Dreharbeiten mit der Canon EOS C200 in Zentralafrika

Wer einen Camcorder in der harten Praxis erproben will, kann kaum auf unerbittlichere Bedingungen stoßen als in der obendrein politisch äußerst instabilen Zentralafrikanischen Republik. Uwe Agnes und Bernd Siering erzählen in der Ausgabe 4/2018, wie sie die Canon EOS C200 bei Staub und Hitze in der Hauptstadt Bangui einsetzten.

DoP Bernd Siering setzte die Canon EOS C200 bei Dreharbeiten in der Zentralafrikanischen Republik ein.
DoP Bernd Siering setzte die Canon EOS C200 bei Dreharbeiten in der Zentralafrikanischen Republik ein. (Bild: Uwe Agnes)

Hin und wieder geschehen auch in der Filmbranche noch Dinge, bei denen zwar die Bezeichnung “Wunder” vielleicht ein wenig hoch gegriffen ist, wo aber ein vielleicht etwas holpriger Start mit einem unterfinanzierten Projekt am Ende doch noch zu einer vernünftig kalkulierten Dokumentarfilm-Produktion gerät.

Im konkreten Fall entstand so aus einem kurzfristigen Einsatz im Ein-Mann-Team als “Videograf” in der Zentralafrikanischen Republik über den Umweg der dort vorgenommenen “Materialsicherung” und einer gewonnenen Ausschreibung ein Auftrag für eine Dokumentation über ein Entwicklungsprojekt in der Hauptstadt Bangui. Der filmisch zu begleitende Aufbau einer Fußballschule, die im Wesentlichen der Aussöhnung verfeindeter Bevölkerungsgruppen dienen soll, wird mindestens drei Jahre in Anspruch nehmen, und es sind für diesen Zeitraum mindestens drei Drehmissionen nach Bangui angesetzt.

Im Gegensatz zu seinem ersten Einsatz in der Zentralafrikanischen Republik vor etwas mehr als einem Jahr muss Kameramann Bernd Siering dieses Mal Equipment und Verantwortung nicht alleine tragen, denn wir sind zum Glück wieder im Zwei-Mann-Team unterwegs.

Das ermöglicht uns, im Vergleich zur ersten Reise eine weniger abgespeckte und deutlich hochwertigere Ausrüstung mitzunehmen. In unserem Handgepäck haben wir nämlich die Canon EOS C200 mit Handgriff und Suchermonitor sowie die Canon-Zoom-Optiken CN-E18-80 mm T4.4 und CN-E70-200 mm T4.4.

Für unseren potenziell wertvollsten Schatz, nämlich die Aufnahmedaten, gibt es einige SD-Karten und je eine Sandisk CFast-2.0-Speicherkarte mit 128 beziehungsweise 256 GB. Für die redundante Datensicherung während des Drehs und beim Schnitt setzen wir externe Festplatten von G-Technology ein, nämlich zwei G-Drive mobile SSD R-Series mit 500 MB und zwei G-Drive mobile USB-C mit 1 TB Speicherplatz.

Ansonsten ist nicht viel dabei: ein LED-Batterielicht, das wir niemals verwenden und nur der Vollständigkeit halber mit uns führen, unser Leicht-Stativ von Manfrotto, das allerdings die meiste Drehzeit im Köcher verbringt, sowie für den Havarie- und Ausnahmefall zwei private iPhones unterschiedlicher Baureihen.

FORMATFRAGEN

Die Canon EOS C200 verfügt über den gleichen S35-Sensor mit neun Megapixeln wie die deutlich größere C700 und ermöglicht eine Vielzahl an Aufnahmeformaten – am obersten Ende der Skala 4K UHD mit 60 Frames pro Sekunde, das sich auch als RAW-Signal aufzeichnen lässt. Dabei verwendet die C200 einen neu entwickelten Codec, den Canon als “Cinema RAW light” bezeichnet. Die Datenrate liegt hier um 1 GB pro Sekunde und damit um etwa 20 Prozent niedriger als beim Canon-RAW-Codec in der C700.

Kameramann Bernd Siering mit der Canon EOS C200 beim Dreh aus der Hand
Kameramann Bernd Siering mit der Canon EOS C200 beim Dreh aus der Hand (Bild: Uwe Agnes)

Allerdings erscheint uns selbst dieser schon deutlich gebremste Datenhunger noch etwas zu extravagant für das geplante Endprodukt, denn in unserem Produktionsvertrag ist lediglich HD als Abgabeformat spezifiziert. Also zeichnen wir in 1080/50p auf, wobei die Signale auf den SD-Karten landen. Dabei fällt uns auf, dass die Kamera durchaus Anstrengungen unternimmt, den Benutzer zur  Sorgfalt zu erziehen, denn die Karten werden vom System erst dann erkannt, wenn man, so wie es sich gehört, die Abdeckung der Slots ordentlich geschlossen hat.

Den CFast-2.0-Schacht werden wir bei einigen ausgewählten Motiven brauchen, die wir, hauptsächlich aus Neugier und um den Workflow in der Postproduktion zu erproben, in 4K-RAW drehen wollen. Dabei haben wir dann die Möglichkeit, parallel auf SD und Cfast-2.0 aufzuzeichnen: auf CFast landet dann das RAW-Signal, während für die SD-Karten eine 2K-Aufnahme generiert wird und die Dateien im H.264-Codec mit 35 Mbps und einem Farbsampling von 4:2:0 geschrieben werden.

Mit diesen deutlich platzsparenden Proxy-Dateien kann man dann in den Schnitt gehen und erst später im Projekt auf 4K umsteigen. Allerdings taugen die parallel zu RAW aufgezeichneten Dateien auch nicht für wesentlich mehr als ein Dasein als Proxy, denn im Vergleich zu 2K-Material, das auf herkömmlichen Weg ohne gleichzeitige RAWAufnahme entsteht (und bei denen derselbe Codec mit 35 Mbps zum Einsatz kommt), ist schon bei ersten Vergleichsaufnahmen im abendlich schummrigen Hotelzimmer eine höhere Kompression und ein damit verbundener Qualitätsabfall deutlich sichtbar.

Hier deutet einiges darauf hin, dass die C200 eher für hochwertige Anwendungen wie Digital Cinematography konzipiert wurde. Geahnt haben wir es bereits, als wir an der Außenseite des quaderförmigen Gehäuses in Höhe der Bildebene einen Haken für Maßbänder entdeckten. Ein weiteres Indiz ist jedoch, dass Nicht-RAW-Aufnahmen, einerlei ob 4K oder 2K, lediglich H.264- komprimiert mit der schon erwähnten 4:2:0-Farbauflösung zu realisieren sind, was verglichen mit den Möglichkeiten von RAWMaterial ein wenig lieb- und lustlos wirkt. Nur über den SDI-Ausgang besteht die Möglichkeit, das Bildsignal in besserer Qualität auszulesen, aber solch ein Setup lässt sich im Reportage-Einsatz eher selten realisieren.

Den Zweiten Teil des Berichts finden Sie hier

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