Neuer Videoblog von FairTV

FairTV informiert mit Videos

Der regionale Filmschaffendenverein FairTV hat einen Videoblog auf die Beine gestellt. Ziel ist es, kurz und knapp über wichtige Branchenthemen zu informieren. Wir sprachen für unsere Ausgabe 10/2018 mit dem Vorsitzenden und VLOG-Organisatoren Guntram Schuschke.

(Bild: Ilko Eichelmann)

Guntram, kannst du in kurzen Sätzen zusammenfassen, worum es in dem Videoblog geht?
Schon seit der 
Gründung leistet FairTV vor allem Hilfe zur Selbsthilfe für Film- und TV-Kreative. Wir sind alle selbst aus der Branche, schreiben zum Beispiel Treatmentsdrehen Interviews oder schneiden Fernsehbeiträge. Irgendwann haben wir uns gefragt: warum machen wir im Verein eigentlich nicht das, was wir von Berufs wegen am besten können? Gesagt, getan, und jetzt ist es endlich soweit. Aber es gibt natürlich auch pragmatischere Gründe: Bildung, gute Argumente und Vernetzung sind die Schlüssel, um sich aus der gefühlten Ohnmacht gegenüber den mächtigen Sendern und anderen Auftraggebern zu befreien. Nicht jeder liest aber gern lange Texte, und mit den Videos hoffen wir vor allem, mehr Kollegen zu erreichen und über die tatsächlichen Fakten aufzuklärenEntsprechend ist der VLOG als innovatives Bildungsangebot zu verstehen, das direkt auf die Verbreitung in den sozialen Netzwerken abzielt und Fachwissen in verdaulichen Portionen unter die Leute bringt.
Und noch etwas anderes ist uns wichtig. Bei den vielen bedrückenden Fakten wird oft übersehen, dass es auch Hoffnung gibt. So haben die FairTV-Strategien im Raum Mitteldeutschland dazu geführt, dass einige mutige Editorinnen und Editoren Honorarsteigerungen von über 60 Prozent seit 2012 erreichen konnten und dennoch gut gebucht sind. Das macht uns Mut, und diesen Optimismus möchten wir gern teilen. Die Situation ist eben nicht so „alternativlos“, wie Sender und manche Produzenten es gern behaupten.

Welche Themen werdet ihr ansprechen?
Zuerst einmal sagen wir dem Halbwissen den Kampf an. Da gibt es so viele Stammtisch-Behauptungen und von Sendern und manchen Produzenten gestreute Unwahrheiten, dass es kaum noch erträglich ist. Hier kommen unsere Experten zu Wort: Welche Tageshonorare sind tatsächlich angemessen und warum ist das so? Sind die Sender wirklich so arm, wie sie in Verhandlungen behaupten? Und müssen Selbstständige ihre Gagen gegenüber Kollegen wirklich geheim halten? Außerdem wird es konkrete Tipps und Anleitungen zur Honorargestaltung und Verhandlung geben, was schon immer die Kernkompetenz von FairTVwar. Auch die Verbände werden wir unterstützen, es gibt dazu eine Reihe mit dem Titel „Berufsverband in 99 Sekunden“. Und schließlich planen wir längere Fortsetzungs-Storys, die auch investigativen Charakter haben sollen.

Welche Experten konntet ihr dafür gewinnen, mitzumachen?
Seit der „Studie zur sozialen Situation der Film- und Fernsehschaffenden“ führt kein Weg mehr an Jörg Langer vorbei, und wir sind froh, dass er uns Teile seiner Studie auch noch einmal vor der Kamera erläutert. Vom Medienexperten Heiko Hilker, Rundfunkrat im MDR und Leiter des Bildungsinstituts DIMBB, erfahren wir viel über Auftrag und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dr. Thorolf Lipp aus dem Vorstand der AG DOK und Frank Trautmann, Vorsitzender des BVFK, sitzen nicht nur als Verbandsvertreter vor der Kamera, sie erzählen uns auch Wissenswertes über aktuelle Entwicklungen in der Branche und die Stimmungslage bei den Kollegen. Mit Tobias Sommer, Fachanwalt für Medien- und Urheberrecht, kommen wir interessanten Gesetzesregelungen wie zum Beispiel dem „Recht auf angemessene Vergütung“ auf die Spur. Schließlich erzählen uns Produzenten und Vertreter der „technischen Dienstleister“ aus ihrem Alltag und von Erfahrungen mit den Sendeanstalten.
Etwas enttäuscht sind wir, dass unsere Anfragen an Sendervertreter unbeantwortet blieben. Wir würden uns für die Zukunft wünschen, dass die Sender den VLOG als Chance verstehen, die gefährlich groß gewordene Distanz zu den Film- und Fernsehschaffenden wieder etwas zu verringern und uns zu erlauben, Brücken zu bauen. Aus unserer Sicht wäre das auch zu ihrem Nutzen.

Welche Branchenthemen müssen deiner Meinung nach stärker durch edukative Maßnahmen vermittelt werden?
In erster Linie fehlt es an betriebswirtschaftlichem und juristischem Wissen. Wenn ein Selbstständiger auf die Frage, warum er einen Tagessatz aufruft, zu dem er rein rechnerisch gar nicht kostendeckend arbeiten kann, antwortet: „Aber ich komme doch irgendwie klar“, dann ist das alarmierend. Wir kennen nicht die Lehrpläne der vielen Ausbildungsstätten für Medienberufe, haben aber den Eindruck, dass Betriebswirtschaft und Recht nicht den notwendigen Stellenwert haben.
Genauso wichtig ist aber auch die Einschätzung von Angemessenheit. Ich treffe immer wieder selbstständige Kollegen, die mir nicht glauben wollen, dass im MDR ein tariflich festangestellter Editor oder EB-Kameramann inklusive eingepreistem Weihnachtsgeld etwa 4.000 bis 6.500 Euro brutto verdient*). Wenn ich ihnen dann den Tarifvertrag zeige, kommen sie ins Grübeln, finden das aber immer noch „sehr viel“. Ihnen ist nach jahrelanger Unterbezahlung offenbar die Normalität eines solchen Einkommens für einen überdurchschnittlich anspruchsvollen Beruf nicht mehr bewusst, ebenso wenig wie das aktuelle deutsche Durchschnittseinkommen, das bereits bei 3.209 Euro**) liegt.
Schließlich braucht es mehr Verständnis für die Tatsache, dass Festlegungen wie Budgets und Honorare nicht in Stein gemeißelt sind. Darüber entscheiden Menschen, und Menschen stimmen dem als Auftragnehmer am Ende zu. Sind genügend Leute dabei selbstbewusst und sagen „Nein!“, dann wird sich auch etwas ändern.

Wie soll der Videoblog sich weiterentwickeln? Hast du schon Ideen für die nächsten Schritte?
Ideen gibt es haufenweise, und auch weitere Experten haben ihr Interesse bekundet, im FairTV-VLOG mitzuwirken. Auch würden wir gern die „Storys“ ausbauen, also mehr investigativ arbeiten, dafür ist sogar ein Recherche-Netzwerk in Zusammenarbeit mit Verbänden angedacht. Auch die Darstellung komplexer Sachverhalte mit Grafiken und Animationen ist aufbaufähig.
Grundsätzlich hängt die Umsetzung solcher Ideen und überhaupt die gesamte Zukunft des Projektes entscheidend von der Finanzierung ab. Zwar konnten wir bereits einige Sponsoren wie Avid Technology GmbH, Ludwig Kameraverleih GmbH und DNA Musik GmbH gewinnen, die uns mit Leistungen aus ihrem Angebot unterstützen. Langfristig wird das aber keinesfalls ausreichen. Wir hoffen daher, dass sich weitere Sponsoren finden, die insbesondere finanzielle Unterstützung leisten und damit die Zukunft des FairTV-VLOGs sichern. 

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*) Quelle:
 Organisationshandbuch des MDR, kein „Junior“, kein „Senior“, inkl. Weihnachtsgeld, nicht online
**) Quelle:
 ZEIT-Artikel unter https://tinyurl.com/ZeitGehalt 


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