Die weibliche Perspektive

DoP Monika Plura drehte Doku “Serenade für Fanny”

Eine Frauencrew tut sich zusammen, um eine Geschichte über die Beziehung zweier Frauen zu drehen – einer Oma und ihrer Enkelin. DoP Monika Plura setzt den Dokumentarfilm “Serenade für Fanny” unter der Regie von Monique Marmodée in Bilder um. Uns erzählten die beiden für die Ausgabe 4/2018, wie die Produktion war. Hier der Erste Teil des Berichts.

Ausschnitt aus dem Film "Serenade für Fanny".
Ausschnitt aus dem Film “Serenade für Fanny”. (Bild: Monika Plura)

 

Im Spätsommerlicht stehen zwei Liegestühle in dem kleinen, liebevoll gepflegten Garten. Auf ihnen liegen zwei Frauen, die in den Himmel schauen und über Wolken sinnieren. Dabei halten sie einander an den Händen, wie zwei Schwestern. Doch Fanny, die rechte, ist über 90 Jahre alt, ihre Enkelin Alexandra, keine 30. So beginnt der Dokumentarfilm “Serenade für Fanny”, der die beiden unterschiedlichen Frauen porträtiert und zeigt, was die beiden Generationen verbindet und was heute ganz anders ist, als noch zu Fannys Zeiten.

Das verbindende Element ist schon früh im Hintergrund zu hören, aus dem Radio: Helene Fischer. Wie gern würde Fanny ihre Lieblingssängerin mal persönlich treffen. Ihre Enkelin Alexandra möchte das möglich machen. Alexandra hingegen möchte mal eines der von ihrer Oma geschneiderten Kleider auf dem roten Teppich tragen. Werden beide Wünsche in Erfüllung gehen? Oder ist das am Ende gar nicht so wichtig?

FRAUENPOWER

Oft liegen die Filmstoffe vor der Haustür. Passieren in der Nachbarschaft. Oder sie sitzen neben uns im Hörsaal. Genau das war der Fall für Monique Marmodée. Die Journalistin kam 2012 an die Hamburg Media School, um Produktion zu studieren. Hier lernte sie Alexandra Staib kennen, die wie Marmodée auch für Produktion eingeschrieben war.

Staib erzählte schon früh von ihrer Oma Fanny, über schräge Erlebnisse und ihr enges Verhältnis. Kurz nach dem Studienabschluss im Jahr 2015 saßen Staib und Marmodée in einem Hamburger Beachclub und berieten sich, welches Projekt sie als nächstes machen wollten. Der Dokumentarfilm über Fanny lag in der Luft. Für beide war es keine Frage, dass sie Kamerafrau Monika Plura hinzu ziehen wollten.

Plura hatte im gleichen Jahrgang Kamera studiert. Zusammen mit ihrer Schwester, Regisseurin Martina Plura, hatte sie ihren Debütfilm “Vorstadtrocker” (Film & TV Kameramann 1-2/2016) abgeschlossen. Sie stieß noch im Beachclub dazu – und die Planung begann.

“Dieses Thema hat uns alle mitgerissen”, sagt Monique Marmodée. “Einerseits diese Verbindung zwischen Oma und Enkelin, mit der sich irgendwie jeder identifizieren kann. Und dann diese Frauenpower, die Fanny hat, die Alex hat und die wir dann auch als Team hatten.”

Nur Colorgrader, Editor und Tonmischer waren männlich, später stieß noch als Produzentin Frauke Kolbmüller mit ihrer passenderweise Oma Inge Film genannten Firma hinzu. Anfangs war es noch ein Film über die Oma, die Helene-Fischer-Fan ist, schnell kam der generationsübergreifende Aspekt hinein.

Das Team des Joggingdrehs: Rainhard Staib, DoP Monika Plura, Regisseurin Monique Marmodée und Protagonistin Fanny Salland
Das Team des Joggingdrehs: Rainhard Staib, DoP Monika Plura, Regisseurin Monique Marmodée und Protagonistin Fanny Salland (Bild: Alexandra Staib)

“Da haben wir gemerkt, das ist ein tolles Thema: Von Fanny zu Alex, wir war es damals als Frau, wie ist es heute?”, erinnert sich Marmodée. “Und das auch aus einer weiblichen Perspektive wiedergegeben.” Dabei stand die positive Grundstimmung zu Anfang schon im Vordergrund: “Wir hatten früh klar, dass wir keinen Dokumentarfilm über Emanzipation oder Älter werden machen wollten, sondern einen Feelgoodmovie, der trotzdem zwei, drei dieser Themen streift.”

KLEINES BESTECK

DoP Monika Plura hatte schon früh mit ihrer eigenen Oma als Darstellerin gedreht. Später begann sie einen eigenen Dokumentarfilm über die Oma, der leider nie richtig fertig wurde, da ihre Großmutter vorher verstarb. “Das war eine der Motivationen, weshalb ich das sofort machen wollte”, erinnert sich Plura. Pluras Wahl des Equipments war einerseits eine des Budgets, andererseits der Flexibilität vor Ort geschuldet.

Sie drehte auf der Canon EOS 5D Mark III oder Mark II, manchmal war als B-Kamera auch eine 7D vor Ort. Sie brachte ihre privaten Objektive mit, einen älteren Nikon-Linsensatz. “Die sind echt schön, weil die ein altes Glas haben”, sagt die Kamerafrau. Der Satz umfasste die 20 mm, 25 mm, 35 mm, 85 mm und 135 mm. Alle Objektive hatten T1.4. “Allerdings habe ich nicht dauerhaft auf 1.4 gedreht, da ich ja selbst schärfen musste und außerdem gerade bei diesem Film viel vom Umfeld mit erzählen wollte. Das soll ja nicht alles unscharf sein.”

Aus dem Auto, Richtung Straße: Alex und Fanny unterhalten sich.
Aus dem Auto, Richtung Straße: Alex und Fanny unterhalten sich. (Bild: Monika Plura)

Marmodée und Plura tauschten sich vorher über das visuelle Konzept aus. Sie schickten sich gegenseitig Moods zu und fanden über der Idee zusammen, dass sie atmosphärische Bilder wollten, die für sich stehen, nicht nüchtern dokumentarisch, sondern hochwertiger und märchenhafter. “Vom Stil her wollten wir ein bisschen in Richtung ,Amelie‘”, erklärt Marmodée. Eine Kamera wurde von DoP Plura statisch eingerichtet und geschärft, die zweite führte sie als Handkamera. Später kam noch ein Slider dazu.

Schon kurz nach der Ideenfindung im Beachclub legte das Frauenteam los. Hier war das Gebot der Stunde, mit einer über 90 Jahre alten Protagonistin nicht ein Jahr auf Förderung warten zu können. Es sollte ein Trailer gedreht werden, mit dem man dann auf Finanzsuche gehen wollte. Also fuhr das Team für einen Recherchedreh nach Baden-Württemberg und verbrachte ein paar Tage bei Fanny. “Als wir das Haus sahen, haben wir uns so gefreut. Man hätte es nicht besser einrichten können.”

Hier gehts direkt weiter zu Teil zwei des Berichts

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