UPDATE Oscars 2019: Kamera und Schnitt bleiben in Livesendung

UPDATE 17.02.2019: Die Fachwelt war empört. Bei der Oscarverleihung am 24. Februar sollten vier Kategorien während der Werbepause verliehen werden, auch Best Cinematography und Best Editing. Nachdem Hollywoods Elite protestierte, machte die AMPAS die Entscheidung rückgängig.

(Bild: AMPAS)Am Sonntag, 24. Februar werden in Hollywood zum 91. Mal die Oscars verliehen. Um ein Haar wäre das ohne zwei der für das Kino und die Kunstform Film zentralen Kategorien geschehen. So war geplant, während der Liveübertragung durch den Sender ABC Kamera (Best Cinematography) und Schnitt (Best Editing) in der Werbeunterbrechung zu verleihen, ebenso wie Kurzspielfilm (Live-Action Short) und Maskenbild (Make-up & Hairstyling).

John Bailey, Präsident der Academy of Motion Picture Arts And Science, die den Oscar verleiht, teilte am 11. Februar mit, dass diese Entscheidung der Tatsache geschuldet sei, die TV-Übertragung auf drei Stunden zu verkürzen. Bailey erklärt weiter, die Sehkonventionen würden sich stetig ändern, weswegen sich auch die Show weiterentwickeln müsse, wenn sie so erfolgreich wie in den Anfängen den Film promoten möchte.

Warum dies ausgerechnet in den beiden der Kunstform Film zentralen Gewerken geschehen muss, war zunächst vielen Beobachtern aus der Fachwelt schleierhaft. So meldete sich Regisseur Guillermo del Toro auf Twitter – gewohnt höflich – zu Wort und stellte die Entscheidung implizit infrage. Del Toro bezeichnete beide Kategorien als “Herz des Handwerks”, da diese nicht aus dem Erbe des Theaters oder der Literatur stammen, sondern der Kunstform Film eigen sind.

(Bild: Twitter/@RealGdT)

John Bailey wird selbst vermutlich gemischte Gefühle bei der Verkündung gehabt haben, ist er doch im Hauptberuf Kameramann, Mitglied im ASC und sitzt für das Kameragewerk im Ausschuss bei der AMPAS. Sein Gewerk gehörte zu den sechs Gewerkzweigen der AMPAS, die sich freiwillig für die erste Ausgabe dieses neuen Systems gemeldet hatten.

Schon am darauf folgenden Mittwoch, 13. Februar, veröffentlichten namhafte Kameraleute, Regisseure und Filmschaffende einen Offenen Brief, in dem sie die AMPAS aufforderten, die Entscheidung schleunigst rückgängig zu machen. Die Unterzeichnenden, unter Ihnen Kameraleute wie Reed Morano, Roger Deakins, Rachel Morrison, Chivo Lubezki sowie Editorin Mary Jo Markey (“Star Wars VII – Das Erwachen der Macht”) oder Szenenbildnerin Milena Canonero (“Grand Budapest Hotel”) und zahlreiche Regisseure fanden dabei deutliche Worte:

“Diese essentiellen Vertreter des Filmkunsthandwerks zu einem niedrigeren Status zu degradieren, ist nichts weniger als eine Beleidigung für die unter uns, die ihr Leben und ihre Leidenschaft ihrem gewählten Beruf verschrieben haben.”

Am Freitag dann ruderte die Academy zurück. In einer dreizeiligen News-Meldung teilte die AMPAS auf ihrer Homepage mit, sie hätten das Feedback aus der Branche erhört und würden alle Awards ohne Schnitte übertragen.

Das ist eine wichtige Entscheidung. Denn die Tendenz, die wichtigsten Filmgewerke eher stiefmütterlich zu behandeln, lässt sich auch in der deutschen Presse wahrnehmen. So werden in den Feuilletons bei der Berichterstattung von Filmfesten und Preisverleihungen Gewerke wie die Kamera und der Schnitt entweder gar nicht erwähnt oder unter ferner liefen abgehandelt. In einer Branche, in der in der Honorarsituation und bei den Arbeitsbedingungen immer wieder Nachholbedarf herrscht, ist die Schwächung des Ansehens des künstlerischen Handwerks ein fatales Zeichen.

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