Neue Generation des Mobilfunknetzes im Fokus

Was bedeutet 5G für drahtlosen Ton?

Das Mobilfunknetz der nächsten Generation hat Folgen auch für unsere Branche: Beim Wireless-Ton sind dabei gleich mehrere Faktoren zu bedenken. In unser Ausgabe 7-8/2019 beschäftigte sich unser Autor Peter Kaminski mit der Frage nach dem neuen Standard beim Mobilfunk, der in den nächsten Jahren flächendeckend verfügbar sein soll.

Bei 5G, der fünften Generation des Mobilfunks, steht anders als bei den vorangegangenen Generationen nicht nur die höhere Bandbreite im Fokus, sondern es werden auch neue Dienste, Anwendungen und technische Spezifikationen geboten. Natürlich geht alles auch mit deutlich mehr Bandbreite einher – technisch wären bis zu 20 GBit/s möglich. Klar ist natürlich, dass dies nicht sofort erreicht, sondern dass es mehrere Evolutionsstufen geben wird, die auch mit der Bereitstellung von Frequenzen über 20 GHz für Kurzstreckenverbindung mit hohen Datenraten einhergehen: Zunächst werden Übertragungsraten von 1 GBit/s angepeilt. In der Praxis wird der mittlere Datendurchsatz vielleicht bei über 100 Mbit/s liegen. Aber Datendurchsatz ist nicht alles. Die sogenannte Ping-Zeit – also die Zeit, in der auf eine IP-Anfrage im Netz reagiert wird – ist deutlich niedriger als bei dem Vorgänger LTE. Man geht hier von Latenzzeiten von unter einer Millisekunde aus, was erstmalig auch Echtzeitanwendungen im Mobilfunk ermöglicht.

MÖGLICHKEITEN DURCH 5G
Bisher nutzen wir für die Übertragung von Audio und für Intercom-Lösungen entweder analoge oder digitale Systeme im UHF-Band, im speziellen Frequenzbereich um 1,8 GHz, im ISM-Band 2,4 GHz oder im DECT-Band. Viele Industrieanwender planen, nach der flächendeckenden Einführung von 5G bisherige Funkdienste in 5G zu überführen. Zu nennen wären da zum Beispiel die klassischen Gegensprechfunkdienste, die natürlich am Set und zum Beispiel im Event-Bereich bei kleinen Veranstaltungen in FM analog und bei größeren über digitale DMR- oder TETRA-Funksysteme bereitgestellt werden. Hier planen verschiedenste Unternehmen die Integration von Gegensprechen via Voice-over-IP in den Mobilfunk. Selbst einige staatliche Behörden denken über eine Ablösung ihrer BOS-Digitalfunksysteme wie TETRA durch 5G nach, da nun erstmalig eine Echtzeitübertragung gewährleistet ist.

BRAUCHEN WIR NOCH KLASSISCHEN MIKROFON-DRAHTLOSFUNK?
Mit der Integration beziehungsweise dem Abbilden von Funknetzsystemen in einer Mobilfunk-IP-Infrastruktur bilden sich gleich mehrere Vorteile: zum einen lassen sich so Mobilfunk-Handys in das System über Apps leicht integrieren. Zudem wird die Systeminfrastruktur weitgehend in das Mobilfunknetz verlagert und die Kommunikationsstrukturen nur noch virtuell im Netz abgebildet. Die klassischen TETRA- oder DMR-Sprechfunkgruppen – wo man auch mal eine „Kanal belegt“-Signalisierung erhält – sind damit passé. Über Gateways lassen sich auch andere Telekommunikations-Infrastrukturen einbinden, da diese ja heutzutage sowieso meistens IP-basiert sind. Gehen wir noch einen Schritt weiter mit einer provokanten Frage: Brauchen wir im Jahr 2030 noch den klassischen Mikrofon-Drahtlosfunk? Oder wird alles im Netz landen, inklusive der Drahtlosmikrofonsender? So ganz einfach ist diese Frage nicht zu beantworten. Ganz von der Hand weisen wird man diese These nicht. Das zeigt auch die Initiative zu einer Studie, die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert wurde, die sich genau mit diesem Thema „Programme Making & Special Events employing 4G+/5G technology“ beschäftigte. An dem PMSE-xG Projekt (pmse-xg.research-project.de) waren Firmen und Institutionen wie ARRI, Bosch, Fraunhofer Heinrich Hertz Institute, Intel, Leibniz Universität Hannover, Sennheiser, Smart Mobile Labs und andere beteiligt. 2018 wurde ein finaler Workshop der Arbeitsgruppe in München abgehalten. Ein Whitepaper findet man auf der Website des Projektes.

Lesen Sie hier auch weitere Möglichkeiten von 5G in der Praxis an Filmsets nach und erfahren Sie ob 5G überhaupt einen Einfluss auf die Arbeit der Branche in näherer Zukunft spielen kann.

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