„Sewol – Die gelbe Zeit“: Dokumentarfilm mit der Canon C300

„Sewol – Die gelbe Zeit“: Aufarbeitung eines Fährenunglücks

Im April 2014 kostete der Untergang der südkoreanischen Fähre „Sewol“ 304 Menschen das Leben, darunter viele Schulkinder. Regierung und Angehörige befinden sich seitdem im Kampf um Aufarbeitung. Der gebürtige Südkoreaner Minsu Park drehte darüber seinen Abschlussfilm an der HFF München. Im April erhielt er mit seinem Team den Grimme-Preis für „Sewol – Die gelbe Zeit“. Wir sprachen für die Ausgabe 7-8/2018 mit dem DoP über seinen Film.

(Bild: Minsu Park)Die Rufe der Frau sind schwer auszuhalten. Sie schreit immer wieder den Namen ihres Kindes in Richtung offenes Meer. Die Mutter steht stellvertretend für die Familien der über 300 Menschen, denen nicht geholfen wurde, als sie am 16. April 2014 etwa 20 Kilometer vor der Küste der Insel Byungpoong im Rumpf der Fähre „Sewol“ gefangen waren, während sie unterging. Auf der fünfstöckigen Fähre waren 475 Passagiere. Später wurde ermittelt, dass der Frachtraum vermutlich stark überladen war. Ein Verrutschen der Ladung könnte zur Schlagseite und diese schließlich zum Kentern geführt haben.

Die Angehörigen machen die schlecht organisierten Rettungskräfte, die Profitgier des Schiffseigners und die damalige Regierung verantwortlich. Es gab politische Konsequenzen, doch bis heute keine angemessene Aufarbeitung der Ursachen in Südkorea.

Dieser Geschichte wollte sich Park mit einem Film nähern. Park ist Jahrgang 1981 und stammt aus Busan, der zweitgrößten Stadt Südkoreas. Hier wuchs er auf und studierte von 2000 bis 2006 Fotografie an der dortigen Kyung-sung Universität. Danach kam Park nach Deutschland, um hier ab 2009 an der HFF München Kamera zu studieren. „Ich wollte weiter lernen und war schon immer filmbegeistert“, sagt DoP Park. „Ich habe mich dann mehr für die europäische Filmsprache und Bildgestaltung interessiert, die wollte ich erlernen.“ „Sewol – Die gelbe Zeit“ ist Parks Abschlussfilm.

Minsu Park erfuhr von dem Unglück aus den Nachrichten. Die vielen Falschmeldungen und der chaotische Verlauf der Rettungsarbeiten machten ihn wütend. Auch, dass die Regierung nur zögerlich Zugeständnisse machte. Über die Wut und Verzweiflung der Angehörigen wollte er einen Film machen. Er wollte zeigen, wie das traditionsverbundene und hierarchietreue Denken in seiner Heimat Südkorea eine Schiff unter. Trauerarbeit äußerst schwer macht, vielleicht mit dem Film einen Anstoß liefern zu Gesprächen, zur Offenheit mit einem Thema, das in Südkorea gesellschaftlich tabuisiert wird.
Zuvor hatte Park die Bildgestaltung bei mehreren Kurzfilmen und ein paar Dokumentationen übernommen. Jetzt brach er, rund drei Monate nach dem Unglück, mit einer Canon C300 im Koffer nach Südkorea auf, um sich als Regisseur und Kameramann auf die Suche nach Antworten zu machen.

Intuitiv drehen: Canon C300

Park wusste, dass er zunächst alleine sein würde, erst später im Dreh stieß als Tonmann sein Cousin Sungsu Park hinzu. Daher brauchte der Student eine Kamera, die er einfach alleine führen konnte und die nicht übermäßig groß ist. So entschied er sich für die Canon C300. Park erklärt: „Ich habe schon während meines Fotografiestudiums die Canon 5D und die Canon-EF-Objektive kennengelernt und lange mit ihnen fotografiert.“ Die Bedienung der C300 war Park geläufig. Das war wichtig, da ihm bewusst war, dass er bei einem Dokumentarfilm schnell reagieren und oft intuitiv arbeiten müsste. Zudem hatte er sich bereits mit C- Log beschäftigt und wusste, was Super-35-mm-CMOS-Sensor und Farbraum zusammen können – und was nicht. „Da ich wusste, dass ich nur mit Available Light arbeiten würde, war das sehr wichtig: Was ist mit Kontrast und Farbe später möglich?“, so Minsu Park. Die C300 saß auf einem von Park selbst umgebauten Schulterrig, das er mit beiden Händen vor der Brust führte. Zur Bildüberprüfung nutzte er den internen Monitor der Kamera. Um nicht ständig wechseln zu müssen, wählte Minsu Park ein Zoom-Objektiv. Er entschied sich für das Canon EF 24-70 mm f/2.8 II USM.

„Ich hatte keine Zeit zur Vorrecherche. Ich habe gleichzeitig recherchiert und gedreht“, erzählt Park. Er nahm Kontakt zu den Angehörigen auf und verbrachte viel Zeit mit ihnen. Seine Dokumentarfilmerfahrung half ihm, dennoch war es allein ein ganz anderes Arbeiten. „Spielfilme zu machen ist ganz anders. Man hat ein großes Team und viele Rollen, die Arbeit ist getrennt“, So DoP Park. „Beim Dokumentarfilm ist man oft alles in einer Person. Ich habe gemerkt, dass die Kameraarbeit hier eine wichtigere Rolle spielt, weil sie viel der Dramaturgie herstellt.“ [5594]

Den zweiten Teil des Drehberichts können Sie am Sonntag lesen.

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