Doku-Dreh mit der Canon C300 MkII

Viel weniger Zeit als vermutet hatte DoP Börres Weiffenbach beim Dokumentar-Dreh eines Porträts von vier Künstlerinnen zur Verfügung. Wie er trotzdem zu den Bildern kam, die er brauchte, berichtete er in unserer Ausgabe 10/2018.

Im März 2018 begannen die Dreharbeiten in New York. Das Team war zu Gast bei Shirin Neshat. Schon nach kurzer Drehzeit realisierte das Team, dass die Zeit, die sie in der Vorplanung für die einzelnen Begegnungen mit den Künstlerinnen vorgesehen hatten, viel kürzer ausfiel, als erhofft. Oft hatten sie nur wenige Stunden Zeitfenster.

ZEISS MILVUS PLUS CANON ZOOM 18-80

Weiffenbach musste reagieren und holte nach der ersten Drehphase ein neues Objektiv dazu. Das Canon CN-E18- 80 mm T4.4 verkürzte ab sofort die Umbauzeit enorm. Mit der Brennweite zwischen 18 mm und 80 mm deckte es den wichtigsten Bereich ab – ohne Objektivwechsel. Die geringere Blendenöffnung von T4.4 konnte der DoP mit der Empfindlichkeit der C300 MkII ausgleichen. Hier hatte er glücklicherweise einen umfassenden Test in der Vorbereitung gemacht. So wusste er, dass er das Material der C300 nicht unterbelichten durfte – so seine Erfahrung.
Bis 800 ASA ging er herunter, darunter hatte er das Gefühl, nahm das Material schon Schaden, der in der Postproduktion nicht auszumerzen war. Überbelichten war kein Problem. Hier entstand zwar Rauschen, dem aber mit einem De-Noise beizukommen war. Das hatte er mit seinem Postproduction Supervisor Christopher Campbell vorab geklärt. Der Canon-Zoom hatte noch einen großen Vorteil für die bewegten Szenen, er hatte einen optischen Bildstabilisator. Jenseits der 80 mm füllte Weiffenbach dann mit den Milvus-Festbrennweiten auf.
Weiffenbach drehte die Interviews vom Sachtler-Video- 25-Stativ, für diese Situationen war eine zweite C300 MkII als B-Cam dabei. Hier ging er kein Risiko ein, später nicht matchbares Material zu generieren und holte daher die Zwillingsschwester dazu. In den bewegten Szenen, in denen Schels’ Konzept daraus bestand, die Künstlerinnen bei einem Work-in-Progress zu begleiten, setzte Weiffenbach dann auf den Canon-Zoom. Die C300 trug er dann auf einem DVTech ENG-Rig, ein Bauchstativ mit einem Federstab.

VIEWFINDER

Gerade in diesen Situationen kam ein besonderes Stück Equipment zum Tragen. Weiffenbach ist ohnehin der Meinung, der Sucher der C300 sei nicht sehr brauchbar, wenn die Kamera auf der Schulter sitzt. Also benötigte er einen externen Viewfinder. Der Zacuto Gratical Eye EVF ermöglichte Weiffenbach die dauerhafte Überprüfung des Bildes. Er hat ein 4:3-Bild, so hatte der DoP auf der oberen Hälfte des Monitors im Okular das freie 16:9-Bild aus der Kamera, darunter den Waveformmonitor und weitere Informationen, wie Akkustand und Rec-Modus. So konnte er gleichzeitig das ungestörte Bild und die Belichtung im Blick haben. Den Zacuto-EVF konnte er über BNC an die C300 anschließen. Für die schnelle Reaktion hatte er sich auf einen der programmierbaren Knöpfe seines Griffs den Schärfeassistenten gelegt. So konnte er innerhalb einer Sekunde per Knopfdruck ins Bild zoomen, mit der linken Hand Schärfe ziehen und wieder heraus zoomen. Alles ohne die Hände von der Kamera zu nehmen und so die Reaktion auf das, was vor dem Objektiv geschah zu verlangsamen.

Weiffenbach mit Canon Cinema EOS C300 plus 18-80er Zoom und Zacuto Gratical Eye EVF

Diese Arbeitsweise mit dem Zoom kam Weiffenbach vor allem an Orten zugute, wo er kein großes Team dabei hatte. Bei einem Dreh am Toten Meer, so erinnert sich der DoP, fuhr er mit der Protagonistin Sigalit Landau und deren Ehemann in einem Schlauchboot auf das Meer hinaus, um einem Performancetest beizuwohnen. Das wäre mit Festbrennweiten oder einem Kameraassistenten nicht möglich gewesen. Dank des Umschwenkens auf den Zoom als Hauptoptik war es Weiffenbach möglich, auch in den verkürzten Zeitfenstern genügend Einstellungen zu sammeln, um später im Schnitt ausreichende Flexibilität in der Auflösung zu bieten. Einen Nachteil hatte der CN-E18-80 allerdings. Weiffenbach musste immer wieder das Auflagemaß nachjustieren, dieses war nicht stabil bei dem Zoom. Das ging schnell und war kein Problem, ist aber ein Fakt, auf den man achten sollte. Für die Dreharbeiten stand noch ein besonderer Kniff an. Für einen konzeptionellen Shot drehte Weiffenbach alle Protagonistinnen vor einem Greenscreen. Diese Einstellungen sind dafür geplant, dass die Künstlerinnen im Film einmal virtuell zusammentreffen und „nebeneinander“ stehen können. Für die Greenscreen-Aufnahme wählte er 4K-Auflösung und RGB4:4:4 bei 12 bit.
Am Ende der Drehzeit hatte die kleine Crew um Evelyn Schels und Börres Weiffenbach, mit Kamera- und Tonassistenten Helge Haack und Thomas Funk in Tel Aviv, New York, Berlin und Düsseldorf gedreht. Aktuell befindet sich der Film im Schnitt, danach folgt das Grading, zu dem Weiffenbach hinzustößt. [6470]

Lesen Sie hier, mit welchem filmischen Ansatz und technischer Umsetzung DoP Weiffenbach an das Dokumentarprojekt heranging.

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