Crew Tech Innovationskonferenz am 21. und 22. März 2019

Der Weg in die Nachhaltigkeit

Green Shooting wird allerorts noch als moralisch wünschenswert, aber wirtschaftlich unrentabel angesehen. Die von Crew United angestoßene Initiative Crew Tech will das ändern und bringt Player aus unterschiedlichen Branchen zusammen, um neue Technologien, Geschäftsmodelle und Wege dorthin zu ergründen. Wir sprachen mit Janine Golisano und Katrin Richthofer in unserer Ausgabe 3/2019 über das Vorhaben.

Beim nachhaltigen Wirtschaften und Produzieren hängt die Filmbranche noch arg hinterher. Der Kostendruck ist höher geworden, Zeit fehlt, Produktionsteams kommen für fünf bis sieben Wochen zusammen, werden für das nächste Projekt neu zusammengewürfelt. Wenn von oben keine klare Vorgabe kommt, passiert nahezu nichts von allein. Wie stark der Kommunikationsbedarf bei dem Thema ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus dem letzten Jahr. Bei einem TV-Film wurde die Entscheidung getroffen, „grün“ zu produzieren. Von Anfang an wurden alle Teammitglieder informiert, mit ins Boot geholt, für das Thema begeistert. Das Ergebnis war, dass alle die unterschiedlichen Maßnahmen begeistert mittrugen und zum Erfolg führten. Der nächste Film sollte auf gleiche Weise entstehen. Das Produktionsteam setzte die Arbeitsweise vom ersten Mal beim Team jetzt als bekannt voraus. Der Kommunikationsaufwand wurde gespart. Das Ergebnis war Unverständnis und Widerstand.


NETZWERK AUFBAUEN

Das wollen Janine Golisano, Katrin Richthofer im Team, mit Nicola Knoch und Stefanie Rall ändern. Die vier Frauen treiben seit 2018 die Initiative Crew Tech voran. „Erstes Ziel ist es, ein Netzwerk zu schaffen“, sagt Katrin Richthofer. „Der interdisziplinäre Austausch soll zu neuen Technologien und Geschäftsmodellen führen.“ Richthofer bearbeitet bei Crew Tech die Themen Innovation sowie Technologietransfer. Als Kamerafrau und Geschäftsführerin des Studienzentrums für Filmtechnologie der HFF München konzipiert und plant sie seit Jahren Workshops und Konferenzen für HFF und Imago.

„Der Ursprung waren die Treffen des Netzwerks der Nachhaltigkeit, die Crew United drei Mal in den letzten zwei Jahren veranstaltet hat“, sagt Janine Golisano. „Hier holten Oliver Zenglein und Vincent Lutz die vielen Initiativen zum Thema Green Shooting erstmals an einen Tisch.“ Golisano ist bei Crew Tech für Netzwerkentwicklung und Kommunikation zuständig. Die selbstständige Kommunikationsexpertin ist vor allem im Bildungssektor und in der Filmwirtschaft aktiv, wo sie zuletzt einen Verband mit aufbaute.

Die wichtige Erkenntnis aus diesen Treffen: zu Nachhaltigkeit in der Filmtechnik besteht enormes Potenzial und auch Bedarf. Klar war auch, dass sich eine Veränderung nicht in der Freizeit der Organisatoren würde erreichen lassen. Förderberater André Klein kannte die „richtige“ Förderung für Zenglein und Lutz, die sich sich seit Jahren für eine vor allem soziale und faire Filmbranche einsetzen. Mit der Verleihung des FairFilmAward fördern sie Produktionen mit vorbildlichen Arbeitsbedingungen. Gemeinsam entwickelten sie die Idee einer auch formell nachhaltigen Initiative, um Player aus der Filmtechnikbranche mit branchenfernen Unternehmen zusammenzubringen. Förderung kam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das Förderprogramm ist Teil der Förderinitiative Innovationsforen Mittelstand. Crew Tech legt den Schwerpunkt, wie schon im Namen angedeutet, auf neue Technologien. Mobile Stromerzeugung und Lichttechnik sind ebenso im Fokus wie Technologievisionen.

BRANCHENFREMDE EINBINDEN
Richthofer erläutert, was das heißt: „Die Filmbranche ist groß, aber nicht riesig. Wir wollen kleine und mittelständische Unternehmen anderer Branchen mit Herstellern der Filmtechnik vernetzen, um Innovation anzustoßen.“ Dafür werden Teilnehmer aus Forschung, Entwicklung und Herstellung gezielt angesprochen oder über das Netzwerk akquiriert und in Workshops mit Anwendern und Nutzern aus der Filmbranche zusammengebracht. Die Workshops sind nicht als Frontalunterricht oder Seminare zur Wissensvermittlung zu verstehen. „Unsere neue Herangehensweise ermöglicht einen branchenübergreifenden Lernprozess“, sagt Janine Golisano. Die Workshops bringen die Teilnehmer in Beziehung zueinander, bauen Vertrauen auf. Es werden Themen geclustert und es finden sich Gruppen, sogenannte Hotspots zusammen, die an ihren Themen auch zwischen den Workshopterminen in Videokonferenzen arbeiten. Nicola Knoch und Stefanie Rall haben das Workshopkonzept erstellt und leiten die Treffen. Das aktive Netzwerk hat momentan eine Größe von etwa 30 Teilnehmern aus Firmen, Universitäten und filmtechnischen Gewerken. Das kann so aussehen, dass ein Kameramann neben einer Architektin sitzt, ein Objektiventwickler neben einem Filmleuchtenhersteller.

INNOVATIONSKONFERENZ

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden in einer Innovationskonferenz aufbereitet, die am 21. und 22. März 2019 an der Hochschule für Fernsehen und Film in München stattfindet. Die Innovationskonferenz wird ergänzt mit einem Marktplatz und Referentenvorträgen. Die Ansätze werden anschließend in Open Spaces mit den Konferenzteilnehmern diskutiert und weiterentwickelt. Die Konferenz stellt den Start des eigentlichen Netzwerkes dar, hier sollen die Partnerschaften gefestigt und Folgeprojekte angestoßen werden. [7956]


Ort: Hochschule für Fernsehen und Film München, Bernd-Eichinger-Platz 1, 80333 München

Donnerstag, 21. März

  • 12:30 h Ankommen, Kaffee & Brezn
  • 13:00 – 17:30 h Nachhaltige Netzwerkentwicklung und Innovation, Kennenlernen von Crew Tech. Mit Impulsen, die über den Tellerrand inspirieren und Workshops zur Interaktion.
  • im Anschluss: Get-together

Freitag, 22. März

  • 9:00 h Ankommen, Kaffee & Brezn
  • 9:30 – 17:30 h Co-Kreation für eine nachhaltige Filmwirtschaft, Weiterentwicklung von Crew Tech. Mit Impulsen, Open Spaces für Ideen und Design Thinking zur Entwicklung einer Roadmap.

Weitergehende Informationen sind hier zu finden.


 

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