Fujinon MK-Serie und Chrosziel Zoom-Motor CDK-MKZ

Dynamisches Duo

Mark Zdunnek brachte die Objektive der Fujinon MK- Serie, das 18-55 mm und das 50-135 mm, mit dem speziell für sie hergestellten Chrosziel CDM-MKZ Zoom-Motor bei mehreren Projekten zum Einsatz. In der Ausgabe 12/2018 von Film & TV Kamera berichtete er von seinen Erfahrungen.

Die Fujinon MK-Serie für E-Mount und neuerdings auch für Fujifilm X-Mount beinhaltet aktuell zwei ultra-kompakte Objektive mit je 980 Gramm Gewicht. Das 18- 55 mm und das 50-135 mm, deren Handelspreise bei zwischen 3.400 und 3.600 Euro netto liegen, sind für den S35- sowie APS-C-Sensor ausgelegt. Bauformlänge (206,3 mm), T-Stop (2.9), Filterdurchmesser (82 mm), Frontdurchmesser (85 mm), Iris-Lamellen (9) sind gleich. Auch bei weiteren Eigenschaften wie Gewicht-Balance, Materialbeschaffenheit und Qualität wurde auf Konsistenz Wert gelegt. Das erleichtert den Wechsel zwischen dem 2,7x- und dem 3,0x-Zoom-Objektiv in einem komplexen Rig. Ohnehin fällt ihr für derartige Zoom-Objektive geringes Gewicht auf.

Die äußere Beschaffenheit lässt sich am besten als handliche, hochwertige und gleichzeitig robuste Leichtbauweise beschreiben, bei der man das Kamera-Setup anders als in den meisten Fällen sicher nicht negativ als kopflastig beschreiben könnte. Das Objektiv wird mit einer Gegenlichtblende und insgesamt drei Deckeln geliefert, einem rechteckigen, der nahtlos mit der Gegenlichtblende aus Gummi abschließt, einem 82-mm-Frontdeckel und einem Mount-Deckel.

BREATHING-PROBLEM GELÖST

Wie andere Objektive dieser Größe und Güteklasse weisen die Objektive eine geräuschlose Laufqualität und selbstverständlich Endpoints für Schärfe, Blende und Zoom auf. Alle drei Ringe lassen sich zudem einfach und gut manuell und ohne zusätzliche Hilfen bedienen. Der Fokus-Rotationsweg von 200 Grad stellt dabei eine ideale Mischung aus Präzision durch den längeren Drehbereich und manuelle Nutzbarkeit ohne Umgreifen oder Follow-Focus-Hilfen dar. In den Handhabungstests, unter anderem auch durch mehrere Kameraleute bei verschiedenen Projekten, haben wir einen gleichmäßigen Krafteinsatz bei allen Rotationswegen wahrgenommen. Natürlich gibt es außerdem kein Click-Stop und keine Rastpositionen oder schwergängigere Bereiche, was einen wesentlichen Vorteil gegenüber Foto-Objektiven darstellt, die einen ähnlichen Schärfebereich abdecken würden.

Der Hersteller verspricht auf der zugehörigen Webseite, dass das sogenannte „Lens-Breathing“-Problem, also die Veränderung des Bildausschnitts bei Justage des Fokusrings gelöst ist. Dies ist absolut der Fall. In unseren Tests zeigten sich sowohl am Anfang, am Ende als auch in der Mitte des Zoom-Bereichs bei Verlagerung der Schärfe vom Vorder- auf den Hintergrund nahezu keine sichtbaren Bildausschnittsveränderungen. Die Arbeit mit dem Objektiv ermöglicht also sehr hochwertig wirkende Schärfeverlagerungen.

Wenngleich eine Objektivstütze grundsätzlich immer ratsam ist, so sind diese Objektive so leicht, dass sie bei sachgemäßer Anwendung auch bedenkenlos ohne Stütze nutzbar sind. Bei verschiedenen unserer Drehs waren die Objektive einem deutlich erhöhten Maße Staub- und Schwebeteilchen ausgesetzt. Eine Untersuchung der Objektive bestätigte die vom Hersteller angegebene Staubsicherheit. Eine wesentliche Frage bei der Beurteilung von Objektiven ist regelmäßig die Einschätzung der Lens Flares oder Blendenflecke nach deren räumlicher Staffelung, deren Form und deren – oft subjektiv eingeschätzter – Qualität. Beide Objektive wiesen eher eine große Flare-Resistenz auf, hatten also nur kleine, schwache und geringe Spiegelungen und Kreise. Da die Objektive gerade für dokumentarischen und Event-Einsatz gedacht sind und von uns in den Tests auch so verwendet wurden, schätzen wir die Ausgestaltung und Form der Lens Flares als zum Verwendungszweck passend ein.

NÜCHTERNE FLARES – SCHÖNES BOKEH

Hinsichtlich einem Einsatz auf Messen, für Nachrichten und als EB sollte beachtet werden, dass beide Objektive keinen Bildstabilisator haben und somit nur der 18- 55 mm Brennweitenbereich geeignet für die Arbeit von der Schulter ist. Den größten Bereich des 50-135 mm Objektivs kann und sollte man besser nur bei sauberen Aufnahmen von einem Stativ nutzen.

Das Bokeh und der Gesamtlook unterliegen wieder unserer subjektiven Beurteilung. Die neun Blendenlamellen führen im defokussierten Bereich zu im Wesentlichen sehr rund abgebildeten Lichtquellen, wobei harte Ecken und verzeichnete Kanten dabei nicht negativ aufgefallen sind. Es ist eher ein weiches, angenehmes und ästhetisches Bokeh. Bei genauerem Hinsehen ist ein sehr geringer „Cat-Eye-Effekt“ bemerkbar, welcher sich am oberen und unteren Punkt der kreisförmigen Lichtquellen in einer leichten Zuspitzung, also einer minimalen Abweichung von der perfekten runden Form darstellte. Die Schärfentiefe ist entsprechend des maximalen T-Stops nicht allzu eng und sicher nicht mit einer T1.5 Festbrennweite bei gleicher Brennweite vergleichbar. In den meisten Einsatzfällen allerdings ist sie auch im Industriebereich für kunstvolle Aufnahmen mit weichem cineastischen Look absolut geeignet.

Die Abbildungsqualität und Schärfe sind uneingeschränkt 4K-tauglich und durchweg positiv aufgefallen. Chromatische Aberrationen waren in unseren Tests und im Live-Betrieb nicht merklich erkennbar. Ein bedeutender Hinweis für alle, die diese Objektive auch gerne mit MFT-Mount-Kameras einsetzen möchten: Einige Drittanbieter, darunter Duclos Lenses (USA) und MTF Services (UK) bieten bereits seit 2017 den Umbau des Objektiv-Mounts auf MFT an.

CHROSZIEL ZOOM-MOTOR

Eine für uns im Einsatz mittlerweile unverzichtbare Ergänzung zu den MK-Objektiven stellt der Chrosziel CDM-MKZ Zoom-Motor dar, welcher sich mit wenigen Handgriffen einfach anbringen lässt und sich bei exakter Passform in einer kompakten Baueinheit fest an das Gehäuse des Objektivs schmiegt. Die Verkabelung eines Sony-FS7-Handgriffs in Reihe mit dem Motor zum Remote-Anschluss der Kamera ist auch ohne Manual rein intuitiv zu schaffen. Dabei gibt der Motor alle Signale des Multifunktionshandgriffs an die Kamera per LANC Passthrough weiter.

Alternativ können hier auch andere LANC-Steuergeräte verbunden werden. Die Stromversorgung über D-Tap von einem V-Mount Akku ist hierbei schnell und einfach erledigt, allerdings verwendet nicht jeder Nutzer einer Kamera mit E-Mount (wie z.B. FS5 MK I/II, aber auch A7 Serien-Modelle) einen V-Mount Akku. Bei Kameras, die den BP-U Akku-Typ nutzen, könnte man über die Verwendung von Fremdhersteller-Akkus wie zum Beispiel SWIT nachdenken. Diese verfügen hinter einer Schutzkappe über einen D-Tap Anschluss, welcher auch wegen des geringen Stromverbrauchs des Objektivs völlig unbedenklich gleichzeitig Kamera und Objektiv-Motor betreiben kann. Der USB-Mini-B-Anschluss am Motor dient der Möglichkeit, ein Firmware-Upgrade durchzuführen.

Wichtig und nicht auf den ersten Blick ersichtlich: Der Motor kann in vier verschiedenen Modi angesteuert werden, die der Nutzer frei wählen kann. Wir haben diese im Einsatz für die jeweiligen Projekte passend ausgewählt. Modus 1 ist dabei am ehesten für Run’n’Gun, EB und dokumentarisches Arbeiten verwendbar und bietet weiche Übergänge zwischen sehr langsamen und schnelleren Zoom-Geschwindigkeiten. Er nutzt in der Spitze aber nur rund 60 Prozent der maximalen Zoom-Geschwindigkeit und hat sowohl am Anfang, als auch am Ende einen Soft-Roll-Off, eben eine kurvenförmige Beschleunigung und Verlangsamung. Modus 2 ist der geräuschlose Modus, dessen Beschleunigungskurve der von Modus 1 entspricht, dabei aber nur etwa 45 bis 50 Prozent der maximalen Zoom-Geschwindigkeit des Motors nutzt. Modus 3 ist der Live- und High-Speed-Modus, welcher die maximale Motorgeschwindigkeit nutzt und auf eine direktere, mitunter auch härtere Motoransteuerung wechselt. Eine langsame Zoom-Geschwindigkeit ist auch in diesem Modus noch zaghaft möglich, allerdings ist der Anstieg auf die maximale Leistung nun eine steilere Kurve. Die Zoom-Wippe hat einen härteren und schnelleren Anschlag und Reaktion. Abschließend gibt es noch Modus 4, welcher ohne sanfte Kurven an den Anschlägen die volle 100-Prozent-Leistung abruft und direkt auf das Objektiv überträgt – ein Modus für echte Puristen. Folglich haben wir bei Live-Aufzeichnungen und anderen Events bisher eher Modus 3, bei vorsichtigen, langsamen und präzisen Arbeiten eher Modus 2 und für unsere TV-Einsätze und dokumentarische Produktionen wie auch im Zoo Wuppertal eher mit Modus 1 gearbeitet. [7134]

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