Zoom F8: Obere Klasse

Zoom F8 Multi Track Fieldrecorder im Test

Für die Ausgabe 6/2016 hat sichPeter Kaminski den Zoom F8 Multitrackrekorder angesehen. Zoom ist ja vor allem als Hersteller preiswerter, mobiler Handheld-Recorder und Mikrofone für iOS-Geräte bekannt. Mit dem F8 stieg Zoom auch in der oberen Klasse der Mehrspur-Fieldrecorder ein.

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(Bild: Peter Kaminski)

Wenn man den ZOOM F8 das erste Mal in der Hand hält, dann ist die erste Auffälligkeit seine Kompaktheit (187 × 140 × 54 mm) und das geringe Gewicht von 1.169 Gramm mit Batterien und SD-Karten, beziehungsweise 977 Gramm Nettogewicht. Das Gehäuse ist aus Aluminium, oben gebürstet und eloxiert und an den Seiten pulverbeschichtet. Kleine Griffe ermöglichen die Befestigung eines Tragegurtes, der sich aber nicht im Lieferumfang befindet. Das Gerät kann sowohl liegend als auch hochkant (nur wenn kein Steckernetzteil und Timecode benutzt wird) aufgestellt werden. Es wird auch eine sehr flexible passende Tasche (PCF-8) mit Gurt von Zoom angeboten. Unten im Boden des Zoom F8 befindet sich ein Standard- Fotostativgewinde. Der Recorder lässt sich mit einem beiliegenden Adapter auch unter einer DSLR montieren.

Spannungsversorgung

Ein wichtiger Punkt bei mobilen Geräten ist immer die Spannungsversorgung. Diese erfolgt beim F8 entweder über acht AA-Batterien oder Akkus im Batteriekasten, der über die Rückseite eingeschoben werden kann, über ein mitgeliefertes Steckernetzteil (100 … 240 V 50/60 Hz) oder über eine externe Versorgung mit 9 bis 16 Volt über eine HIROSE 4-Pin-Buchse. Der Batteriekasten BCF-8 ist als Ersatzteil lieferbar und lässt sich vorbestückt schnell tauschen.

Die Betriebszeit ist extrem von den Betriebsumständen abhängig. Bei Stereoaufnahmen mit 48 kHz auf einer SD-Karte und Phantomspeisung ohne angeschlossenen Kopfhörer betrug die Betriebszeit vier bis fünf Stunden. Bei „vollem Programm“ – also acht Kanäle mit 192 kHz/ 24 Bit auf eine SD-Karte und Phantomspeisung sowie Kopfhörerwiedergabe beträgt die Laufzeit dagegen nur noch eine Stunde. Bei Einsatz von 2,5 Ah NiMH-Akkus erreicht man eine um 30 Prozent erhöhte bis doppelte Betriebszeit und bei Einsatz von Lithium-Batterien noch etwas längere Betriebszeiten. Normale Batterien lassen sich also in der täglichen Praxis nur als Puffer oder für kurze Drehs einsetzen und NiMH-Akkus reichen meist auch nicht für einen Drehtag. Eine externe Spannungsversorgung ist also angeraten.

Sehr gut gelungen: Es lassen sich Shutdown-Spannungsschwellwert sowie ein Wert für die Nominalspannung einstellen. Die aktuelle Spannung sowohl der externen Spannungsquellen als auch der Batterien/Akkus wird in dem Dialog auf ein Zehntel Volt genau angezeigt. In allen anderen Menüs wird oben im Kopf die Spannungsquelle und die aktuelle Spannung als Wert angezeigt.

Schnittstellen

Auf beiden Seiten befinden sich je vier XLR/Stereoklinke- Kombibuchsen für Mikrofone (XLR, verriegelbar), bzw. Line-Pegelquellen (Stereoklinke). Die Eingangsverstärkung lässt sich für Mikrofon (3,3 kOhm Eingangsimpedanz) im Bereich +10 bis +75 dB und für Hochpegelquellen (28 kOhm Eingangsimpedanz) im Bereich –10 bis +55 dB einstellen. Auf jeden Mikrofoneingang kann individuell eine Phantomspeisung aufgeschaltet werden und zwar wahlweise pro Kanal mit 24 oder 48 Volt. Bei 192 kHz gibt der Hersteller für die Eingänge einen Übertragungsbereich von 10 Hz bis 80 kHz (+0,5 dB/–1 dB) an bei typisch 120 dB Dynamikumfang (A-gewichtet). Das Kanalübersprechen liegt bei unter –90 dB.

Auf der Rückseite befindet sich neben dem Batteriefach auch noch ein Multipin-Stecker, um eine Zoom-Mikrofonkapsel aufzustecken. Diese Funktion ist aber nur für den DSLR-Betrieb von Bedeutung. Weiter gibt es noch ein eingebautes Slate-Mikrofon, zum Beispiel für Aufnahme von Kommentaren.

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Alle Audio-Ein- und Ausgänge befinden sich an den beiden Seiten des F8 (Bild: Peter Kaminski)

Der F8 bietet ein Kopfhörerausgang in Form einer ordentlichen 6,3-mm-Stereoklinkenbuchse – also zum Glück keine Miniklinke. Der Hersteller gibt bei einer Last von 32 Ohm je 100 mW maximale Ausgangsleistung an. Es gibt aber noch weitere Ausgänge und zwar zwei Main Outs in Form von Mini-XLR-Buchsen (TA3) sowie ein zweiter Stereoausgang, bezeichnet als Sub-Out, in Form einer 3,5 mm Stereo-Miniklinkenbuchse. Zwei Adapterkabel auf Standard XLR befinden sich im Lieferumgang. Der erste Ausgang ist für den Anschluss eines externen Mixers oder zum Weiterleiten des Mix-Signals. Die Ausgangsnominalpegel lassen sich individuell für Main- und Sub-Out auf –10 dBV oder –40 dBV einstellen.

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Auf der Rückseite befinden sich noch zwei BNCBuchsen für Time-Code Ein- und Ausgang. (Bild: Peter Kaminski)

Auf der linken Seite befindet sich noch eine Micro-USB- 2.0-Buchse. Bei einem Anschluss an einen Rechner lässt sich so auch ohne Card Reader auf den Inhalt der SD-Karten zugreifen. Aber es geht noch mehr via USB. Der F8 kann auch als USB-Audio-Interface genutzt werden und zwar einmal als Class Compliant USB-Audio-Interface (Stereo Ein-/Ausgang, 44,1 oder 48 kHz Abtastrate und 16-Bit-Wortbreite), zum Beispiel in Verbindung mit einem iPad oder als Mehrkanal-Interface für Windows-Betriebssysteme mit ASIO-Treiber, beziehungsweise auf Mac-OS X ohne Treiber (Abtastrate 44,1/48/96 kHz, 16/24-Bit-Wortbreite und acht Ein- sowie vier Ausgangskanäle).

Aufnahme

Der Zoom F8 ist ein Achtspur-Recorder, wobei er auch noch auf zwei Spuren einen Stereomix aufzeichnen kann. Er unterstützt die üblichen Abtastraten von 44,1 bis zu 192 kHz bei Wortbreiten von 16 und 24 Bit. Die beiden Mix-Spuren lassen sich als PCM (Broadcast-Wave-Format) oder MP3 (128, 192 oder 320 kBit/s) aufzeichnen. Bei 192 kHz Abtastrate ist allerdings eine Aufzeichnung des Stereo-Mix nicht mehr möglich.

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Dank zwei gleichzeitig nutzbarer SD-Karten-Slots gibt es mehr Sicherheit oder Flexibilität (Bild: Peter Kaminski)

Der F8 verfügt über zwei SD/SDHC/SDXC-Kartenslots für Aufnahmemedien mit bis zu 512 GB. Die Aufzeichnung erfolgt auf einer oder auf beiden Karte, wenn man ein Backup wünscht und das auch in unterschiedlich wählbaren Aufzeichnungsformaten. Die Audioinformationen für die Eingangsspuren lassen sich pro Karte als Mono/ Stereo- oder Mehrspur-WAV-Datei ablegen. Bei angewähltem Mehrspurformat kann der Stereomix mit in die Datei geschrieben werden. Ist eine Karte voll, so wird versucht auf der anderen Karte die Aufnahme fortzuführen (automatischer Relay-Betrieb).

Der Zoom F8 bietet auch ein sogenanntes Dual Channel Recording. Die Eingangskanäle 1 bis 4 werden auf den Spuren 1 bis 4 und noch mal auf den Spuren 5 bis 8 aufgezeichnet. So kann jeder der vier ersten Eingangskanäle mit zwei unterschiedlichen Pegeln aufgezeichnet werden. Die fünf Transporttasten befinden sich neben dem Einschalter. Bei Druck auf die Record-Taste erfolgt unmittelbar der Aufnahmestart. Wird während der Aufnahme die Play/Pause-Taste gedrückt, stoppt die Aufnahme, aber der Recorder bleibt in Aufnahmebereitschaft. Mit Druck auf die Play/Pause-Taste oder der Record-Taste kann man die Aufnahme fortsetzen.

Das Slate-Mikrofonsignal für Kommentare lässt sich beliebig auf Tracks und Ausgänge routen und im Pegel anpassen. Die Aktivierung des Slate-Mikrofons erfolgt über einen Schiebeschalter über dem Dreh/Druckgeber. Der Slate-Ton für den Klappenersatz lässt sich in Pegel und Frequenz einstellen und ebenfalls beliebig auf Tracks und Ausgänge routen.

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Typisches Layout wie man das erwartet. Die PFL Taste dient auch dem Aufrufen des Kanalparameterdialogs. (Bild: Peter Kaminski)

Kanäle und Mixer

Auf der Frontplatte des F8 kann man über den Menü-Taster zwischen Systemmenü (Input, Output, Record, Play, Time code, System, SD Card, USB etc.) und den einzelnen grafischen Bedienseiten umschalten. Bei den grafischen Bedienseiten kann man mit dem Dreh/Druck-Geber ein Bedienelement selektieren, durch Druck bestätigen und dann den Wert verändern. Es sind folgende grafische Bedienseiten aufrufbar: Input/Mixer und Main/Sub Out sowie vier anpassbare Level-Meter-Views. Über das Level- Meter-View-Menü lässt sich vordefinieren, welche Kanäle auf den vier anwählbaren Displays ausgegeben werden sollen.

Mit den acht Reglern auf der Front lassen sich entweder Input Gain oder Mixer-Parameter des entsprechenden Kanals einstellen. Welche Funktion die Regler haben, lässt sich global im Systemmenü definieren. Wenn Mix gewählt ist, erscheint auf dem Display eine Auswahl mit Trim, Fader und Pan. Die Trim-Funktion lässt sich auch für Stereo- oder Mehrkanalton-Betrieb in Gruppen linken. Es stehen dafür vier Gruppen bereit, so dass man also auch viermal Stereo gruppieren kann.

Über die PFL-Taster wird nicht nur die PFL-Abhörfunktion aktiviert, sondern bei Selektion wird im Display ein Dialog mit den entsprechenden Kanalparametern ausgegeben und man kann diese Parameter über den Dreh/Druck- Geber verändern. Die PFL-Schalter lassen sich aber auch individuell pro Kanal auf Solo-Funktion umschalten. In jedem Kanalzug befinden sich ein Hochpassfilter (Grenzfrequenz schaltbar), ein Limiter, Fader für den Mixer-Pegel und ein Panorama-Regler.

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Das Input/Mixer-Display gestattet auch einen schnellen Zugriff auf Mix-Level und Panorama-Einstellung. (Bild: Peter Kaminski)

Time Code

Der F8 kann sowohl Timecode generieren (immer freilaufen, nur bei Aufnahme, frei mit Bezug auf interne Realtime Clock) als auch Timecode empfangen und aufsynchronisieren. Die Funktionalität ist hierbei sehr umfangreich. Es werden alle gängigen Timecode-Frame-Raten geboten, sowohl Drop Frame als auch Non-Drop-Frame. Auch ist es möglich, über die Funktion „Ext Auto Rec“ einen externen Timecode zum Starten und Beenden der Audioaufnahme zu nutzen. Hierfür gibt es auch noch eine einstellbare Verzögerungszeit (Auto Rec Delay Time), mit der man definieren kann wie lange der Timecode anliegen muss (bis zu acht Sekunden), damit die Aufnahme auch startet.

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Nach Drücken der PFL-Taste wird das Display mit den entsprechenden Kanalparameter ausgegeben. (Bild: Peter Kaminski)

Steuerung Via iOS

Es steht auch eine kostenlose F8-App für iOS zur Verfügung, mit der man den F8 vom iPhone oder iPad komfortabel steuern kann. Die Systemkonfiguration erfolgt weiterhin am F8, aber wichtige Funktionen wie Mischer und Kanalparameter lassen sich über die App bedienen. Für die Nutzung benötigt man die Firmware 2.0 und ein Zusatzfirmware-Modul, das man über die Speicherkarte in den F8 überträgt. Nach der Installation kann man durch langes Drücken auf MENU-Taster die BluetoothVerbindung initiieren. Auf der iOS-Seite muss man dann nur noch die App aufrufen und den am F8 angezeigten Code eingeben.

Praxis

Die funktionelle Komplexität des Recorders ist sehr hoch, so dass wir hier nicht auf alle Funktionen eingehen können. Die Menüstruktur ist sehr gelungen und man kann schon nach sehr kurzer Eingewöhnungszeit das Handbuch getrost zur Seite legen. Zudem sind alle Parameter gut und schnell erreichbar. Bedenken wegen der kleinen Tasten und dem kleinen Dreh/Drucktaster haben sich in der Praxis zerstreut. Ein besonderes Lob verdient das auch bei grellem Tageslicht sehr gut ablesbare 2,4-Zoll-Farbdisplay (320 × 240 Pixel), auf monochrom umschaltbar. Die iOS-App ist eine hilfreiche Option. Besonders wenn man eine Stereomischung oder auch einen Downmix aufnehmen oder ausgeben muss. Via App hat man hier die wichtigsten Parameter ohne Umschaltung im Zugriff. Der F8 bietet sehr viele aus praktischer Sicht sinnvolle Details, wie die individuell anpassbaren Meter-Views und die gruppierbaren Trimmregler. Die Gain-Drehregler haben zwar keine Rasterung, aber der eingestellte Wert wird Dezibel-genau angezeigt und so lassen sich Einstellungen exakt vornehmen. Ein kleines Manko ist, dass die tiefste einstellbare Grenzfrequenz der Hochpassfilter 80 Hz ist. Hier hätte ich mir auch noch zwei tiefere Filterfrequenzen mit 30 und 60 Hz gewünscht.

Der Limiter ist zwar „nur“ in der digitalen Ebene, aber durch den großen Dynamikbereich der Eingangsstufen, stellt das in der Praxis kein Problem dar. Wichtig ist, dass man die digitale Ebene nicht überfährt und da hilft der Limiter, der absolut überzeugend arbeitet und dank der vielen Parameter (Hard/Softknee, Schwellwert, Anstiegs- und Abfallzeit) sich entsprechend anpassen lässt. Die minimale Ansprechzeit beträgt übrigens eine Millisekunde.

Die Klangqualität der Mikrofonvorverstärker ist exzellent und nicht nur für ein Gerät in dieser Preisklasse. Auch das Rauschverhalten ist erstklassig. Der Kopfhörerverstärker ist für Monitoring-Zwecke mehr als ausreichend. Aufgrund der Gerätekompaktheit sind natürlich kleine Abstriche zu verzeichnen was die Höhenbrillanz sowie die Wiedergabe tiefer Bässe angeht. Der Ausgangspegel ist ebenfalls bei geschlossenen Kopfhörern als ausreichend zu bewerten. Mehr ist bei der Gerätegröße technisch kaum machbar.

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Auch auf dem iPhone lässt sich die Mixer-Seite gut bedienen und man hat sogar mehr Parameter im direkten Zugriff als über die F8-Frontbedienung. (Bild: Peter Kaminski)

Zu beachten ist die Akkulaufzeit bei hohen Spurzahlen und Abtastraten. Aber bei Anwendungen mit vielen Spuren darf man davon ausgehen, dass der Audio-Recorder über Wechselstromnetz/Steckernetzteil oder einen externen Akku gespeist wird. Für Reportage-Zwecke wiederum ist die Laufzeit mit NiMH-Akkus oder Lithium-Batterien ausreichend. Ratsam ist ein zweites, vorbestücktes Batteriegehäuse. Sehr gut gelöst sind das Management und die Statusanzeige der Spannungsversorgung.

Fazit

Der Preis für das F8 liegt laut deutschem Vertrieb Sound Service aktuell bei ca. 1.200 Euro (Stand: August 2018). Im Lieferumfang des Zoom F8 befindet sich auch noch eine Steinberg Cubase LE und WaveLab LE Version.

Der Zoom F8 ist sein Geld ohne Wenn und Aber wert. Vergleichbare Geräte mit ähnlicher Funktionalität sind deutlich teurer. Zudem überzeugen Verarbeitung und Klangqualität sowie die praxisnahe Bedienfunktionalität und nicht zuletzt die Kompaktheit des Recorders. Was der Zoom F8 nicht bietet, sind digitale AES3- und AES42-Eingänge. Bei dem Preis aber verschmerzbar.

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