Kameramann aus Köln

Drei Fragen an Daniel Toelke

In unserer Ausgabe 5/2016 stellten wir unsere drei Fragen an den Kölner Kameramann Daniel Toelke.

1. Was ist dein Arbeitsschwerpunkt?

Meine Arbeitsschwerpunkte sind inzwischen ganz klar die Bereiche Corporate Video, Imagefilm und Werbung. Das letzte Projekt, das jetzt gerade im Schnitt ist, ist für einen Chemiehersteller, der die Zutaten für Duftstoffe herstellt. Hier bin ich nicht nur Kameramann, sondern auch Produzent. Ein Projekt vom ersten Vorgespräch hin zu Expose und Drehbuch, über den Dreh, das Schneiden und Vertonen bis zur fertigen Abgabe zu begleiten ist ein rundes Ding. Ich mag das gerne, es ist sehr viel befriedigender, etwas herzustellen, von dem ich weiß, dass es meinem Kunden auch wirklich was bringt, als am Fließband irgendeine Serie zu drehen. Das ist auch eine schöne Erweiterung des Arbeitsfeldes des reinen Kameramanns. Diese Arbeit hat ja auch etwas reportageartiges, Kamera und Ton öffnen Türen. Ich komme in andere Arbeitswelten, andere Lebenswelten rein, die ich normalerweise nicht kennenlernen würde. Ich finde das spannend!

2. In welchem Verband bist du aktiv und warum?

Ich bin im BVFK und halte es für sehr wichtig, in die Vernetzung hineinzugehen. Ich bin damals beigetreten, als ich noch mehr fürs Fernsehen gemacht habe. Mein Ansatz war: Wir müssen uns noch mehr zusammenschließen. Man merkt schnell, man ist kein Einzelkämpfer und man kann sich mit Kollegen zusammentun – und da entstehen ja  wirklich die berühmten Synergien. Man ergänzt sich. Für mich ist der BVFK ein guter Pool, um in Kontakt mit Kollegen zu bleiben und natürlich ist auch das Aushandeln guter Arbeitsbedingungen sehr wichtig. Für mich persönlich aber halte ich den Austausch mit den Kollegen, die Workshops und den Gedankenaustausch für noch wichtiger. Die Botschaft des BVFK ist für mich entscheidend: “Hey, ihr seid nicht allein, redet miteinander, das bringt was.”

3. Wofür schlägt dein Herz außerhalb der Arbeit?

Zuallererst schlägt mein Herz für meine Freundin Dagmar, die eine sehr kluge Kritikerin meiner Arbeit ist und mir mit großer Geduld zeigt, dass es auch ein Leben außerhalb von Sucher und Schneideraum gibt. Allerdings bin ich zurzeit auch mit ihr zusammen in der Planung für ein privates Projekt, das wir zum Jahresende in Indien machen werden. Das wird ein Film über und für ein Kinderheim, das dort vor über dreißig Jahren von einer deutschen Ärztin gegründet worden ist. Ich habe dort schon mal vor zwei Jahren gedreht, es sind dann zwei Beiträge für den WDR daraus entstanden. Diese Ärztin fragte jetzt, ob wir noch mal etwas machen können, da es so viele neue Entwicklungen dort gibt und besonders auch die Emanzipation der jungen Frauen in der indischen Gesellschaft ein besonderes Anliegen des Heimes ist. Es sollen nun mehrere Filme für das Kinderheim draus werden, die auf die Homepage kommen, als DVDs an die Unterstützer des Kinderheims gehen und auf Vorträgen gezeigt werden. Das Audiovisuelle hat halt eine große Einflusskraft, wir glauben Bildern und Tönen. Da meine ich, dass wir auch eine gewisse Verantwortung haben, weil wir da an einer Schaltstelle sitzen. Und nur die Leute mit Werbung vollzuknallen, kann es nicht sein. Mit den Filmen kann ich ganz gezielt für dieses Kinderheim und die Menschen vor Ort etwas tun. Deswegen ist so ein Projekt für mich eine Herzensangelegenheit.

Sie arbeiten an der Kamera, am Tonmischpult, im Szenenbild oder einem anderen technischen Gewerk? Und Sie möchten auch unsere drei Fragen beantworten und sich der Branche vorstellen? Dann füllen Sie jetzt hier das Online Formular für unsere drei Fragen aus!

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Ein Kommentar zu “Drei Fragen an Daniel Toelke”
  1. Axel Bohse

    Ich kenne den Kollegen nicht persönlich, finde aber sein Statement sehr interessant. Es bringt nicht nur die Person und seine berufliche Ausrichtung nahe, sondern transportiert auf persönliche Weise Grundaspekte unseres Berufs. Es veranschaulicht, dass wir Leidenschaft für unser Tun haben und nicht nur von stumpfer Geldgier und der Sucht nach Anerkennung getrieben sind. Und es unterstreicht die wichtige Funktion des BVFK als Berufsverband, dass man hier nicht alleine steht mit Fragen, Orientierung und Lösungssuche zu beruflichen Themen.
    Dieser Beitrag ist ein treffendes Pendant zu den Leitartikeln des Kameramanns in denen die großen DoPs unserer Branche ihre Erfahrungen vom Set darlegen. Gerne mehr davon, denn unser Beruf ist total vielfältig und bunt.

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