Workshop der "Vibrations-Academy"

Filmstrom in Lansing

Das fiktive Seriendorf Lansing dient seit 2007 als Kulisse für die im BR Fernsehen ausgestrahlte Vorabendserie “Dahoam is Dahoam”. Doch für drei Tage im Juni ging es in den Studios in Dachau einmal nicht um die Gefühlsschwankungen der fiktiven Gemeinde, sondern um Netzschwankungen und Potentialausgleich. Andreas Brauner war für unsere Ausgabe 11.2019 dabei. 

(Bild: Andreas Brauner)

Die Stromversorgung am Set ist ein oft vernachlässigtes Thema. Dadurch, dass wir Strom im Alltag als selbstverständlich wahrnehmen, werden die eigentlichen Gefahren, die an einem Filmset entstehen können, sehr oft unterschätzt. An diesem Punkt setzen die Workshops der “Vibrations-Academy” ein, die von dem Prüffeld-Experten Uwe Hotz angeboten werden. Um bei diesem Kurs mitmachen zu können, sollte man möglichst eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Strom mitbringen. Doch dies ist kein Muss. Denn unter den Teilnehmern befanden sich in der Vergangenheit auch schon Filmproduzenten. “Wir haben nicht gewusst, wie unglaublich viel ein Beleuchter über die Generatorentechnik und Stromnetzsicherheit wissen muss!” soll ein Produzent nach einer Schulung geäußert haben.

Maximal zehn Teilnehmer können pro Workshop teilnehmen. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass in dieser kleinen Runde niemand zu kurz kommt. “Es ist unerlässlich, dass die Teilnehmer an der echten Filmset-Installation praktische Erfahrungen sammeln können”, erläutert Uwe Hotz.

THEORETISCHE GRUNDLAGEN
Am ersten Tag des Workshops geht es zunächst einmal um die Grundlagen der Elektrotechnik. Hiervon profitieren nicht nur die Anfänger in der Branche, sondern auch die erfahreneren Kollegen sind oft dankbar dafür, die grauen Theorie wieder aufzufrischen. Doch es ist wichtig, zu Beginn die Grundlagen abzudecken. Denn nur wenige Beleuchter, die täglich Lampen aufbauen und verkabeln, besitzen eine solide elektrotechnische Ausbildung. Daher behandelt Uwe Hotz vor dem Praxisteil Basics wie das Ohmsche Gesetz, Reihenschaltung, Serienschaltung oder den Unterschied zwischen Gleichstrom und Wechselstrom. Aber auch weiterführende Themen wie die Bedienung und Einsatzbedingungen von Generatoren sowie deren Inbetriebnahme nach Unfallverhütungsvorschriften UVV und DGUV Vorschrift 3 gehören zu diesem Teil des Seminars. Das Ziel: alle Teilnehmer sollen mit demselben Wissenstand in den zweiten Tag starten können. Denn dann sehen sie sich realen Messszenarien gegenüber. Schon die Erdung, Grundstein der Stromsicherheit, ist in der Praxis eine Wissenschaft für sich. Es reicht nicht, einen Erdspieß in den Boden zu rammen und zu hoffen, dass Fehlströme irgendwie von dort abgeleitet werden. Man sollte lieber vorher testen, ob sich der Blitzableiter an einem Haus oder einer Verkehrsampel als Potenzialausgleich verwenden lässt.

Gerade der umfangreiche Praxisbezug wird von allen Teilnehmern geschätzt, denn es gibt ausreichend Zeit, um die erforderlichen Messungen der Schutzeinrichtungen oder des Erdwiderstandes einzuüben. In der Praxis sollte so eine Messung nach zehn bis fünfzehn Minuten abgeschlossen sein. Diese Zeit hält Kursleiter Uwe Hotz auch für realistisch. Produzenten müssen sich deshalb keine Sorgen machen, dass sich ihr enger Zeitplan durch die Netzprüfung verschieben könnte. Diese Messungen müssen auch nur bei Motivwechsel oder größeren Umbauten wiederholt werden. Denn laut Betriebssicherheitsverordnung, DGUV Vorschrift 3 und DIN VDE 0100 Teil 600 muss jede neu entstandene Anlage einer Erstprüfung unterzogen werden. Es reicht nicht, dass jede einzelne Komponente am Set vorher geprüft wurde, weil aus ihrer Kombination eine eigenständige neue Anlage entsteht, die eben eine separate Prüfung erfordert.

UNSICHTBARE GEFAHREN
Neben der eigenen Technik ist jede neue Location eine unberechenbare Gefahrenquelle. Denn man weiß nie, in welchem Zustand die Leitungen gerade in älteren Häusern oder Industrieanlagen sind. Grundsätzlich ist eine Prüfung sinnvoll, sobald auch nur eine einzige Lampe an eine Steckdose angeschlossen wird. Selbst aus einem simplen Stromkreis mit einer Lampe und einem Dimmer sind in der Vergangenheit schon gefährliche Situationen entstanden. Als abschreckendes Beispiel verweist Uwe Hotz auf ein Stromunfall aus dem Jahre 2013., bei dem ein Set in einem Haus aus den 1930er Jahren aufgebaut. wurde Der Strom hierfür sollte eigentlich aus einem extra gemieteten Generator kommen. Doch in der Hektik wurde schnell ein Gerät an der vorher nicht geprüften Gebäudeinstallation angeschlossen. Hätte diese Prüfung stattgefunden, wäre sofort aufgefallen, dass am Schutzleiter ein gefährliches Potenzial am Schutzleiter anlag. Der Schutzleiter soll normalerweise Fehlströme von Geräten abführen und diese so sichern. Im beschriebenen Fall sorgte dieses gelb-grüne Kabel aber dafür, dass das Gehäuse des angeschlossenen Gerätes unter Strom stand – eine Todesfalle für jeden, der es berührt. Nach diesem Vorfall wurde Uwe Hotz vom Rentalunternehmen, das die Technik für diesen Dreh gestellt hatte, damit beauftragt, die Ursache herauszufinden, um so ein Verschulden des Unternehmens auszuschließen. “Wenn nach so einem Vorfall Kripo, Gewerbeaufsichtsamt und Berufsgenossenschaft am Set auftauchen, herrscht eine beängstigende Stille. Inzwischen ist die Produktionsfirma, die für diesen Unfall in Verantwortung stand, ein guter Kunden von mir”, erklärt Uwe Hotz.

Zur generellen Absicherung des Sets empfiehlt er Mobile RCMA & RCD Typ-B Module mit Schutzschaltern von Doepke und Bender. Für größere Anwendungen gibt es Multiverteiler mit selektiver Echtzeitüberwachung. Beim Prüfen der Technik verwendet er das Multifunktionsmessgerät MI 3152 von Metrel.

Am letzten Tag des Workshops haben alle eine Menge an Wissen und Praxis erworben. Zum Abschluss gibt es einen Test, in dem man prüfen kann, was alles hängengeblieben ist. Eine Weiterbildung in Sachen Sicherheit ist immer eine gute Anlage – auch in die eigene Brainpower. [10669]

Sie möchten mehr erfahren? Ein Interview mit Kursleiter Uwe Hotz finden Sie hier!

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