Das Fest der Kinomacher

38. Internationales Manaki-Brüder-Kamera-Filmfestival Bitola

Auch in seiner 38. Ausgabe machte das älteste der Kamerakunst gewidmete Festival der Welt, das Manaki Brothers in Bitola, seinem Ruf als Ort des generations- und kulturübergreifenden Austausches zwischen DoPs aus der ganzen Welt alle Ehre. Für uns war Theo Votsos vor Ort. 

Die Gewinner des Golden Camera 300-Awards. Unter anderem Marcell Rev, Rainer Klausmann und Dejan Dimeski.
Foto: ICFF Manaki Brothers
Die Gewinner des Golden Camera 300-Awards. Unter anderem Marcell Rev (r.), Rainer Klausmann (4.v.r.) und Dejan Dimeski (2.v.r.).

Besonders bewegend war der Besuch des mittlerweile 87jährigen französischen DoPs Pierre Lhomme (AFC), der in diesem Jahr genauso wie der 1923 geborene italienische Altmeister Guiseppe Rotunno (AIC/ASC) mit dem Lebenswerk-Preis des Festivals ausgezeichnet wurde. In einer Masterclass bezeichnete Lhomme, der mit Regisseuren wie Jean-Pierre Melville und James Ivory zusammenarbeite, die Künstler an der Kamera als die eigentlichen Kinomacher. Und an guten Kinomachern bestand in diesem Jahr in Bitola wahrlich kein Mangel.

Einige der gegenwärtig renommiertesten Kameraleute wandelten vom 23. bis zum 30. September auf den Spuren der Namensgeber des Festivals, der Brüder Manaki, die im Jahre 1905 mit einer aus London importierten 35-mm-Urban Bioscope-Kamera den ersten Film auf dem Balkan drehten. Von den 13 DoPs, die heuer um die drei Hauptpreise des Festivals konkurrierten, konnten einzig der Russe Mihail Krichman (RGC) und das südkoreanische Kamera-Tandem Kim Hyungkoo/Park Hongyeol (KSC) nicht nach Bitola reisen. Die restlichen DoPs waren allesamt vor Ort, darunter derart gestandene Lichtkünstler wie Agnes Godard (AFC), Rainer Klausmann (BVK), Alexey Rodionov und Jolanta Dylewska (PSC). Aber auch Vertreter der mittleren Generation der internationalen Kamerazunft wie Céline Bozon (AFC), Dejan Dimeski (MSC) und Máté Herbai (HSC) begaben sich in die einstige Wirkungsstätte der Filmpioniere des Balkans und standen dem Publikum ebenso Rede und Antwort wie die verheißungsvollen Kameratalente Vesselin Hristov (BAC) aus Bulgarien, Daniil Fomichev aus Russland und Marcél Rev (HSC) aus Ungarn.

Die beiden letzteren zählten denn auch zu den Gewinnern des von Festivaldirektor Blagoja Kunovski-Dore hochkarätig bestückten Wettbewerbs. Der erst 26-jährige VGIK-Absolvent Fomichev setzt den fulminant erfrischenden Erstling des jungen russischen Regisseurs Alexander Hant “How Viktor ‘the Garlic’ took Alexey ‘the Stud’ to the Nursing Home” dermaßen reif und originell ins Bild, dass er der Festivaljury unter dem Vorsitz des norwegischen DoPs und IMAGO-Präsidenten Paul Renè Roestad eine Lobende Erwähnung wert war. Überraschender – auch für den Preisträger selbst – war hingegen die Entscheidung, die Goldene Kamera 300 an Marcél Rev für die ungarisch-deutsche Koproduktion “Jupiter’s Moon” von Kornel Mundruczo zu vergeben. Die Jury lobte die Kameraleistung von Marcèl Rev, der “mit seiner visuellen Energie und außerordentlichen Kreativität überrascht.” Damit verwies Rev Fatih Akins kongenialen Bildgestalter Rainer Klausmann, der für “Aus dem Nichts” (Deutschland/Frankreich 2017) „nur“ Silber bekam, ebenso auf die Plätze, wie Dejan Dimeski, der für seine wohltemperierte Kameraführung in der vom bosnischen Regisseur Elmir Jukic als Kammerspiel inszenierten Theaterverfilmung “The Frog” mit der Bronzenen Kamera 300 ausgezeichnet wurde. Einen Preis, wenn nicht den Hauptpreis hätte fraglos auch Revs ungarischer Landsmann Máté Herbai für seine traumwandlerisch präzise und überaus sensible Bildgestaltung von “On Body and Soul”, dem diesjährigen, von Ildiko Enyedi meisterhaft inszenierten Berlinale-Gewinnerfilm, verdient.

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