Kamera-Ausbildung: Hochschulen in Deutschland

Ludwigsburg: “Es gibt keine Einschränkung”

Gespräch mit Julian Steiner und Marvin Schatz, Studierende an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und Roland Mönch, Studienkoordinator im Studienschwerpunkt “Bildgestaltung / Kamera”

Roland Mönch, Marvin Schatz und Julian Steiner (Bild: Bernd Siering)

Herr Mönch, welche berufliche Laufbahn hatten Sie vor ihrer Stelle an der Filmakademie?

Roland Mönch: Von Haus aus bin ich Diplom-Ingenieur für Medientechnik. Ich habe an der HTM in Stuttgart mit dem Schwerpunkt Film, Video – und damals noch AV – studiert. Im Anschluss habe ich direkt als Kameramann für das SAT1-Landesprogramm gearbeitet, und habe auch einige auch im Image- und Werbefilme gemacht. 2000 habe ich dann das Angebot angenommen, hier zu arbeiten, damals noch künstlerisch-wissenschaftlicher Assistent. Jetzt bin ich Studien-Koordinator und in dieser Funktion bin ich für die Lehre im Studien-Schwerpunkt “Bildgestaltung/Kamera” an der Akademie verantwortlich, das heißt ich gestalte die Inhalte und den Lehrplan für die vier Jahre der Ausbildung. Ich kümmere mich auch um die Akquise der Dozenten und die studentischen Belange im Allgemeinen, was zum Beispiel die Techniknutzung und Seminarbesuche angeht.

Sie sind der einzige Festangestellte im Studienschwerpunkt “Bildgestaltung/Kamera”?

Roland Mönch: Ich habe noch eine Assistentin mit einer hat eine Halbtagsstelle, aber ich bin im Prinzip der einzige Festangestellte. Alle weiteren Dozenten sind entweder semesterweise, quartalsweise oder sogar nur tageweise als Honorardozenten tätig. Mit diesen Dozenten muss ich die Termine abklären und wie sie in unsere normale Unterrichtsstruktur passen. Ich muss sehen, welche Slots es gibt, welche Leute interessant sind und wen man versuchen kann, einzuladen. Die Kamera-Studenten sind natürlich in aller Regel sehr daran interessiert, sich mit den Großen der Branche auszutauschen. Und da haben wir es in der Vergangenheit auch schon geschafft, wirklich interessante Leute hierher zu holen. Das freut mich immer, wenn so etwas klappt, aber es ist natürlich schwierig.

Julian, war die Tatsache, dass hier sehr viele Projekte gedreht werden, entscheidend für dich bei der Wahl der Filmhochschule?

Julian Steiner: Es gibt hier keine Einschränkung, was ich als Kameramann drehen will. Es gibt alles – szenische Filme, Werbefilme, Dokumentarfilme, es gibt Diplomfilme im Schwerpunkt Serien, es gibt die VFX-Abteilung, das Animations-Institut. Es ist einfach so weit gefächert, dass man sich eine umfangreiche Expertise aufbauen kann, was sehr wichtig ist für später. Und ich habe das Gefühl, das ist an anderen Hochschulen nicht so der Fall. Einfach weil es diese anderen Studiengänge nicht gibt. Ich würde immer wieder hierherkommen.

Also war Ludwigsburg für dich die erste Wahl?

Julian Steiner: Ich habe viele Freunde, die in München an der HFF studieren. Dort hatte ich mich auch beworben, unter anderem, weil ich selbst aus München komme. Aber für mich war es dann auf der anderen Seite auch wichtig, mal rauszukommen, die Comfort Zone zu verlassen. Für das, was ich machen will, wo ich hinwill, auf was ich mich spezialisieren will, ist das hier im Nachhinein gesehen die beste Wahl.

Dreh im Supermarkt: Marvin Schatz (Bild: Bernd Siering)

Marvin, wie sehen Sie das?

Marvin Schatz: Ich halte extrem viel von der Filmakademie. Ich habe ursprünglich eine Lehre als Mediengestalter Bild und Ton gemacht. Schon in der Berufsschule habe ich gemerkt, dass ich Richtung Kamera gehen wollte, und eigentlich war es immer die Filmakademie Ludwigsburg, die mir ins Auge gesprungen ist, zum Beispiel wenn ich mir mit Freunden, die sich in dieselbe Richtung orientiert haben, neue Werbefilme oder Kurzfilme angeschaut habe. Das ging dann irgendwie immer in Richtung Ludwigsburg, und da war es für mich schon relativ früh klar, dass ich unbedingt hierhin wollte. Nach drei Jahren Ausbildung Und vier Jahren Selbstständigkeit hat das dann auch geklappt, und jetzt ich bin unfassbar froh, hier zu sein, weil wir unglaublich viele Möglichkeiten haben, uns selber auszuprobieren.

Also haben sich deine Erwartungen an die Filmakademie erfüllt?

Julian Steiner: Meine Erwartungen sind absolut erfüllt. Es ist natürlich immer so, dass wenn man von außen auf die Hochschule sieht und die Produktionen, die hier entstehen, man immer nur die obere Spitze des Dreiecks mitbekommt. Man sieht immer nur die besten Filme, wenn man nicht an der Filmakademie studiert. Wenn man dann selbst hier ist, merkt man, dass noch sehr viel mehr produziert wird, und dass nicht alles davon so super durch die Decke geht – was aber eigentlich ganz klar ist, und was einen wieder ein wenig auf den Boden holt. Dann sieht man, dass es sehr darauf ankommt, was man selber daraus macht. Man wird zwar ein bisschen an die Hand genommen, aber es liegt eben extrem viel an einem selber: in welche Richtung man geht, ob man jetzt hier Dokumentarfilm macht, oder Spielfilm, Werbung, Serie … und wie erfolgreich das Ganze dann ist.

Mit der RED am EasyRig: Julian Steiner am Set. (Bild: Bernd Siering)

Julian, du hattest vor unserem Gespräch eine lebhafte Diskussion mit einigen Kommilitonen. Bezog sich die auf das Studium?

Julian Steiner: Wir arbeiten zusammen an einem Projekt, das Anfang November gedreht wird. Das ist ein Set-Extension-Workshop, der zusammen mit dem Animations-Institut, der Szenenbild-Abteilung und der Kamera-Abteilung entsteht. Man hat den Teil eines Sets real gebaut und danach wird man es mit VFX virtuell erweitern. Ich betreue das als Kameramann, werde also DoP machen bei diesem Projekt, und wir sind jetzt einfach dabei gewesen zu brainstormen, die Geschichte noch einmal durchzugehen, um dann heute Abend eine Auflösung zu machen.

Ist es so dass sich bei solchen gemeinsamen Projekten auch die weiteren Kontakte für die Zukunft entwickeln?

Julian Steiner: Auf jeden Fall. Ich finde, man sollte hier unbedingt die Gelegenheit ausnutzen zu netzwerken. Man ist hier zusammen mit den Leuten von morgen, mit denen du in 20 Jahren hoffentlich drehen wirst, die dir die Jobs geben werden. Man hat einerseits eine professionelle Verbindung und andererseits bilden sich auch Freundschaften, die sich dann hoffentlich durchs Leben ziehen. Das habe ich für mich so herausgefunden. Es geht ganz klar auch immer darum, welche Projekte man macht und welches Portfolio man sich aufbauen konnte, aber eigentlich geht es vor allem um Kontakte.
Ich werde Kameramann und das wollte ich auch immer werden. Und jetzt ist es bald soweit, dass ich hier fertig bin und damit loslegen kann, hoffentlich große Jobs zu machen, je nachdem, wann es soweit ist, wie man genetzwerkt hat, welche Leute, die man von hier kennt, erfolgreich werden. Das ist an viele Variable gebunden.
Ich finde, es gibt irgendwie drei Top-Notch-Filmhochschulen in Deutschland. Ludwigsburg ist eine davon, und da wollen alle hin. Die beiden anderen wären – meiner Meinung nach – München und Potsdam. Es Kommt natürlich auch darauf an, wo man genommen wird, aber ganz bestimmt auch, wohin man selbst will. Jeder muss sehen, ob er damit klarkommt, hier im kleinen Ludwigsburg zu sein, oder ob er lieber in die Großstädte München und Berlin möchte. Das ist einfach eine Frage, die man sich persönlich stellen muss.
Roland Mönch: Wenn ich da einmal reingrätschen darf – da hat er Recht. Das ist nämlich auch, was viele Dozenten beobachten. Die Filmakademie Baden-Württemberg ist in so einem abgeschiedenen, fast schon klosterhaften Areal, in Ludwigsburg, wo mit 90.000 Einwohnern auch nicht allzu viel los ist, als nächste Großstadt Stuttgart, das – vielleicht zu Unrecht – im Vergleich zu München oder Berlin gern als kulturelle Öde bezeichnet wird. Aber das hat auch den Vorteil, dass die Studenten in den Jahren, in denen Sie hier sind, sich wirklich in Gruppen zusammentun, und da geht es dann um nichts anderes als Film. Das ist, glaube ich, eine ganz ganz intensive Erfahrung. Man sieht es auch, wenn man sich hier umschaut. Ich glaube es, herrscht ein ganz gutes Verhältnis unter den Studierenden. Das ist auch eine Besonderheit der Schule – dieser abgelegene Standort.
Julian Steiner: Einen Film zu machen, hat ja viel mit Reibungspunkten zu tun. Natürlich sitzt man hier auch so krass aufeinander, dass man manchmal ausbrechen muss, und erst Recht nach Hause oder nach Berlin will, oder auch dringend muss – um dann wieder zurückzukommen und weiterzustudieren. Ich finde das eigentlich großartig. Wenn man jetzt in Berlin studieren würde, dann ist der Unterricht oder der Workshop vorbei, alle gehen in ihren Kiez zurück, und du siehst niemanden. Deshalb ist das hier ja auch so gut zum Netzwerken. Du kannst es einfach machen, weil du hier jeden an der Hand hast. Man trifft sich dann auch abends in der Kneipe, und redet über Projekte. Hier auf dem Hof, im „Blauen Engel“, entstehen die Verbindungen. Hier kommst du zu Deinen Projekten. Das ist, was ich sehr zu schätzen gelernt habe.

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Schöne Einblicke – das mit den Teams nehm ich genauso wahr,
    bei jedem Projekt das ich mit der AK gemacht habe sind sehr viele Kontakte und Freundschaften hängen geblieben und man erhält immer mal wieder einen Anruf ob man denn für ein Projekt Zeit hätte 😉

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