Produkt: FILM & TV KAMERA 4/2019
FILM & TV KAMERA 4/2019
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Technology Innovation Days in Berlin

Sony unterstützt Broadcaster von Liveübertragungen

In unser Ausgabe 5/2019 haben wir vom Branchentreffen im „Innovation Center for Immersive Imaging Technologies Berlin“ berichtet. Zwei Branchen-Experten stellen ihre Innovationen, im Bereich der IT-basierten Infrastrukturen vor. 

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Claus Pfeifer, Technischer Verkaufsleiter bei Sony Professional Media Solutions, berichtet über europäische IP-Projekte. „Sony ist treibendes Mitglied von VSF und AMWA, bekennt sich zu offenen Standards und unterstützt die EBU tech3371“, sagt Pfeifer. In der IP Live Alliance arbeitet Sony zusammen mit über 50 Partnern an der vollständigen Interoperabilität, um diese zwischen den Standards, Streams und Systemen sicherzustellen. Das Ziel ist den Kunden die richtigen Lösungen und Systeme mit unabhängigen Unternehmen anzubieten. Bisher sind weltweit etwa 30 „IP-Live-Production-Systeme“ im Einsatz. In Deutschland ist bisher noch keines dieser Systeme in Betrieb. In Europa nutzt France GALOP (Frankreich) ein System für die Remote-Produktion sowie BBC Studio Works (UK) für ein 4K-IP-Studio. Ausführlicher berichtete Pfeifer über das letzte Projekt für den portugiesischen Sender SIC, bei dem Sony als Generalunternehmer auftrat. SIC trat zur NAB 2018 an Sony heran, mit dem Ziel, in dem neu errichteten SIC-Gebäude ein ST2110-System für die Live-Produktion aufzubauen. Dieses sollte zukunftssicher (4K/HDR) und erweiterbar (Remote-Produktion) aufgebaut werden. Dazu erstellte Sony die voll-redundante non-blocking Netzwerk-Architektur basierend auf CISCO- Komponenten. Zum Einsatz kamen LAWO VSM und V_Matrix, Calrec Audio-Konsole, RTS Intercom sowie voll IP-fähige HDCU-3100 CCUs und XVS-7000-Mischer von Sony. Das Studio ist seit Februar 2019 in Betrieb. Sony bietet laut Pfeifer Produktionslösungen für 4K, HD, HDR und IP sowie Leistungen für den zukünftigen Aufbau der Live-Production-Infrastrukturen, basierend auf IP oder SDI. „Neben der Technologie unterstützen wir alle Phasen bei Projekten, von der ersten Planung, der Beratung für die Installation, die Lieferung und den Support der Systeme“, sagt Pfeifer.

Markus Osthaus, Geschäftsführer der TVN GROUP aus Hannover berichtet über Erfahrungen mit dualen HD/UHD-HDR-Liveproduktionen. TVN gehört zu den Ersten, die UHD in der Fußball-Bundesliga und der UEFA Champions League eingesetzt haben und einen eigenen Workflow für Ü-Wagen entwickelt haben, bei dem UHD- und HD-Signale mit nur einem Übertragungswagen parallel produziert werden. Hierbei wird das HD-Signal unabhängig vom UHD-Signal innerhalb des Ü-Wagens geführt und in der kompletten Signalkette nicht konvertiert, so dass die Qualität des Signals durch die UHD-Produktion nicht beeinflusst wird. Am Bildmischer Sony XVS 8000 wird hierfür der Resource-Sharing-Mode genutzt. Die langjährige Partnerschaft mit Sony hat es ermöglicht, dass viele Anforderungen aus dem Produktionsalltag in Deutschland mit in die Entwicklung der Mischer-Software eingeflossen sind. Diese duale Produktionsweise unterscheidet sich daher deutlich von den Produktionsansätzen, die ausschließlich in UHD produzieren und das HD-Sendesignal durch eine Downkonvertierung erstellen – inklusive bekannter Probleme wie Motion-Blur. Schnelle Bewegungen wirken im UHD-Modus aufgrund von Pixeldichte und -größe oft verschwommen. „Die Qualität des HD-SDR-Signals darf unter keinen Umständen beeinträchtigt werden, da dieses immer noch der am meisten verbreitete Signalstandard ist“, sagt Osthaus. Eine große Herausforderung bei der Produktion von UHD und HD ist die Vervielfachung der Signalanzahl durch die parallele Signalführung, ebenso verschiedene andere Aspekte wie entstehende Delays zwischen Audio und Video durch Up-Konvertierungen von HD-1080p-Quellen und noch nicht in UHD verfügbare Technologien wie sporttaugliche Highspeed-Kameras. Der Schlüssel zum Erfolg liegt laut Osthaus in der intensiven Beschäftigung mit der Thematik vor der ersten Produktion und dem ausgiebigen Testen der gesamten Produktionskette. Wenn man dies beherzige, müsse man vor UHD und auch HDR keine Angst haben. „Die Regisseure werden durch die duale Produktion nicht beeinträchtigt und können sich auf ihre kreative Arbeit konzentrieren“, so Osthaus. Sofern die Signalqualität durch eine Produktion in HDR noch weiter gesteigert werden soll, kommt neben der notwendigen Technologie ein zusätzlicher HDR-Operator zum Einsatz. Die Bildingenieure und Bildtechniker können hierbei wie gewohnt arbeiten und ihr Know-how einbringen, da es keinerlei Veränderungen beim Blenden gibt. Der HDR-Operator überwacht das HDR-Signal und definiert die Unterschiede der verschiedenen Parameter zwischen SDR und HDR. Zur Signalführung innerhalb des Ü-Wagens setzt TVN hierbei auf das S-Log3-Format von Sony, da hierbei im Hinblick auf die verschiedenen vom Kunden gewünschten Sendeformate die größtmögliche Flexibilität besteht. Am Ü-Wagenheck kann das S-Log3-Format praktisch ohne Qualitätsverlust in HDR-Formate wie HLG oder PQ gewandelt werden – es kann aber auch als S-Log-Signal ins Sendezentrum gehen, um dort konvertiert zu werden oder in höchstmöglicher Qualität für Postproduktion und Archiv zur Verfügung zu stehen. „UHD und HDR funktionieren“, so Osthaus. Als nächster Schritt wäre nun eine höhere Bildfrequenz wie 100 Hz wünschenswert – dies sei wichtiger als eine weitere Erhöhung der Auflösung des Sendesignals. „Auch wenn es dadurch zu einer nochmaligen Bandbreitenverdoppelung kommt“, fasst Osthaus zusammen. „Aber jetzt ist erst mal wieder Audio dran.“

Weitere Trends in der Broadcast-Szene können Sie hier nachlesen. [8608]

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