Im Test: Kompakte 4K-Kamera mit 1-Zoll-Sensor

Was kann die Sony PXW-Z90?

Im vergangenen Herbst hat Sony drei kompakte 4K-Camcorder vorgestellt, die sich technisch sehr ähneln. Peter Kaminski befasste sich ausführlich mit dem PXW-Z90, der in diesem Line-Up die meisten Broadcast-Features hat.

Auf der IBC 2017 zeigte Sony mit dem FDR-AX700, dem HXR-NX80 NXCAM sowie dem XDCAM PXW-Z90 gleich drei kompakte 4K-Camcorder für unterschiedliche Anwendergruppen.
Die drei Kameras weisen große technische Ähnlichkeiten auf, besonders hinsichtlich Sensor, Autofokus, Sucher und HDR-Fähigkeit. Die Unterschiede zwischen HXR-NX80 und PXW-Z90 liegen unter anderem im Aufzeichnungsformat und den Möglichkeiten zum Anschluss von externem Tonequipment, denn die Consumer-Variante FDR-AX700 verfügt über keine XLR-Eingänge und auch über keinen abnehmbaren Tragegriff. Äußerlich bestehen jedoch kaum weitere signifikante Unterschiede. Die PXW-Z90 bietet aber einige broadcast-typische Funktionen, und zwar unter anderem MPEG-2-Aufzeichnung, eine 3G-SDI-Anschlußmöglichkeit sowie die Unterstützung von XDCAM Air, dem cloud-basierten Workflow für News-Produktionen.

Sensor, Optik, Display und Sucher

Als Sensor wird bei der PXW-Z90 ein XMOR RS-Sensor mit 1-Zoll-Größe (13,2 × 8,8 mm) eingesetzt, der eine fünffach schnellere Auslesegeschwindigkeit erlaubt. Die PXW-Z90 verfügt über eine ZEISS-Optik mit F2,8 und zwölffach optischen Zoom von 9,2 bis 111,6 Millimeter. Neben dem optischen Zoom bietet die PXW-Z90 noch im HD-Modus einen sechsfach Clear-Image-Zoom.
Die Belichtung kann auch über drei ND-Filter mit Faktor 4, 16 und 64 im Optikblock gesteuert werden, die elektro-mechanisch in den Lichtweg eingefügt werden. Die Blende lässt sich automatisch oder manuell in einem Bereich von 2,8 bis 4,5 einstellen.
Das ausklappbare Display hat eine Diagonale von 3,5 Zoll (88 mm) mit 1,56 Megapixeln. Der Sucher basiert auf einem 0,39“-großen OLED-Display mit 2,36 Megapixeln. Um den Sucher hochzuklappen, muss man ihn erst etwas nach vorn ziehen. Dadurch lässt sich die Standard-Sucherposition fixieren.

Aufzeichnung

Die Aufzeichnung erfolgt auf SD-Karten. 4K-Aufnahmen mit 3840×2160 in 16:9 werden als XAVC Long-GOP mit 60 oder 100 Mbit/s und 4:2:0 Subsampling geschrieben. HD wird in XAVC Long-GOP mit 4:2:2-Subsampling und 50, 35 oder 25 Mbit/s mit Auflösungen von 1920×1080 oder 1280× 720 im 16:9-Bildformat aufgenommen.
Dazu gibt es noch AVCHD-Aufzeichnung mit Bitraten von 5 bis 28 Mbit/s in verschiedenen HD-Auflösungen, sowie als MPEG in HD mit 4:2:2- (10 Bit, 50 Mbit/s) oder 4:2:0-Subsampling (8 Bit, 35 Mbit/s).
Die PXW-Z90 unterstützt auch HDR-Aufnahmen mit in SLog2, SLog3 sowie HLG. Darüber hinaus sind Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 1.000 FPS möglich. Dafür sind allerdings entsprechend schnelle Class 10 SDHC/SDXC-Speicherkarten erforderlich.

Autofokus

In der PXW-Z90 kommt dank des schnellen Sensors ein neues Hybrid-Autofokussystem mit BIONZ X-Prozessor zum Einsatz. Dabei werden 273 Fokus-Messpunkte genutzt, die ungefähr 84 Prozent des Sensorbereichs abdecken. Über ein Touch-Display können die Objekten, festgelegt werden, die mit der Schärfe verfolgt werden sollen. Zusätzlich gibt es Parameter wie „Tracking Range“ um zu bestimmen, wie weit sich ein Objekt in der Tiefe bewegt oder „Subject Switch Sensitivity“, um zu festzulegen, ob sich der Focus auf mehrere Objekte oder ein Einzelobjekt wirken soll.

Peter Kaminski mit der Sony PXW-Z90 an der Formel-1-Strecke in Barcelona. (Bild: Peter Kaminski)

Praxis

Die PXW-Z90 ist mit 48 × 29 × 81 Millimetern (Breite × Höhe × Tiefe, ohne herausragende Teile) wirklich sehr kompakt. Dabei wiegt das reine Gehäuse lediglich 170 Gramm.
Ich hatte Gelegenheit, die PXW-Z90 bei einem Seminar sowie bei den Formel-1-Tests Anfang des Jahres in Barcelona einzusetzen. Gerade bei diesem Sujet hat man es immer mit vielen unterschiedlichen und sehr dynamischen Situationen zu tun, in denen sich der Autofokus wirklich sehr bewährt hat. Gerade bei 4K-Aufnahmen in Reportage-Situationen hat man meistens keine Zeit, ein Stativ einzusetzen und in Ruhe scharf zu stellen.
Die Gesichtserkennung funktioniert sehr zuverlässig. Wir haben im Test beim Formel-1-Dreh mit aktivierter Gesichtserkennung von einem vorbeifahrenden Formel-1-Renner auf einen Passanten geschwenkt. Dabei hat das Autofokus bei der Fahrzeugverfolgung sehr gut gearbeitet und nach dem Schwenk auf die Person diese sofort getrackt und das im Display auch entsprechend angezeigt.
Die Optik ist mit F2,8 nicht besonders lichtstark. Man kommt deshalb relativ leicht in den Bereich, in dem die Kamera anfängt, sichtbar zu rauschen. Die kleinste Brennweite von 9,3 mm erfordert auch gelegentlich den Einsatz eines zusätzlichen Weitwinkelkonverters. Das Filtergewinde hat einen Durchmesser von 62 mm. Der Sony Weitwinkel-Konverter VCL-HG0872K lässt sich hier allerdings nicht einsetzen. Der Zunow WCX-80 mit dem mitgeliefertem 62-mm-Adapter funktioniert dagegen.
Die 4K-Bildqualität ist gut. In den Standardeinstellungen habe ich das Gefühl das die Kamera von der Schärfe her leicht überzeichnet. Die Bildstabilisierung arbeitet ebenfalls grundsätzlich gut, kam aber bei 4K auch an ihre Grenzen. Bei Anwahl des Standard-Profils 4 waren in der Post-Produktion nur geringe Farbkorrekturen erforderlich, um das Material an das der PXW-FS5 und der PXW-Z150 anzugleichen.

Fazit

Pluspunkte sammelt die PXW-Z90 beim ND-Filter, beim Autofokus und den broadcast-typischen Leistungsmerkmalen. Abzüge muss die Kamera bei Bedienung, Haptik und Rauschverhalten hinnehmen, ebenso bei der Begrenzung auf 8-Bit-Wortbreite und 4:2:0 Subsampling im 4K-Betrieb.
Die PXW-Z90 ist von Ihrer Ausstattung eindeutig für die Anwendungsbereiche Reportagen und News prädestiniert. Vielleicht liegt hier der Schwerpunkt eher noch auf HD-Aufnahmen mit der zusätzlichen Option, auch auf 4K drehen zu können. Der Autofokus ist wirklich bemerkenswert, und durch das kompakte Format ist die PXW-Z90 ein ständiger und unauffälliger Begleiter – auch das wichtige Faktoren in der News-Berichterstattung.
Die Kamera wird zur Zeit für ca. 3.000 Euro angeboten. Die MPEG-Option kostet knapp unter 600 Euro und die Timecode-Link-Option etwas weniger als 360 Euro. [5179]

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