die zunächst über ein Schwarzbild läuft (Dip). Als Audioquelle  lassen sich HDMI, SDI oder analoger XLR- beziehungsweise Cinch-Eingang auswählen.

Bei Blackmagic Design Studiokameras gibt es auch die Möglichkeit bei SDI-Benutzung die Tally-Funktion an der Kamera zu nutzen. Hierfür muss man den SDI-Programm- Ausgang mit der Kamera verbinden.

Man kann auch mehrere Web Presenter an einem PC/Rechner betreiben. Das Nadelöhr ist hier in der Regel aber die USB 2.0-Verbindung. Daher sollte man die Interfaces auf verschiedenen USB-Bussen verteilen. Gegebenenfalls hilft hier, zusätzliche PCIe USB-Karten in den Rechner zu installieren. Für die modernen Rechner selbst stellen mehrere 720p-Videostreams via USB kein Problem dar.

SOFTWARE

Zur Übertragung des Videos muss der Web-Presenter an einen Rechner angeschlossen werden. Dies funktioniert für gewöhnlich systemunabhängig, weil der Web Presenter sich gegenüber dem Betriebssystem als USB-Kamera präsentiert. In Skype lässt sich der Web-Presenter direkt im Programm als Video- und gegebenenfalls auch als  Tonquelle auswählen. Um aber eine Übertragung zu den gängigen Streaming-Diensten wie YouTube oder Web.tv zu starten, benötigt man jedoch eine Software, die das Video vom Web Presenter entsprechend kodiert und an den Provider überträgt.

Hier gibt es eine ganze Reihe von Programmen, die sich einsetzen lassen, auch einige, auf die wir in diesem Beitrag noch nicht eingehen möchten, wie LiveStream Studio. Der Hersteller der Software betont auf seiner Web-Site, dass der Blackmagic Design Web Presenter nicht zusammen mit der Software arbeitet. Wir haben es ausprobiert und kein Problem feststellen können. Der Web Presenter wurde einwandfrei als USB-Kamera erkannt und konnte als Quelle genutzt werden. Wir möchten uns aber an dieser Stelle zunächst mit Einsteigerlösungen beschäftigen.

OBS STUDIO

OBS Studio, ist eine kostenfreie Open-Source-Software, die für Windows, Mac OS X und Linux verfügbar ist. Hier wird der Web Presenter in den Einstellungen unter Video und gegebenenfalls auch unter Audio entsprechend angewählt und eingebunden. In den Einstellungen kann man dann unter Streaming den entsprechenden Provider, wie YouTube, LiveStream oder Web.tv oder über 30 weitere anwählen. Die Übertragung erfolgt mit dem in der Software integrierten H.264-Codec. Basisparameter wie die Bildgröße und die Datenrate lassen sich einstellen. Neben der virtuellen Webcam des Web Presenters lassen sich auch andere Quellen im Bild einblenden, wie Grafiken oder Videofiles. Über eine Szenenanwahl kann man so auf eine andere dieser Quellenkonfigurationen umschalten.

Die Open Source Software OBS hält voreingestellte Plattformprofile bereit.
Die Open Source Software OBS hält voreingestellte Plattformprofile bereit. (Bild: Foto: Peter Kaminski)

Der Übergang kann sowohl als harter Schnitt als auch als Blende mit einstellbarer Überblendungszeit erfolgen. In dem sogenannten Studiomodus hat man links eine Vorschau und rechts das Übergabesignal. Über die Szenenauswahl kann man eine Quellenkonfiguration auf die Vorschau aufschalten und per virtuellem Knopfdruck dann zur passenden Zeit On-Air stellen. In der Konfiguration lassen sich die Szenenwechsel und viele andere Funktionen auch auf frei definierbare Tasten legen.

MANYCAM 6 SOFTWARE

ManyCam ist eine alternative Software, die von der Funktionalität her etwas komfortabler ist und auch gegenüber OBS Studio weitergehende Funktionen bietet. Die Software ist von der Handhabung her etwas mehr Broadcasttypischer. Mit ManyCam kann man den Stream entweder via RTMP-Protokoll an den Mediaserver übergeben oder man kann sich mit YouTube oder Facebook verbinden. Interessant ist, dass der Output von ManyCam selbst auch wieder eine virtuelle USB-Kamera im System darstellt. Daher lässt es sich auch mit allen Programmen verwenden, die selbst als Quelle wieder eine USB-Kamera akzeptieren. Somit lässt sich ManyCam als Kameraregie-Software nutzen und OBS Studio nachgeschaltet als Encoder und Verbindungs-Software zu den Providern. Damit kann man von beiden Programmen die Stärken der jeweiligen Software nutzen. Auch ist man hier gerüstet, falls man einmal andere ältere Encoder nutzen muss, wie NSV oder OGV. Diese Encoding-Programme lassen als Quelle in der Regel ebenfalls virtuelle Kameras zu. Es sind Ausgabeformate mit bis zu 1080/60p möglich.

Der Clou bei ManyCam: Sie fungiert selbst als virtuelle Kamera und kann so in bestehende Live-Softwares eingebunden werden.
Der Clou bei ManyCam: Sie fungiert selbst als virtuelle Kamera und kann so in bestehende Live-Softwares eingebunden werden. (Bild: Foto: Peter Kaminski)

Der Vorteil von ManyCam ist, dass man bei entsprechender Darstellungsgröße auf dem Desktop von allen Kameras ein Vorschaubild gleichzeitig sieht. Die On- Air-Übernahme erfolgt entweder durch Anklicken des Vorschaubildes oder durch Drücken einer Zifferntaste plus einer definierten Kommandotaste. Das kann zum Beispiel „String“ oder „Alt“ sein. Man kann auch Tastenkombinationen für Vorschau, On-Air mit Cut, On- Air mit Crossfade individuell definieren. Jede einzelne Quelle kann von der Farbe und Helligkeit her individuell angepasst werden und auch ein virtueller Zoom ist möglich. Weiterhin wird auch Bild-In-Bild-Funktion unterstützt. Darüber hinaus lassen sich die üblichen Einblendungen machen, wie Standbilder und Mediendateien, aber auch feste Texteinblendungen sowie Lauftext oder die Uhrzeit.

FAZIT

Der Preis für den Web-Presenter beträgt knapp über 500 Euro und für das Teranex Mini Smart Panel 95 Euro, also zusammen rund 600 Euro. Das ist für so ein Interface mit dieser Funktionalität absolut angemessen.

Die ManyCam-Software gibt es sowohl direkt vom Hersteller als Jahres-Abo als auch als Lifetime-Version. Die Lifetime-Version „Standard“ für vier Videoquellen und einer Aktivierung kostet 59 US-Dollar und die Version „Studio“ für 12 Videoquellen, zwei Aktivierungen und H.264 IP-Kamera-Unterstützung 149 US-Dollar.

Ob man nun die kostenlose OBS Studio oder die relativ preiswerte Software ManyCam nutzt oder beides, ist abhängig von der Streaming-Anwendung (Konzert, Konferenz, Industriepräsentation etc.) und den individuellen Vorlieben. Wer ManyCam ausprobieren möchte, kann dies tun, indem man die freie Version herunterlädt, die auf zwei Videoquellen begrenzt ist und ein ManyCam-Wasserzeichen einblendet. Funktionell kann man das meiste hier aber schon einmal austesten.

Natürlich gibt es auch weitere Lösungen, besonders wenn die Ansprüche an der Regiesoftware noch höher ausfallen. Daher werden wir uns dem Thema Streaming auch in Zukunft weiter widmen, sowie andere Systeme und Lösungen vorstellen.

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