Kinefinity MAVO LF im Test

Hands-On bei der Kinefinity MAVO  LF

In unserer Ausgabe 4/2019 nahm Mark Zdunnek die Kinefinity MAVO  LF unter die Lupe. Im ersten Teil seines Tests schaute er auf die technischen Parameter, die Codecs und den proprietären Mount des Vollformat-Exoten aus China. Nun geht es um handfeste Praxis: Speichermedien, Ergonomie und Handhabung.

MEDIEN / DATENTRÄGER

Bereits ohne Extras und modulare Zusatzgeräte kann sofort mit der Aufzeichnung auf SSDs begonnen werden. Im Test waren bei uns sowohl eine mitgelieferte, aber nicht von Kinefinity zertifizierte Samsung, als auch SSDs von SanDisk, Crucial und Transcend im Einsatz. Wichtig ist: SSDs bis 7 mm Höhe sind einsetzbar. Relay- oder Simul-Recording sind innerhalb des Kameragehäuses nicht möglich, da nur ein SSD-Slot verbaut wurde. Wird jedoch der KineBACK-W als optionales Zusatzmodul verwendet, kann mittels 2× 3G-SDI-Anschlüssen das Signal zusätzlich extern auf Monitoren angezeigt werden und mit Recordern in geringerer Auflösung (und limitierter Framerate) aufgezeichnet werden. Ein Backup oder eine zweite Aufzeichnungsmöglichkeit in voller Qualität sind somit aktuell nicht möglich.

Über die sozialen Medien wurde ich schon mehrfach gefragt, wie viele Abstürze und technische Fehler wir beim Einsatz und Aufzeichnung mit der Kamera erlebt hätten. Obwohl wir viele Stunden Material aufgezeichnet und über lange Standby-Zeiten hinweg die Kamera zusätzlich an diversen Tagen im Einsatz hatten, dies mitunter auch in einer sehr staubigen und zeitweilig heißen Umgebung, und immer wieder auch viel im Menü eingestellt und frei ausprobiert haben, hatten wir nur einmal ein nicht reproduzierbares Problem. Auf eine SSD von SanDisk konnte nach dem Wiedereinschalten der Kamera plötzlich mit angezeigter Fehlermeldung nicht mehr aufgezeichnet werden. Wir tauschten die SSD und das Problem war sofort behoben. Alle Daten waren vollständig auf der zuvor verwendeten SSD vorhanden, kein Datenverlust entstanden und der Fehler trat nie wieder auf.

Ähnliche Fehler hatten wir auch schon bei Kameras anderer Hersteller, wie zum Beispiel auch mit der URSA Mini Pro, die nach einem Formatierungsversuch einer SSD, bei dem der Prozess nicht aufhörte, diese nicht mehr erkannte und auch nicht mehr aufzeichnen wollte. Da es in unseren Tests bei einem Einzelereignis auf einer nicht-zertifizierten SSD blieb, können wir keine weiterführenden negativen Rückschlüsse ziehen. Für mehr Sicherheit empfiehlt der Hersteller auf zertifizierte SSDs von KineMAG+ zu setzen. Der SSD-Workflow gestaltete sich insgesamt als sehr schnell und im Offload oder bei direktem Einbau in einen Server als sehr angenehm und vor allem bei nicht-proprietären SSDs sehr günstig. Drop-Frames oder andere technische Fehler und Aussetzer der Files hatten wir keine.

ERGONOMIE

Das Kamera-System der Kinefinity MAVO LF ist als modulares leichtgewichtiges Kino-Kamerasystem konzipiert. Die Würfelform und eckige Konstruktion erinnert am ehesten noch an RED-Kameras und ist auf wenige Steuerknöpfe und mit SideGrip auf ein wesentliches Steuerrad ausgelegt. Sicherlich ist das Bedienungssystem ein anderes, als das der gängigen Hersteller, aber es ist intuitiv und daher schnell im Einsatz erlernt.

Ein großer Vorteil der modularen Aufbauform ist, dass die MAVO LF sogar auf leichtgewichtigen Gimbals zum Einsatz kommen kann. In unserem Fall kam sie für viele Aufnahmen – ohne dabei den Motor überzubelasten – auf einem Zhiyun Crane 2 zum Einsatz. Dafür haben wir die Kamera deutlich um Module wie zum Beispiel den Handgriff reduziert, den Monitor über das Video-Kabel mit einem Magic-Arm an einer Zusatzstange des Gimbals befestigt und konnten so die Kamera gut austarieren und auch im schnellen und dynamischen Einsatz sehr frei bewegen.

KAMERABEDIENUNG

In unseren Tests sind uns vor allem eine gute Fokussierhilfe, eine passable Belichtungsfunktion, zusätzliche Steuermöglichkeiten über den Side-Grip (optionales Zubehör) und eine gute Schwarz-Weiß-Anzeige für akkurate Schärfeeinstellung inklusive farbigem Peaking positiv aufgefallen. Als Filmemacher haben wir heutzutage sehr viele Anforderungen an die Technik. Daher wünschen wir uns für zukünftige Kinefinity-Modelle, dass mehr Funktionen, die aktuell nur im Menü zugänglich sind, auf Tasten nach außen an die Kamera verlegt werden. Ein weiterer Wunsch ist, dass die Empfindlichkeit der Clickwheels, die Steuersymbole und Logik noch mehr an bekannte Standards angepasst werden könnten. Besonders ist hier die zu hohe Empfindlichkeit des Side-Grip-Rades aufgefallen. Ebenfalls wünschenswert wäre eine Touchscreen-Steuerung entscheidender Kamerafunktionen über den Monitor, welche die Bedienungsoptionen erhöhen und die Geschwindigkeit der Auswahl erleichtern würde.

FAZIT

Die Kinefinity MAVO LF ist vermutlich am interessantesten für Independent-Produktionen und kleine, flexible Teams. Professionelle Produktionen, in denen einerseits ausreichend Zeit für die Einstellung zur Verfügung steht und andererseits nicht allerhöchste Ausfallsicherheit verlangt wird, könnten im zweiten Ring für die Anwendung geeignet sein. Hier muss der Aspekt einbezogen werden, dass gängige Workflows keine vorrangigen Faktoren sind oder KineRAW nicht zum Einsatz kommt und stattdessen auf ProRes gesetzt wird. Die Kamera ist kompakt und leicht und damit für reduzierte Kamerasetups mit Gimbals und Drohnen geeignet. Sie kann dank ihrer hohen Bildauflösung und Bildschärfe auch gezielt für Visual Effects Shots eingesetzt werden, wo von der hohen Auflösung sowie der freien Auswahl an verfügbaren Seitenverhältnissen besonders profitiert werden kann. Wir schätzen die Gesamt-Bildqualität subjektiv als sehr hoch ein.

Wo 6K für 4K verwendet werden und ein Budget für eine geeignete Sony VENICE oder RED schlichtweg nicht zur Verfügung steht, wäre es eine Option, die Kinefinity MAVO LF einmal in die nähere Auswahl zu bringen. Der Service von und Kontakt zur europäischen Vertretung in Berlin ist als äußerst angenehm und positiv hervorzuheben und wir empfehlen, sich die Kamera vor einem möglichen Dreh ausführlich anzuschauen, Tests zu drehen und sich an Bildanzeige und Steuerung anzunähern, um das bestmögliche Ergebnis aus den ersten Produktionen herauszuholen. Wir mussten auf kein gedrehtes Material in der Post-Produktion verzichten und konnten mit der MAVO LF mit einiger Übung hochwertige Bildergebnisse erzielen.

Mehr zu den technischen Spezifikationen können Sie noch hier nachlesen.

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