Vollformat-Exot unter der Lupe

Die MAVO LF von Kinefinity im Praxistest

Die Kinefinity MAVO LF folgt dem Trend „Large Format“ und wartet neben dem großen Sensor mit beeindruckenden 6K (3:2) auf. Bisher hat sich der chinesische Hersteller, auch mangels Supportstellen, in Deutschland nicht recht etablieren können. Mark Zdunnek hat sich in unserer Ausgabe 4/2019 der LF angenähert und nachgeschaut, ob dies der Kamera Unrecht tut.

Der erste Eindruck: Das 4K-Bild der MAVO LF wirkt sehr scharf und liefert ein organisches Bild. Der Sensor mit den Maßen 36 mm × 24 mm produziert sauberere Bilder, deckt einen sehr großen Ausschnitt aus einem 46 mm Bildkreis ab und bietet natürlich geringe Schärfentiefe. Die LF erreicht 6.016 × 4.016 „Open Gate“ native Auflösung, beim Sensorformat 3:2. Zu den wesentlichen Features der Kamera gehört, dass sie auch HFR in 6K aufzeichnet. Das geschieht im Wide-Modus bis 75 fps aktueller Firmware ab 6 fps in 1-Frame-Stufen frei justierbar sowie in 4K für Slow-Motion bis 100 fps, einerseits im Wide-Modus bei 4.096 × 1.720 andererseits bis 75 fps bei 4.096 × 2.160.

Der Dynamikumfang erreicht laut Herstellerangabe dabei mehr als 14 Blendenstufen, überschritt in unseren eigenen Tests die Leistung der Sony PXW-FS7 und war ähnlich dem Umfang der Blackmagic Design Ursa Mini Pro 4,6K. Neben den üblichen Standard-Seitenverhältnissen von 16:9 und 17:9 können im Menü auch eine Vielzahl weiterer Bildformate, wie 4:3, 6:5, S35 (für anamorphotische Aufzeichnung) und bei voller Sensornutzung in 3:2 bis zu 24 Megapixeln ausgenutzt werden. Unser erster Eindruck aus der Postproduktion ist, dass die Kamera angenehme Hauttöne liefert, sich gut mit dem Bildmaterial verschiedener anderer Kameras im Grading angleichen lässt und Schattendetails sowie Highlights bei geringem Rauschen gut in der Aufnahme erhalten bleiben und sich somit in geeigneter Weise nachbearbeiten lassen.

Bereits beim ersten Anheben der Kamera wird außerdem klar: Es handelt sich mit 990 Gramm für den Body um ein echtes Leichtgewicht unter den hochauflösenden Kino-Kameras. Zur Synchronisierung im Multikamera-Setup bietet die MAVO LF Tally, AutoSlate, Beeper, Trigger und mit KineBACK W SMPTE LTC sowie 3D/Multicam Sync als Optionen an. Der zusätzliche Handgriff Side- Grip mit Batterie-Slot GripBAT (45W, (BP-U30 kompatibel) versorgt die Kamera etwas länger als eine Stunde mit Strom.

CODEC-AUSWAHL

Mit der Kinefinity MAVO LF lassen sich verschiedene Codecs für die Aufzeichnung und geeignete Weiterverarbeitung in Color-Grading-Suiten wie Blackmagic Design DaVinci Resolve verwenden. Kinefinity verfügt über ein eigenes RAW, das KineRAW 2.0 mit Dateiendung „.krw.“ KineRAW hat ein Kompressionsverhältnis von etwa 2:1 bis 10:1. Im Vergleich dazu hat das ebenfalls von der Kamera angebotene CinemaDNG ein Verhältnis von 3:1, 5:1 oder 7:1. Beide Codecs haben eine Farbtiefe von 12 Bit. Bei unseren Aufzeichnungen haben wir auf Apple ProRes HQ4444 (12 Bit) gesetzt. Die erstellten Dateien konnten wie erwartet unkompliziert innerhalb der Adobe Creative Cloud weiterverarbeitet werden. Zur Auswahl in der Kamera stehen ProRes422HQ/422/LT/Proxy, ProRes4444 und ProRes4444XQ.

Wesentliche Unterschiede zu dem Vorgängermodell MAVO ergeben sich vor allem durch den neuen Vollformat-Sensor. Dazu zählt auch, dass es nun eine Dual Base ISO gibt. 800 ISO (unter 2.000 ISO als Base) und 5.120 ISO (ab 2.000 ISO als Base). Gleichzeitig wurde auch der Rauschabstand (SNR) verbessert. In unseren Tests waren ISO-Werte 800, 1.600, 2.560 und 3.200 angenehm in der Verwendung. 5.120 ISO dürfte auch für viele Anwendungen noch akzeptabel sein. Höhere ISO-Werte sind ebenfalls noch gut einsetzbar, wenn das Ziel ein herunterkonvertiertes Ergebnis (2K, 4K etc.) ist. Der Pixel-Abstand ist durch den etwa 50 Prozent größeren Sensor gestiegen. Die Nachteile zu kleiner und zu nah beieinander liegender Pixel sind im Verhältnis zum Vorgängermodell verbessert worden. So soll die MAVO LF im Verhältnis deutlich lichtstärker sein.

DER MOUNT

Ein auffälliger und diskussionswürdiger Punkt dieser Kamera ist der Objektivanschluss. Verbaut ist der von Kinefinity entwickelte KineMOUNT. Dieser zeichnet sich durch ein sehr kurzes Auflagemaß (flange focal distance „FFD“ oder flange back distance „FBD“) von gerade einmal 15 mm aus. Da kein hiesiger Objektivhersteller den Mount im Angebot hat, kommt man kaum ohne Adapter aus. Vielseitige Adaptierbarkeit auf alle gängigen Objektivanschlüsse ist gegeben, da dieser Anschluss kürzer ist als viele wesentliche Mounts, wie Sony E-Mount – 18 mm, Sony FZ-Mount – 19 mm, Canon EF-Mount – 44 mm, Nikon F-Mount – 46,5 mm oder ARRI PL-Mount –52mm. In unseren Tests kamen im Wesentlichen und ohne Probleme EF-Objektive verschiedener Hersteller zum Einsatz.

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