Travemünder Woche: Cineflight bei Segel-Bundesliga

Zu Land, zu Wasser, in der Luft: Nie mehr Handheld (3/3)

Der Flugaufnahmen-Spezialist Cineflight GmbH ist seit 2016 auch mit einem Boot für Aufnahmen auf dem Wasser ausgerüstet. Bei der Travemünder Woche 2016 waren die Schleswig-Holsteiner mit der Aufzeichnung der Segel-Bundesliga beauftragt. Am Tag davor schauten wir dem Team beim Test der Technik über die Schulter. Hier der dritte und letzte Teil unseres Berichts aus der Ausgabe 10/2016.

Skipper und Cineflight-Inhaber Patrick Nüske.
Foto: Timo Landsiedel
Viel Abstimmung mit seinem Kameramann: Skipper und Cineflight-Inhaber Patrick Nüske.

HELDENHAFTE BILDER

Hier in Travemünde ist der Drohnenflug explizit gewünscht, obwohl heute am Testtag noch nicht klar ist, ob das Gerät eine eigene Funkverbindung bekommt. Das Cineflightteam wurde angefragt, mit dem Boot das Feld der Bundesliga- Segler zu verfolgen. Das heißt, rechts vor der Feldspitze herzufahren und auf Höhe des Führungsboots und seiner Verfolger den Kampf um die Spitze einzufangen.

Das Signal soll live übertragen werden. Dieter Goerkes Augen leuchten, wenn er die visuellen Möglichkeiten schildert: „Es wäre gut, wenn wir ein Kopf-an-Kopf- Rennen haben und wir mit der Cineflex so verdichten können, dass wir wirklich nur die Spitzen im Bild haben, die sich gegeneinander verschieben! Das sind spannende, heldenhafte Bilder.“ So, als wäre man auf dem Boot dabei? Patrick Nüske hält ihren Blickwinkel für spannender: „Wenn ich da am Mast stehe und würde denen zugucken, das wäre sicher auch spannend. Aber unsere Perspektive ist die, als würde ich mit dem ersten Boot parallel mitfahren.“ Also selbst am Rennen beteiligt sein.

Geringe Relativbewegung: Der beste Platz für das System überm Motor am Heck.
Foto: Timo Landsiedel
Geringe Relativbewegung: Der beste Platz für das System überm Motor am Heck.

Allerdings ist die Crew mit ihrem Fahrzeug sicher entfernt. Die Verdichtung ist durch den mächtigen Zoom möglich, der ohne das hochkomplexe Stabilisationssystem durch den Wellengang unbrauchbar wäre. Nüske hat die Hoffnung, dass sich das Cineflex-System auch auf dem Wasser als Standard durchsetzt. „Wenn die sich jetzt erst mal ein paar Tage an die Bildqualität gewöhnt haben, ist es vielleicht möglich, dass wir das als Standard etablieren können, ähnlich wie in der Luft. Heute würde sich kein Sender mehr trauen, irgendwelche Handheld-Aufnahmen aus dem Hubschrauber zu zeigen.“

In der Cineflex-Einheit befindet sich die Sony HDC-1500, das Standardgerät für Live-Übertragung bei Cineflight. Sie trägt ein 7,6 mm bis 175 mm 23-fach Fujinon-Objektiv und überträgt 1080/50i. Das Signal geht vom Boot an ein mobiles Mesh-Netzwerk, welches das SAP-Team der Segel-Bundesliga aufgebaut hat. Damit können verschiedene Kanäle über ein Netzwerk gestreamt werden. Die Segelboote sind mit GPS ausgestattet, in der Sendezentrale können die Bilder vom Cineboat dann mit genauen Positionsdaten und Grafiken mit Computerberechnungen aufbereitet werden.

Aus dem Studio geht dann ein Live-Signal raus. Im Boot gibt es Probleme mit dem Signal, in der Sendezentrale flackert das Bild. Der Full-HD-Monitor auf der Rückbank der Axopar 28 zeigt ein geschmeidiges Dahingleiten des begleiteten Boots. Auch ein erneutes Hochfahren der Cineflightseitigen Codec-Technik bringt keine Verbesserung. Dieter Goerke ist sich sicher: „An uns liegt es nicht.“ Nüske beugt sich nach hinten: „Dafür machen wir solche Testtage. Irgendwas ist immer.“

DROHNENSTART VOM BUG

Am Bug des Axopar geht Jan Evers jetzt zum Test der Kameradrohne über. Es handelt sich um eine DJI Inspire 1. Während der Fahrt des Bootes lässt er diese starten. Die Sensoren müssen sich zunächst initialisieren. Das kann auf See schon mal zwei, drei Anläufe brauchen, weil die Sensorik durch die Bewegung manchmal einen Fehler ausgibt. Bei Evers klappt es auf Anhieb.

Drohnenpilot Jan Evers startet sein Equipment.
Foto: Timo Landsiedel
Drohnenpilot Jan Evers startet sein Equipment.

Er hockt, gegen die Außenwand der Frontscheibe gelehnt am Bug des Schiffes, das iPad mit dem Bild der Drohne in die Fernbedienung geklemmt, die Augen auf dem Flugobjekt am Himmel. Auch, wenn jetzt alles reibungslos funktionierte, ist der Einsatz auf See eine Herausforderung. Evers erklärt, warum: „In der heutigen Drohnentechnik ist es so, dass beim Start immer für die Navigation der Homepoint gelockt wird. Es gibt sehr viele Piloten, die nicht wissen, dass man diesen immer wieder neu setzen sollte, wenn man sich auf See bewegt.“ Ansonsten kann es passieren, dass bei geringem Akku oder Verlust der Funkverbindung die Drohne an diesen Homepoint zurückkehrt. Das Boot jedoch ist schon nicht mehr dort, der Kopter säuft ab.

Letzteres kann zusätzlich verhindert werden, indem der Pilot in den Settings der Drohne keine Landung, sondern das Hovern einstellt, also das Schweben über einem  Punkt. Sind diese Grundregeln des Startens und Landens auf See befolgt, kann nur etwas Unvorhergesehenes das Flugobjekt zu einem nassen Grab führen. Heute klappt alles. Evers‘ Assistent fängt die Drohne aus dem Flug. Die Testfahrt ist abgeschlossen.

Landung in die Hände: Die DJI Inspire kehrt wohlbehalten an Bord zurück.
Foto: Timo Landsiedel
Landung in die Hände: Die DJI Inspire kehrt wohlbehalten an Bord zurück.

Bei der Einfahrt in den Hafen erfolgt eine erste Manöverkritik. Es gibt noch ein paar Dinge zu klären, so funktionierten die vom Auftraggeber gestellten Kommunikationsmittel nicht einwandfrei. Darüber hinaus sind Evers, Goerke und Nüske zufrieden. Die Generalprobe ist bestanden, das Signal steht. „Die einzige Herausforderung ist am Ende eigentlich das Wetter, also der Wellengang“, sagt Patrick Nüske. „Und das ist nicht planbar. Aber solange die Segler fahren, können wir auch fahren!“

Seiner Einschätzung nach kann das Cineflex-System recht viel wegstecken. Bei zwei Metern Wellenhöhe jedoch ist auch dessen Limit erreicht – und das des Operators. Dafür gibt es jedoch laut Nüske einen gestalterischen Notfallplan: „Wir müssen uns ja gar nicht so schnell bewegen. Wenn wir merken, der Wellengang ist zu hoch, dann setzen wir uns ans Ende des Feldes, wo wir wissen, dass wir von dort die Segler erwarten können, und machen das über die Kameratechnik.“

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