Im Rahmen des 27. Deutscher Kamerapreis

So war das Roundtable-Gespräch mit den Kamerapreis-Gewinnern

Elf Preisträger, ein Experte, zwei Moderatoren. Das war die Besetzung des Roundtable-Panels im Rahmen des 27. Deutschen Kamerapreises. Es ging um die Frage, inwiefern Technologie und Bildgestaltung einander aktuell bedingen. An den Beispielen der Preisträger entlang entstand eine angeregte Diskussion. Am Ende stand der Wunsch, häufiger den Austausch zwischen Bildgestaltern und Herstellern anzuregen.

Foto: Julian Reischl
27. Deutscher Kamerapreis 2017, Roundtable mit den Preisträgern

„Das passiert viel zu selten!“ Kameramann Johannes Louis, am Vorabend mit dem Deutschen Kamerapreis in der Kategorie Kurzfilm ausgezeichnet, brachte es auf den Punkt. Bildgestalter und Entwickler treffen sich nicht oft genug zum Austausch. So gesehen war Christophe Casenave, Senior Product Manager bei ZEISS, auf der Bühne als Repräsentant der Herstellerseite deutlich in der Unterzahl. Ihm gegenüber immerhin alle elf Preisträger des diesjährigen Deutschen Kamerapreises. Casenave betonte, wie wichtig es für die Entwicklung neuer Ideen und die Weiterentwicklung schon bestehender Produkte sei, mit den Anwendern zu sprechen.

Präsentiert von ZEISSDoch zunächst lag der Fokus ganz auf den in der Nacht zuvor prämierten Beiträgen. Als am Sonntag, 25. Juni gegen 12:30 Uhr die Zuschauer im Filmforum im Museum Ludwig in Köln ihre Plätze einnahmen, zeugte ein großer Halbkreis an Sitzgelegenheiten auf der Bühne davon, dass es voll werden würde. Allein die Vorstellung der Preisträger dauert über 20 Minuten. Das jedoch war eher der Anzahl der Gesprächspartner geschuldet, das Moderationsteam Uwe Agnes und Timo Landsiedel fasste knapp die Vita der Preisträger zusammen. Da nur die wenigsten Zuschauer am Vorabend bei der Gala des Kamerapreises anwesend waren, wurde ein kurzer Ausschnitt der ausgezeichneten Filme vorgestellt.

Sehr früh trat hier zutage, dass viele der Freiheiten in der heutigen Zeit durch Technologie überhaupt erst möglich werden. Dabei ging es weniger um die digitalen Optionen einer ARRI Alexa, als um die gewonnene Flexibilität in der Anwendung. So berichtete Börres Weiffenbach von den langen Plansequenzen seines Films. Weiffenbach war für die ruhigen, präzisen Bilder des Wirtschaftsthrillers „Dead Man Working“ ausgezeichnet worden. Der Kameramann hatte drei Kombinationen zur Stabilisierung ausprobiert. Dass er mit ARRI Alexa Mini und DJI Ronin Gimbal arbeiten würde, wusste er früh, doch er brauchte eine Unterstützung, um diese Kombination bis zu einer Stunde mit sich herumtragen konnte. Er testete Easyrig sowie Steadicam und landete schließlich beim Exoskelett ActionProducts Runner.

In den Hintergrund trat die Technik, als Attila Boa vom beeindruckenden Dreh von „Untitled“ erzählte. Der Film entstand unter der Regie des österreichischen Regisseurs Michael Glawogger. Die Idee war, ohne voriges Konzept und ohne Recherche, einen Dokumentarfilm zu drehen. „Wir fingen buchstäblich am Haus des Regisseurs an“, so Attila Boa. Von dort an sah sich das Team um und ging dem nach, was sie von der Straße aus sahen. Auf die Frage, ob sich Regisseur und Kameramann manchmal uneins über die Relevanz des Gesehenen gewesen seien, sagte Boa, dies sei nie Thema gewesen. Noch vor Abschluss der Dreharbeiten starb Glawogger. Wer den Film kennt, weiß, dass dessen Tod in der Mitte des Films thematisiert wird, jedoch nicht offen und direkt, dafür aber den Mittelpunkt der Handlung des Films bildet.

27. Deutscher Kamerapreis 2017, Roundtable mit den Preisträgern
Foto: Jörn Leonhardt
27. Deutscher Kamerapreis 2017, Roundtable mit den Preisträgern

Dann berichtete Editor Chris Wright vom Schnitt des Wettbewerbsbeitrags „Fighter“ über die Szene der Mixed-Martial-Arts-Sportler. Der Beitrag zeichnet sich durch die höchst organischen Tempowechsel aus, die durch sehr unterschiedliche Drehorte und -situationen ergeben. Das harte, entbehrungsreiche Training, die teils überaus brutalen und schnellen Kämpfe und die ruhigen, fast kontemplativen Privatszenen. Wurde hier viel vom Tempo durch Regie und Kameraführung vorgegeben? „Nein“, antwortete Chris Wright, „das Tempo, das ist mein Job!“ Wright war auch schon selbst als Doku-Regisseur tätig und erzählte, dass er beim Schnitt auch Vorschläge machte, was noch an Nachdrehs möglich oder gar nötig wäre. Auf die Frage von Moderator Timo Landsiedel, ob da der Editor oder der Regie-Kollege sprach, antwortete Wright, das könne er gar nicht trennen.

Ehrenpreisträger Jo Heim hingegen berichtete, dass er lange Zeit entschiedener Gegner der digitalen Filmkameras war. Auch heute arbeitet er ohne LUTs am Set, sondern leuchtet wie zuvor und lässt sich frisch auf den Film ein, wenn er ins Grading geht. Nachwuchspreisträger Joe Berger hatte für seinen Kurzfilm „Cigarbox Blues“ gleich eine ganze Phalanx an Objektiven aufgefahren, um das Bild der ARRI Alexa größtmöglich zu beeinflussen. „Das war viel 1980er Jahre Technik um eine moderne Kamera herum“, erinnert sich der Wahlhamburger. Um innere und äußere Zustände zu verdeutlichen, mischte Berger sogar sphärische und anamorphotische Objektive, teilweise innerhalb einer Szene. Berger hob die Bedeutung der Teammitglieder, allen voran der Focus Puller hervor. Börres Weiffenbach stimmte ihm zu. In einer Zeit immer schärferer Objektive und perfekter abbildender Kamerasensoren, seien Assistenten oder auch DITs umso wichtigere Komplizen am Set.

Erfahren Sie, wie das Gespräch weiterging im kommenden Heft, der Ausgabe 9/2017 – ab 20. August in unserem Shop oder im Abonnement erhältlich. Erfahren Sie in den kommenden Wochen mehr über die Preisträger hier auf der Webseite und in unserem Newsletter!

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