"Embedded": DoP Martin Christ

Dreh bei der Nationalelf mit der Canon EOS C200

Es ist noch gar nicht so lange her, dass im deutschen Fussball Hoffnung, Glück und Zuversicht herrschten: beim Confederations-Cup 2017 in Russland begleitete DoP Martin Christ die DFB-Nationalmannschaft. Mit dabei war die Canon EOS C200. Wir haben mit ihm für die Ausgabe 12/2017 über seine Erfahrungen gesprochen.

DoP Martin Christ hat die Canon C200 bei einem Projekt für den DFB eingesetzt
DoP Martin Christ hat die Canon C200 bei einem Projekt für den DFB eingesetzt (Bild: André Fulczyk)

Martin Christ macht einen Job, um den ihn viele Deutsche beneiden dürften. Nicht dass es so viele Anwärter auf den Beruf des Kameramanns gäbe. Christ ist Haus- und Hof-DoP des Deutschen Fußballbunds. Sein Protagonist dabei ist stets die Männer-Fußball-Nationalmannschaft, er darf regelmäßig bei Turnieren, Meisterschaften und Trainings dabei sein. So war er auch für die Bildgestaltung des Dokumentarfilms “Die Mannschaft” von 2014 verantwortlich, der den Weg der Fußball-Nationalelf zur Weltmeisterschaft nachzeichnete.

Christ arbeitet darüber hinaus auch szenisch, im letzten Jahr lief “Das Luther Tribunal” zum Reformationstag. Die Dreharbeiten zum ZDF-Dokudrama “Der deutsche Prophet – Die letzte Reise von Karl Marx” unter der Regie von Christian Twente und mit Mario Adorf in der Rolle des Karl Marx hat Ende 2017 abgeschlossen.

Für das letzte DFB-Projekt hatte Christ erstmals die Canon Cinema EOS C200 im Gepäck. Zusammen mit der Mannschaft und der C200 fuhr er zum Confederation-Cup nach Russland. Seine Hauptaufgabe war, die Begleitung der Spieler mit der Kamera und deren Alltag einzufangen. “Ich habe mit der Mannschaft in den diversen Hotels gewohnt, gegessen und war bei Training, Sitzungen und den Spielen. Dabei sind Clips für die Online-Plattformen des DFB, Footage-Material für die übertragenden Sender ARD und ZDF, sowie Bildmaterial für einen kommenden DFB-TV-Spot zur WM 2018 generiert worden”, so Martin Christ.

DOKUMENTARISCHES BEGLEITEN

Bei szenischen Produktionen greift der DoP gerne auf die ARRI Alexa und Festbrennweiten zurück. Hier steht ihm ein Team zur Verfügung, wie bei Spielfilmen üblich. Dreht er für den DFB, ist das Team kleiner, oder er ist gar allein unterwegs. “Die Mannschaft” schoss Christ auf einer RED Epic sowie der Canon C300. “Diesmal habe ich mich nach einigen Tests für die Canon C200 als Hauptkamera entschieden”, sagt der DoP. “Zu Beginn des Jahres habe ich bei einem Dokudrama für das ZDF die Canon C700 neben der ARRI Alexa eingesetzt  und war von dem Sensor in unterschiedlichen Empfindlichkeitsbereichen sehr angetan. Die C200 hat nun den gleichen Sensor in einem sehr viel kleineren, kompakten Gehäuse.”

Christ drehte viel spontan aus der Hand, wobei sich das geringe Gewicht von 1,4 Kilogramm und der Formfaktor auszahlten. Doch auch für den dokumentarischen Charakter der Clips war das laut Christ von Vorteil: “Gerade bei  diesem Projekt war es gut, den Spielern eher unauffällig und nicht mit einer riesigen Schulterkamera zu begegnen, auch um die ,Privatsphäre‘ und Geschlossenheit des gesamten Teams einigermaßen aufrechtzuerhalten.” Als zweite Kamera setzte Martin Christ die Leica SL mit 24-90-mm-Elmarit-Objektiv ein.

Martin Christ riggte die Canon C200 nicht groß auf, um seine Freiheit zu bewahren.
Martin Christ riggte die Canon C200 nicht groß auf, um seine Freiheit zu bewahren. (Bild: André Fulczyk)

Es gab keine vorher festgelegten Motive oder Situationen. Nur die Kurzporträts der einzelnen Nationalspieler standen fest. Inszeniert wurde dabei nichts. Das rein dokumentarische Begleiten vom Hotel ins Flugzeug und weiter ins Stadion, oder auch das Regenerationstraining nach dem Spiel, sollten den Zuschauern auf den Onlinekanälen des DFB die Nähe zur Mannschaft vermitteln, sollte sie zu einem Teil des Teams machen.

Christ stimmte sich dafür situativ ständig mit TV-Medien-Koordinator Ulrich Voigt ab. Die visuelle Umsetzung übernahm er in Eigenregie. Als Orientierung der dramaturgischen Gestaltung diente Christ der jeweilige Tagesplan des Teams. Das ging von einem knapp zwei Minuten langen Clip über die Reise von Sotschi nach St. Petersburg bis zu kleinen Ballübungen mit Zeitlupe.

“Die technische Herausforderung ist es, den Spielern und Trainern in unterschiedlichste Räume – Flugzeuge, Kellerräume, die als Fitnessräume fungieren et cetera – zu folgen und dabei meistens von der vorhandenen Lichtsituation abhängig zu sein”, erinnert sich Christ. Hier spielte die C200 ihre Stärken aus. “Sie ist leicht, hat einen guten verstellbaren Monitor und vor allem einen leistungsstarken Sensor. Außerdem war das schnelle Umschalten von MP4 zu 4K-Raw ein großer Vorteil.” Christ nutzte das  Display, dessen Lösung er im Gegensatz zur C300 als endlich gelungen ansieht, oft als Onboard-Monitor.

Lesen Sie morgen hier den zweiten Teil des Berichts.

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