Was kann die Blackmagic Design Pocket Cinema Camera 4K?

Die Balance finden

Die Pocket Cinema Camera 4K von Blackmagic Design ist locker eine der am meisten erwarteten Handheldkamera des Jahres 2018 gewesen. Mark Zdunnek hat sie im Heft 1-2/2019 für uns getestet und die Vor- und Nachteile zusammengestellt.

Die Blackmagic Design Pocket Cinema Camera 4K besticht zunächst einmal durch einen Micro-Four-Thirds (MFT) 4K Sensor (18.96 mm × 10 mm effektive Sensorgröße), ähnlich dem der Panasonic GH5S, liefert bis 60 fps Bilder in DCI 4K und kann in Full-HD 120 fps im „Sensor Crop Modus“ erreichen. Der vom Hersteller angegebene Dynamikumfang beträgt 13 Blenden. Etwas rigorosere Messungen der Kollegen von cinema5D.com haben einen nachgewiesenen Dynamikumfang von 11,6 Blenden ergeben. Der mit 12 Bit Farbtiefe ausgestattete Kamera-Sensor verfügt über eine sogenannte Dual Native ISO, welche klare Bilder bei geringstem Rauschen liefern soll, und das nativ bei ISO 400 für ausreichendes oder kontrollierbares Licht, oder ebenfalls nativ bei ISO 3.200 für Lowlight-Situationen. Je nach Anforderungen, eigenen Erwartungen und angestrebtem Ergebnis ist ein höherer ISO-Wert in Ausnahmefällen oder dokumentarischen Notsituationen bis ISO 6.400 – dann sicherlich mit Einschränkungen in der Bildqualität und einem größeren Aufwand in der Post-Pro- duktion – nutzbar. Persönlich bevorzugen wir allerdings die Nutzung der nativen ISO-Werte und versuchen dies wann immer möglich zu realisieren.

Die Kamera verfügt über eine große Auswahl an Aufzeichnungscodecs wie zum Beispiel Apple ProRes (HQ/ 422 / LT/ Proxy) und CinemaDNG RAW (lossless / 3:1/ 4:1) in den üblichen PAL/NTSC Framerate-Stufen von 23.98 bis 60 fps, sowohl bei HD-, UHD- und DCI-4K-Auflösungen, die sich sehr gut in unsere üblichen Workflows einbauen lassen.

ERSTER EINDRUCK

Die Kamera fühlt sich mit einem Gewicht von nur 721 Gramm und einem handelsüblichen MFT-Objektiv von wenigen hundert Gramm extrem leicht, versatil einsetzbar und handlich an. Sie ist aus einer Kombination aus Polycarbonat und Kohlefaserverbund-Material hergestellt und insgesamt trotz dem augenfällig sehr großen 5-Zoll- Display (1.920 × 1.080 native Pixel) sicher gut als kompakte Videokamera einzustufen. Ergonomisch ist eine sehr gelungene Handausformung hervorzuheben und da die Kamera wesentlich leichter ist als Alternativprodukte ähnlicher Größe, treten Ermüdungserscheinungen erst deutlich später auf. Für ein professionelles Handling empfiehlt sich ein dennoch über kurz oder lang ein Cage oder Rig.

Links und rechts vom Sensor an der Vorderseite ist das Stereo-Mikrofonpaar verbaut. Wie alle im Korpus verbauten Mikrofone taugt es für Primärton, denn jede Berührung am Gerät während der Aufnahme findet sich auf der Tonspur wieder.

Es ist offensichtlich, dass die Kamera außer dem beeindruckend klaren, hellen LCD-Touchscreen über keinen extra Viewfinder und alle zugehörigen Vorteile verfügt. Natürlich reflektiert beziehungsweise glänzt das Display im Sonnenlicht, ist aber dank intensiver Strahlkraft auch dann noch erkennbar. Die Kamera verfügt über eine in der Preis- und Typenklasse quasi einzigartige False-Color-Funktion und ein in drei Stufen wählbares und frei konfigurierbares S-W/Color Peaking. Gerade für szenisches Arbeiten ist False Color eine echte Bereicherung für kreatives Einleuchten und optimale Einstellung der Belichtung. Das Peaking ist für korrekte Schärfeinstellung ebenfalls wichtig, da die Kamera auch keinen kontinuierlichen Autofokus bietet, sondern nur einen One-Click-Autofokus. Ein Nachteil ist, dass das Display nicht gedreht oder gekippt werden kann und somit bei einem schrägen Betrachtungswinkel bestenfalls noch für halbwegs zielgerichtetes Einrichten des Bildes genutzt werden kann.

Das Tasten-Design ist aufgeräumt und strukturiert. Die große Taste, die üblicherweise bei anderen Kameras für Fotos reserviert ist, startet und stoppt die Videoaufnahme, während die signifikant kleinere Taste außen daneben der Aufnahme von Standbildern dient. Die Materialbeschaffenheit, die physische Qualität der Außenhülle und der wesentlichen Knöpfe sowie die mitunter eher einfacheren, beziehungsweise auch hakeligen Plastiktasten und Cardslots können nicht mit den hochwertiger verarbeiteten Kameras wie der Leica SL, Canon EOS R, Sony Alpha Serie oder Panasonic GH5S mithalten. Dies ist aber mit dem von Blackmagic Design von Anfang an angepeilten Preis erklärbar.

Wie auch die Außensteuerung am Gerät, so ist auch das Menüsystem – wie bei Blackmagic Design gewohnt – außerordentlich übersichtlich und intuitiv aufgebaut. Bereits ab der ersten Nutzung steigen auch Blackmagic-Erstbenutzer durch. Unklarheiten oder störende Aspekte der Bedienung (außer der unten geschilderten Playback-Irritation) sind uns dabei bisher nicht aufgefallen. Einfache Gesten auf dem Display wie das „Nach-oben/unten-Streichen“, um die Displaybeschreibung ein-/auszublenden sowie alle sonstigen Funktionen (Speicherkartenslot, Shutter, Framerate, Blende …) sind unkompliziert sofort frei einstellbar.

STROMVERSORGUNG & TEMPERATUR

Die Pocket 4K nutzt die bekannten (Canon) LPE 6 Standard-Akkus, was einerseits angenehm ist, weil dieser etabliert und weit verbreitet ist, andererseits Kapazitätsgrenzen mit sich bringt. In unseren Tests konnte man etwa 30 bis 40 Minuten mit einer Akkuladung arbeiten. Die vom Hersteller versprochene Daueraufnahmezeit von 60 Minuten 4K RAW haben wir nicht erzielen können. Größte Vorsicht ist außerdem geboten, sobald man etwa 20 Prozent Restladung erreicht, denn die Kamera schaltet sich (bei aktueller Firmware zum Testzeitpunkt Anfang Dezember 2018) ab diesem Punkt ohne Warnhinweis plötzlich ab, wobei die aktuell laufende Aufnahme verloren geht! Wir haben große Hoffnung an den Hersteller, dass diese Einschränkung in Kürze mit einem Firmware-Update behoben wird.

Anders als erhofft lässt sich die Kamera über die USB- Schnittstelle nur ausgeschaltet laden. Dauerbetrieb oder Verhinderung der plötzlichen Ausschaltung lassen sich leider über eine angeschlossene Powerbank oder eine andere USB-Dauerstromversorgung mit diesem Anschluss nicht realisieren. Hierfür steht allerdings ein 12/20V 2- Pin-Lemo DC-Stromanschluss (30-W-Netzteil) zur Verfügung und eine optionale Verbindung auf D-Tap zu einem zum Beispiel im Rig aufgehängten V-Mount-Akku ist eine gute portable Lösungsmöglichkeit. Das Unternehmen stellt mit dem „Blackmagic Pocket Camera DC Cable Pack“ für eher geringe Kosten entsprechende Adaptierungslösungen zur Verfügung.

Bei unseren ersten Begegnungen mit der Kamera auf der NAB Show und IBC 2018 war hinsichtlich der Temperatur und Kühlungszirkulation immer wieder eine größere Hitze des Luftauslasses unter dem Sensor an der unteren Kameraseite aufgefallen. Die Positionierung des Luftauslasses führt im Handheld-Einsatz zu einer ungünstigen Verdeckung eben dieser Lüftungsschlitze. Bei dem finalen Produkt konnten wir nur noch eine leichte Wärme feststellen, was aber auch bei wiederkehrender Verdeckung keine Auswirkungen auf den Betrieb hatte. Dass der Auslass weiterhin für Führung aus der Hand unvorteilhaft ist, ist logisch.

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Lesen Sie morgen den zweiten Teil unseres Tests der Blackmagic Design Pocket Cinema Camera 4K!

 

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Irgendwie finde ich es nicht mehr lustig. Da wird seid Monaten ein Hype um diese Kamera gemacht. Und von Monat zu Monat verschiebt sich der Termin, wann sie auf den Markt kommt. Irgendwie habe ich schon keine Lust mehr, mir diese Kamera zuzulegen, wenn sie dann da ist.

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