Test: Sony PXW Z280 und Z190 

Übers Netz

Unsere Podcaster haben für das Heft 1-2/2019 von Film & TV Kamera einen genaueren Blick auf die Sony PXW Z280 und die Z190 geworfen und dabei besonders auf die Netzwerkfunktionen geachtet. Im ersten Teil beschäftigte sich Simon Knobloch mit Handling, Bildqualität und möglichen Einsatzgebieten. Johannes Gall richtet nun im zweiten Teil den Fokus auf die Netzwerkfunktionalität beider Kameras.

An dieser Stelle übernehme ich – Johannes – den Artikel. Ich bin seit einigen Jahren im Bereich Livestreaming tätig und bin gespannt darauf, was Z280 und Z190 bieten. Die beiden Kameras verfügen über neue Netzwerkfunktionen, die den Arbeitsalltag von Videojournalisten, kleinen EB- Teams sowie Fern- und Online-Redaktionen erleichtern.

Der Nutzer hat die Möglichkeit, die jeweilige Kamera über den verbauten USB-Port mit einem Mobilfunkstick zu verbinden. Eine weitere Möglichkeit ist eine Verbindung zwischen der Kamera und einem Router beziehungsweise einem Smartphone herzustellen. Eine letzte Möglichkeit wäre, auf den verbauten Ethernet-Anschluss zurückzugreifen und die Kamera darüber in ein bestehendes Netzwerk einzubinden oder einen mobilen Mobilfunkrouter darüber anzuschließen. Verbindet der Nutzer die Kamera über einen Mobilfunkstick mit dem Internet, so besteht die Möglichkeit, sein Livebild der Kamera direkt auf einen RTMP-Server zu streamen. RTMP steht für Real Time Messaging Protocol und wurde von Adobe entwickelt. Mit dem Netzwerkprotokoll können Audio- oder Videofiles, aber auch Datenpakete von einem Media-Server zu einem Flash-Player gesendet werden. So kann der Stream dann direkt über Onlinekanäle vertrieben oder in eine Livesendung eingebunden werden. Dies kann bei Veranstaltungen, Fernsehsendern oder deren Onlinesparte eine deutliche Effizienzsteigerung bedeuten.

FLEXIBLE NETZ-OPTIONEN

Neben dem Stream auf einen RTMP-Server gibt es über diese Verbindungsart die Option gedrehtes Material, sowohl die hochaufgelösten Dateien als auch Proxy-Dateien direkt auf einen FTP-Server zu laden. So können Beiträge oder eine MAZ schon geschnitten beziehungsweise zumindest gesichtet werden, auch wenn der VJ oder das EB-Team noch unterwegs ist. Nutzt man den Ethernet-Anschluss der Kamera, zum Beispiel in einem lokalen Netzwerk, so stehen hier die meisten Onlinefunktionen zur Verfügung. Neben der Möglichkeit auf einen RTMP-Server zu streamen oder das gedrehte Material hochzuladen, kommt die Funktion, die Kamera über beispielsweise den Webbrowser am Computer fernsteuern zu können. Zusätzlich erweitert sich der Funktionsumfang der Kamera dahingehend, dass ich die einzelnen Parameter der Kamera prüfen und anpassen kann.

Steht dem Nutzer der Sony Z190 oder Z280 kein Netzwerk über LAN zu Verfügung, so kann er die Kamera via WLAN in ein Netzwerk einbinden und erhält infolgedessen denselben Funktionsumfang wie über die LAN-Verbindung. Als letzte Möglichkeit bleibt die direkte Verbindung über WLAN mit einem Smartphone oder einem Computer. Bei Android Smartphones kann die Verbindung über die NFC-Schnittstelle vollautomatisch erfolgen. Bei Geräten ohne NFC-Schnittstelle erfolgt der Verbindungsaufbau über die WLAN-Netzwerksuche in den jeweiligen Geräteeinstellungen.

Bei dieser gesamten Livestreaming-Thematik möchte ich nicht außer Acht lassen, dass Sony eigene Mobilfunkmodems separat anbietet. Diese werden unter der Bezeichnung Network-RX-Station vertrieben. Alternativ kann der Nutzer auch die App „XDCAM pocket“ und ein kompatibles Smartphone verwenden. Die App „XDCAM pocket“ kann auch genutzt werden, um anstatt mit einem großen Cam- corder, direkt mit dem Smartphone und der dort verbauten Kamera live zu streamen. Die App ist kostenlos, sowohl für iOS als auch Android Smartphones. Es wird ein Konto beim Sony eigenen Service XDCAM Air vorausgesetzt.

ANWENDUNGSBEISPIELE

Da die verschiedenen Funktionen in ihrer Darstellung sehr abstrakt sind und ein reiner Funktionstest die Praxis nur ungenügend abbildet, stelle ich im Folgenden zwei Beispiele im Zusammenhang mit den neuen Funktionen vor. Vier Kameraleute am Wahlabend der Bundestagswahl 2021. Alle in einer anderen Parteizentrale. Im Fernsehen sind alle vier Zentralen zu sehen, während die Wahlergebnisse verkündet werden. Hierfür sind vier Sony Z280 mit Mobilfunkstick im Einsatz. Damit aber nicht genug. Der Sender bereitet währenddessen bereits die Einspieler für die nachfolgende Nachrichtensendung vor. Hierzu greift der Editor auf das bereits gedrehte Material zu, das zuvor von der Z280 auf den hauseigenen FTP-Server übertragen wurde. Ein ähnliches Setup könnte auch bei der Vor-Ort-Berichterstattung, im Falle einer sogenannten Großschadenslage oder bei Umweltkatastrophen zum Einsatz kommen. Immer vorausgesetzt, das Mobilfunknetz ist ausreichend ausgebaut. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man durch dieses Land fährt.

FAZIT

Sowohl die Sony Z190 als auch die Z280 sorgen für eine Effizienzsteigerung im EB/VJ-Bereich. Was Sony uns hier vorstellt, ist eine gute All-In-One-Lösung. Wir würden den Wunsch formulieren, in Zukunft das Mobilfunkmodem zu integrieren, damit der Nutzer nur noch eine Daten- beziehungsweise SIM-Karte einlegen muss. [7528]

Den ersten Teil des Tests über Handling, Bildqualität und Einsatzmöglichkeiten können Sie hier lesen.

 

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