Drei Fragen an Maj-Linn Preiß

In der Rubrik “Drei Fragen an” stellen wir in jedem Heft eine Filmschaffende oder einen Filmschaffenden mit drei kurzen Fragen zu Arbeitsschwerpunkt, beruflichem Engagement und Freizeit vor! In unserer Ausgabe 7-8/2019 beantwortete die Hamburger Tonmeisterin Maj-Linn Preiß unsere drei Fragen. Sie studierte Filmton in England.

Foto: privat

1. Was ist dein Arbeitsschwerpunkt?

Ich arbeite seit 26 Jahren im Bereich Filmton. Im Anschluss an mein Abitur absolvierte ich einige Praktika beim Bayerischen Rundfunk und in den Bavaria Film Studios und fing dann 1993 als Tonassistentin bei der Bavaria an. Ich arbeitete einige Jahre als Tonanglerin und ging dann nach England, um Filmton zu studieren. Im Rahmen des Studiums hatte ich endlich Gelegenheit, auch all die anderen Bereiche der Tonaufnahme und -gestaltung kennenzulernen. Obwohl ich die Option, den gesamten Soundtrack eines Films im Schneideraum oder Mischtheater zu gestalten, interessant und reizvoll fand, landete ich schnell wieder am Set. Ich arbeite als Filmtonmeisterin und nehme vorwiegend Spielfilme für Fernsehen und Kino auf. Die Hauptaufgabe besteht darin, die gesprochenen Texte der Darsteller möglichst sauber, präsent, verständlich und frei von Nebengeräuschen einzufangen. Ich arbeite im Team mit einer Tonanglerin, die am Set die Dialoge mithilfe des an der Tonangel angebrachten Mikrofons abschwenkt. Gleichzeitig mache ich in der Regel eine Mischung für die Muster und den Schneideraum, soweit es die Umstände erlauben. Zusätzlich nehme ich Geräusche und Atmosphären auf, die spezifisch für die jeweiligen Drehorte sind. Gelegentlich kommen auch Musikaufnahmen oder Einspieler von Playback vor, je nach Drehbuch. An meiner Arbeit reizt mich die Zusammenarbeit im Team, die Beweglichkeit, die man haben muss, um mit all den verschiedenen Gewerken und Persönlichkeiten einer Filmproduktion möglichst gut und reibungslos zusammenzuarbeiten und um die ständig auftauchenden Probleme zu bewältigen, schnell effektive Lösungen zu finden, Hindernisse zu umgehen, auch mal zu kämpfen, damit am Ende ein möglichst für alle zufrieden stellendes Resultat herauskommt. An meinem Beruf schätze ich auch sehr, dass man viel erlebt und kennenlernt, man ist ja zu Gast an all den Orten, an die man sonst niemals kommen würde, in allen Ländern der Erde unterwegs und bekommt so Einblick in das Leben der Menschen, der einem sonst verwehrt bliebe. Ich habe die halbe Welt gesehen und viele interessante Begegnungen gehabt. Ein Privileg unserer Arbeit. Am glücklichsten bin ich aber, wenn ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde, der teilweise unter widrigsten Umständen aufgenommene Ton qualitativ gut ist, es gelungen ist, die Performance der Schauspieler mit allen Emotionen möglichst optimal einzufangen und so hilft, die Geschichte, die ein Film erzählen soll, gut und mitreißend zu vermitteln.

2. Bist du in einem Verband aktiv?
Seit meiner Studienzeit in England bin ich Mitglied in der Association of Motion Picture Sound AMPS. Allerdings habe ich dadurch, dass ich in Deutschland wohne, leider sehr wenig Gelegenheit dazu, aktiv teilzunehmen. So beschränke ich mich darauf, die Posts der englischen Kollegen mit großem Interesse zu lesen, das umfangreiche Know-how der Mitglieder „aufzusaugen“, und bekomme, wenn ich konkrete Fragen zu Lösungen für spezielle Projekte habe, von den dortigen Kollegen aufschlussreiche und interessante Antworten. Außerdem bin ich, seitdem ich angefangen habe, in Deutschland als Tonmeisterin zu arbeiten, Mitglied beim VdT. Ich bin kein Fan von Social Media, weder auf Facebook, Instagram, LinkedIn oder WhatsApp vertreten, somit falle ich durchs Raster aller Facebook- und WhatsApp-Tonmeistergruppen. Bei Bedarf tausche ich mich eher direkt mit Kollegen aus, wenn wir uns bezüglich Fragen der Vergütung für das Tonequipment, der Gagen oder bestimmter Vertragsbedingungen abstimmen müssen. Außerdem wende ich mich in professionellen Fragen immer gerne an Zeigermann_Audio in Hamburg. Im Vergleich fällt mir auf, dass die englischen Kollegen besser miteinander vernetzt sind, die meisten kennen sich untereinander oder wissen zumindest voneinander, versuchen sich abzustimmen und gegenseitig zu informieren und haben somit einen größeren Hebel in Verhandlungen, was beispielsweise die Gagen oder Teamstärke betrifft. Noch besser organisiert sind die Dänen. Ich habe den Eindruck, die Arbeitsbedingungen hier in Deutschland werden eher schwieriger, es wird immer mehr „gespart“ an Zeit und Geld, mit teilweise verheerenden Auswirkungen auf das Produkt, die Arbeitsbedingungen, die Vergütung oder auf den Nachwuchs an dringend benötigten Fachkräften, wie zum Beispiel Tonanglern, die eine sehr komplexe und oft unterschätzte Tätigkeit ausüben, die man aktiv vor Ort am Set üben muss, um sie zu beherrschen.

3. Wofür schlägt dein Herz außerhalb der Arbeit?

Wenn mich ein Dreh endlich ins reale Leben entlässt, verbringe ich die meiste Zeit mit Reisen. Meine Freunde und meine Familie, die ziemlich weit verstreut ist, sind mir sehr wichtig. Am liebsten verbringe ich meine Zeit in Norwegen, wo ich geboren bin, an und auf den Fjorden, genieße die Ruhe und die Natur. Ein idealer Gegenpol zum hektischen und stressigen Filmleben.

Sie arbeiten an der Kamera, am Tonmischpult, im Szenenbild oder einem anderen technischen Gewerk? Dann beantworten Sie doch auch unsere drei Fragen und stellen sich der Branche vor.

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