“Serenade für Fanny”: Dokumentarfilm mit Frauenpower

Der Dokumentarfilm “Serenade für Fanny” zeigt die Beziehung zwischen einer Jungen Frau und Ihrer Großmutter. Für das Projekt war reichlich Frauenpower vorhanden. Wir sprachen für die Ausgabe 4/2018 mit DoP Monika Plura und Regisseurin Monique Marmodée über die Dreharbeiten. 

"Serenade für Fanny" ist eine Liebeserklärung an die Beziehung zwischen Enkelin und Großmutter.
“Serenade für Fanny” ist eine Liebeserklärung an die Beziehung zwischen Enkelin und Großmutter. (Bild: Monika Plura)

GASTFREUNDLICHKEIT

Den ersten Tag nutzten die Filmemacherinnen dazu, dass Fanny sie ohne Kamera kennen lernen konnte. Erst am zweiten Tag packte Monika Plura die Kamera aus, damit sich die Protagonistin auch an das Werkzeug gewöhnen konnte. Für Alexandra Staib hieß es, sich als Filmschaffende erstmals in die ungewohnte Rolle der Protagonistin eines Dokumentarfilms zu begeben, und den beiden Freundinnen zu vertrauen, was nach Startschwierigkeiten auch gelang.

An diesen Tagen zeigte sich schon eine der bestimmenden Herausforderungen für die kommenden Drehblöcke: Die überschwängliche Gastfreundschaft von Fanny! Ein Dokumentarteam will in den Hintergrund treten. “Es war aber beim Drehen nicht so einfach, dass die Omi uns ausblendet. Für sie waren wir Besucher und Gäste.” Und die werden in Fannys Reich mit Kaffee und Kuchen versorgt und bekocht.

Darauf stellten sich die Filmemacherinnen ein. Ein Drehtag lief so ab, dass Monika Plura morgens zuallererst die Technik aufbaute, während Monique Marmodée mit Fanny redete. Beide waren das alleinige Drehteam und kamen auch während der Drehzeit ein paar Häuser weiter bei Fannys Tochter unter. An Fannys Tagesablauf orientierte sich auch das Filmteam, um Motive vorauszuahnen und dort Technik aufbauen zu können. Ein häufiges Motiv war ihre Nähstube im Keller. Hier entstand auch eine im Film häufiger genutzte Zweieraufnahme vom ersten Recherchtetag, in der Alexandra Staib und ihre Oma in Erinnerungen schwelgen.

“Fanny wollte immer das Licht anschalten. Doch ich wollte die Szene nicht mit Mischlicht erzählen. Da mussten wir erstmal erklären, dass es nicht zu dunkel ist, und gut aussieht”, erklärt DoP Plura. Viel Beleuchtung konnte  die Kamerafrau nicht aufbauen. Auf der Kamera hatte sie ein Augenlicht, ein kleines Aladdinlight, anfangs waren auch noch Kino Flos dabei, das wurde aber weniger.

Als Hauptdarstellerin sollte sie genau das nicht tun: Die Klappe halten
Als Hauptdarstellerin sollte sie genau das nicht tun: Die Klappe halten (Bild: Monika Plura)

“Ich habe dann versucht, das immer ein bisschen zu verändern, damit man sich nicht zu sehr an einer Lichtstimmung statt sieht”, erinnert sich Plura. “Mal sitzen sie bei Tageslicht, mal ist das Licht an, dann habe ich mal ein paar Birnen abgeklebt.” Außenaufnahmen wurden gar nicht extra geleuchtet.

KAMERA GLEICH KAMERA

Dabei kam Plura in technischer Hinsicht trotz der einfachen Ausstattung die harte Schule der Ausbildung zugute. “Ich arbeite ja immer noch mit Belichtungsmesser! Hier hatte ich ihn nur am Anfang dabei, um zu schauen: Wie hell ist dieses Zimmer in der Stimmung?”, erklärt die Kamerafrau. “Das ist ein greifbares Ding, du weißt, du hast jetzt diese Blende und kannst sofort loslegen.” Sie arbeitete überwiegend mit gleichbleibender ISO und gab eher Licht dazu, durchs Öffnen eines Rollladens oder einer Zusatzleuchte oder arbeitete mit Schraub-ND-Filtern.

“Für mich ist in dieser Hinsicht Kamera gleich Kamera, ob ALEXA Mini oder 5D. Der gestalterische Umgang ist der gleiche!” Regisseurin Marmodée machte vor Ort den Ton. Fanny selbst war zwar verkabelt, dennoch angelte das Team noch mal den Ton. Ein wichtiger Faktor vor Ort war noch der Vater von Alexandra Staib. Dieser erwies sich als Helfer in vielen Situationen, so als Fahrer des Autos in der Joggingszene, als unverzichtbar.

Die Filmemacherinnen versuchten nun, mit dem Material über die bei Dokumentarfilmen übliche “Materialsicherung” eine Förderung für die ausstehenden Drehblöcke zu finden. “Das ist der Weg, den man gehen kann, wenn man an bestimmte Ereignisse gebunden ist und einfach drehen muss”, erläutert Marmodée. Doch die Förderinstitutionen erteilten eine Absage nach der anderen. Es war bereits zuviel gedreht worden. “Wir wollten ja keine 200.000 Euro. Schon 10.000 oder 20.000 Euro hätten uns manches leichter gemacht.”

Alles dabei, alles aufgeladen? Das Equipment beim Packen.
Alles dabei, alles aufgeladen? Das Equipment beim Packen. (Bild: Monika Plura)

So floss viel Eigenkapital der drei Macherinnen in das Projekt. Auch unterstützten viele Firmen, wie CinePostproduction in Berlin. Hier schnitt das Team den Trailer zur Finanzierung und musste dafür gerade mal die Kaffeemaschine bezahlen. Zudem sprangen vor allem lokale Firmen ein, wie die Volksbank Fellbach und das Kulturamt des Ortes. Auch Technikverleiher unterstützten oder Kollegen, die ihren Tonrekorder ausliehen.

Leider war durch die fehlende Finanzierung kein direkter Bericht von der Verleihung der Studentenoscars möglich, bei der Alexandra Staib tatsächlich das von ihrer Oma geschneiderte Kleid trug.

Insgesamt gab es sechs Drehblöcke, verteilt über ein Jahr, jeder etwa fünf Tage lang, insgesamt 30 Drehtage. “Das waren schon lange Tage”, erzählt Monika Plura. “Zwölf Stunden Minimum, eher 14 bis 16. Es könnte ja noch was passieren. Und dann noch jeden Abend alle Akkus laden und das Material überspielen – was echt eine Menge war.”

Zu Anfang begann Plura auf RAW zu drehen. Davon kam sie jedoch schnell ab, da die Datenmengen so immens waren, dass es nicht mehr handhabbar war. Also griff sie auf den intenen H264-Codec der 5D zurück und drehte mit CineStyle-Farbraum so flach wie möglich. Auch so kamen immerhin 90 Stunden Material für den Schnitt zusammen.

MFG FÖRDERT POSTPRODUKTION

Dieser fand aufgrund der mittlerweile erwirkten Postproduktionsförderung in Stuttgart statt. Hinzu kamen Super-8-Aufnahmen aus dem Archiv von Fanny, die ihr Ehemann gemacht hatte. Und rund 100 VHS-Kassetten der Familie Staib, auf denen Alexandra und Fanny auch gemeinsam zu sehen waren.

Im Film spielt zudem noch eine wichtige Archivgattung eine Rolle: alte Fernsehwerbung, in der beispielsweise die Anforderungen an Hausfrauen in den 1950er Jahren wiedergegeben werden. “Ich finde das sehr spannend”, beschreibt Regisseurin Marmodée die Wirkung. “Die setzt noch mal einen anderen Fokus, bringt zum Lachen, zeigt dabei aber auch die Lebenswelt, in der Fanny gelebt hat.”

Editor Daniel Kundrat hatte eine Menge Stoff zur Verarbeitung während des Schnitts von Dezember 2016 bis Mai 2017. Kamerafrau Monika Plura erinnert sich an ihren ersten Blick auf den Rohschnitt: “Ich habe mich gefreut, dass er meine Aufnahmen richtig interpretiert hat. Wenn man etwas dreht, hat man ja eine Idee davon, wie man das fortführen und schneiden würde.”

Eine der größten Herausforderungen des Drehs war aber der Kampf um ein bisschen Footage. Wenn Fanny großer Helene-Fischer-Fan ist, muss diese auch im Film auftauchen. Dafür ist Archivmaterial vonnöten. Die ARD stellt gegen eine Gebühr Material ihrer Sendungen zur Verfügung. Doch die Persönlichkeitsrechte der darin abgebildeten Personen müssen gesondert eingeholt werden. Gefühlt klopfte Monique Marmodée mit ihrer Produzentin wöchentlich beim Fischer-Management an. Freundliche  Absagen von Büromitarbeitern waren die Regel. Erst über einen alten Kontakt von der Illustrierten Stern kam das Team an den Manager Uwe Kanthak heran.

Schließlich hieß es: “Ganz toller Film!” So waren die vier, fünf kurzen Szenen, die aktuell im Film sind, abgesegnet. Anfangs war es noch darum gegangen, ob Helene Fischer vielleicht tatsächlich zu einem Treffen bereit ist. Das war schon früh abgebügelt worden. Sie wolle nicht einen Fan dem anderen vorziehen. Immerhin waren so die Bildrechte auf der sicheren Seite. Dennoch, für eine der Volksmusikszenen im Film musste für einen unscharfen Moment im Hintergrund eine vierstellige Summe bezahlt werden. Und das war schon der gedrückte Preis.

Jetzt geht der Dokumentarfilm auf Festivaltour. Vielleicht bringt ihn am Ende sogar ein Verleih ins Kino. Das wäre Marmodées Wunsch, denn “Wir wollen, dass den Film viele Menschen sehen.”

Teil eins des Drehberichts finden Sie hier.

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