Kameraleute zusammenbringen

Gemeinsamer Empfang von BVK & BVFK auf der Berlinale

In diesem Jahr luden BVK und BVFK zum gemeinsamen Empfang auf der Berlinale. Ein logischer Schritt für alle Kameraleute und besonders wichtig, weil der Empfang der Filmschaffenden nicht stattfand. Wir sprachen mit Dr. Michael Neubauer, Geschäftsführer BVK, und Frank Trautmann, Erster Vorsitzender des BVFK, über die gemeinsamen der Ziele der beiden Kameraverbände.

Was war für euch der Anlass, sich zur Berlinale 2018 zusammenzutun?

Frank Trautmann: Wir haben uns schon zu Zeiten des Filmschaffenden-Empfangs dem BVK immer sehr verbunden gefühlt. In diesem Jahr war es m.glich zu sagen, wir tun uns zusammen. Die Berlinale ist nur der Anlass, um die Gemeinsamkeiten, die wir haben, in Form von Urheberund Leistungsschutzrecht noch mal herauszustellen und auch in die Öffentlichkeit zu tragen.

Dr. Michael Neubauer: Für uns ist es ganz klar sinnvoll, Veranstaltungen zu machen, wo tatsächlich alle Kameraleute vertreten sind. Es gibt viele gemeinsame Interessen und es ist auch wichtig, dass wahrgenommen wird, dass zwischen diese Berufsverbände kein Blatt passt. Es gibt eine Vielzahl von Themen in der Branche, aber die Kameraleute sprechen im Prinzip mit einer Stimme, auch wenn es zwei berufsverbandliche Vertretungen gibt, die sich im Klientel auch unterscheiden.

Wir sehen, dass das Urheber- und Leistungsschutzrecht immer wichtiger wird. Das ist eine Frage, die wir auch gemeinsam verfolgen müssen. Gerade die Internetauswertungen und auch der missbräuchliche Umgang mit Bildmaterial koppelt unsere Klientel von Erwerbsquellen ab, die ihr zustehen. Auf der anderen Seite geht es immer auch um die Arbeitsbedingungen. Das sind Themen, die unsere Klientel umtreiben, und die müssen auch unsere Verbände umtreiben.

Welche gemeinsamen Bestrebungen gibt es, das auch der Politik nahe zu bringen?

Dr. Michael Neubauer: Das machen wir im Rahmen einer größeren Plattform, in der wir uns als Berufsverbände für eine gute und starke tarifvertragliche Verhandlung von Ver.di engagieren. Die Initiative “Verbände Pro Tarif” ist aus einer Arbeitsgruppe entstanden, die sich seit Jahren mit den arbeits- und sozialrechtlichen Bedingungen in der Branche befasst.

Da geht es zum Beispiel darum, der Politik zu vermitteln, dass unsere Leute aus den Sozialsystemen fallen. Ich nenne mal ein Beispiel: Wenn eine Kamerafrau schwanger wird, darf sie nicht mehr arbeiten, weil sie einen sehr physischen und auch überstundenlastigen Beruf ausübt. Dann bekommt sie kein Mutterschaftsgeld, weil sie die letzten sechs Monate nicht genug verdient hat. Dann bekommt sie danach als  Belohnung auch keine Arbeitslosenunterstützung, da sie nicht genügend entsprechend der SV-Tage gearbeitet hat – oder eben nicht durchversichert war, wie das ein Angestellter ist.

Es ist beschämend, dass Leute diesen Absturz ertragen müssen. Hier müssen wir uns als Berufsverbände gegenüber der Politik gemeinsam stark machen. Das geht über die Kameraabteilung hinaus, denn hier geht es Editoren oder Bühnenleuten und Beleuchtern oder Regieassistenten genauso.

Frank Trautmann: Wir müssen weiterhin in den Verb.nden zusammenwirken. Speziell jetzt werden wir mit dem BVK Synergien herstellen. Es darf auf keinen Fall passieren, dass die Leute aus der Politik uns gegeneinander ausspielen. Insofern ist das Vorhaben ganz wichtig, was wir im Herbst letzten Jahres noch mal erneuert haben, als wir auch die Idee zu dieser Veranstaltung hatten: Dass wir in diesen Fragen wirklich noch dichter zusammenrücken.

Laien sehen den Beruf der Kamerafrau, des Kameramanns häufig als homogene Gruppe. Wieso ist es so schwer, das wahre Bild des Berufs zu kommunizieren?

Dr. Michael Neubauer: Das ist zunächst mal ein sprachliches Problem. Wir haben den Begriff “Kamerafrau und -mann” in Deutschland, aber unterscheiden nicht, was die Kolleginnen und Kollegen de facto machen. Es gibt Studiokameraleute, Sport- und A.- Kameraleute, die arbeiten in Mehrkameraverfahren … dann gibt es Kameraleute, die arbeiten für NIF, Nachrichten-Einspieler, für Magazinbeiträge, Dokumentationen, Industriefilm, Werbung, Musikvideos, bis hin zu Serie, Spielfilm, TV-Movie und Kino. Das sind durchaus unterschiedliche Arbeitsfelder, auch wenn es das gleiche Berufsfeld ist.

Frank Trautmann: Da haben wir es als Fernsehkameraleute noch schwerer, die Abgrenzung zu schaffen. Es ist halt nicht mehr so – beim TV zumindest –, dass jeder, der eine Kamera auf der Schulter hat, Kamerafrau oder Kameramann ist. Da gibt es viele, die sich ausprobieren, die irgendwie Bilder machen, auch für das Internet. Es ist natürlich unsere Aufgabe, dass wir da dieses Berufsbild klären, erfassen und definieren, damit halt diese Synergien zwischen den Gruppen in diesem Feld noch greifen.

Wie wird das bei den Mitgliedern oder auch Nicht-Mitgliedern umgesetzt?

Dr. Michael Neubauer: Das wichtige Zauberwort ist: Professionalisierung. Jeder darf Bilder machen, jeder soll auch kleine Filme mit dem iPhone machen und auf Youtube stellen. Das ist das eine. Das andere ist, wenn es um Menschen geht, die von einem Beruf leben, also professionell Bilder herstellen. Und zwar nicht die Bilder und Filme, die sie aus sich heraus selbst machen wollen, sondern die sie machen müssen, um ein audiovisuelles Werk für andere zu bebildern.

Das sind Leute, die davon leben, im Auftrag Dritter Bilder auf professionelle Weise in einer verlässlichen Qualität herzustellen. Da brauchen wir Profis. Diese Menschen, die jene Bilder machen, die unsere – ich sage mal – bildgeile Gesellschaft haben will, müssen davon auch leben können. Das ist eine Forderung, die wir aufstellen, egal ob BVFK oder BVK. Es geht hier weder um Katzenvideos, noch um Hobbyfilmer.

Welche Themen will der BVFK im aktuellen Jahr nach vorne bringen?

Frank Trautmann: Beim Urheber- und Leistungsschutzrecht benötigt der BVFK noch mehr Expertise, die der BVK schon hat. Das andere ist die Frage der Honorare, die Wurzel allen Übels, mit den unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen, inklusive Tarife, inklusive Sozialstatus. Ein riesengroßer Bereich.

Und der BVK?

Dr. Michael Neubauer: Wir sehen einen gewissen Nachholbedarf im Bereich der Tarifbedingungen und Arbeitsbedingungen. Die Leute leiden unter den extremen Arbeitszeiten. Das ist ein absolut sozial- und familienfeindliches Berufsfeld. Wir sehen uns leider gezwungen – weil wir eine sehr schwache Gewerkschaft haben –, quasi gewerkschaftliche Arbeit auf unsere Schultern zu laden, was mühselig ist. Was die Leute aber verdient haben, die im Minenfeld der Audiovision ihr Geld verdienen müssen.

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