Hausbesuch beim Berliner Service- und Handelshaus Xinegear GmbH

Erfolgreich in der Bandbreite

Vor drei Jahren wurde die Xinegear GmbH gegründet. Das Unternehmen füllte die Lücke, als RED seine deutsche Niederlassung schloss. Gründer Alfred Jaax pflegte seine guten Beziehungen zu RED weiter und bietet heute neben RED-Kameras auch Zubehör von Drittanbietern, Objektive und Schulungen an.

Wer ist Alfred Jaax? Die Antwort auf diese Frage weiß nahezu jeder, der hierzulande eine RED-Kamera besitzt. Denn 2013 wurde Jaax von RED Digital Cinema mit der Gründung von RED Germany betraut. Drei Jahre leitete er die Berliner Niederlassung des kalifornischen Unternehmens, bis dieses den Laden schon drei Jahre später wieder schloss. Mit über 50 Händlern in Europa und einem nahe Service-Partner in London seien die Dienste der Berliner redundant geworden, hieß es damals. Jaax kümmerte das nicht. Er übernahm die Räume auf dem Gelände der Berliner Union Film und gründete die Xinegear GmbH. Sein Ziel war, weiterhin eng mit RED zusammenzuarbeiten und interessante, innovative Produkte im Umfeld der RED-Kameras, aber auch darüber hinaus anzubieten. „Das hat ein paar Nächte Überlegung gekostet, aber die Basis war sehr gut und der Grundstock war da“, erläutert Jaax.

RED-MODULARITÄT

Zudem hatte er sein Hauptprodukt weitgehend exklusiv, denn aktuell gibt es mit Teltec und eben Xinegear in Berlin nur zwei Händler für RED-Kameras. Durch seine Tätigkeit als Geschäftsführer konnte Jaax auf seine guten Kontakte zu den Verantwortlichen in den USA bauen. Aber auch RED-Kameras verkaufen sich nicht von allein. Xinegear hat immer ein Ohr für potenzielle Kunden und deren Bedürfnisse. Als Anfang 2018 die Produktpalette von RED vereinfacht wurde, kam es mit der Standardisierung des DSMC2-Bodys auch zu einem Preisnachlass für alle Kameras aus der RED-Familie. Das führte bei den Nutzern zu Bedenken, dass hier bei Zulieferern an der Qualität und in der Folge Verlässlichkeit der Systeme gespart wurde. Diese Sorgen kann Alfred Jaax aber zerstreuen. Es hat seitdem keine Häufung an Servicefällen gegeben, die diesen Schluss zulassen. Dass aber die RED-Kameras alleine den Erhalt des Unternehmens nicht sichern könnten, war Firmengründer Jaax von Beginn an klar. Ähnlich wie bei den Kameras baute Jaax auch in der Erweiterung seiner Angebotspalette auf möglichst exklusive Produkte.

EIN GEWACHSENES ANGEBOT

Er begann mit nahe liegenden Produkten. Zertifizierte RED-Partnerprodukten von Tilta, Wooden Camera und dem damaligen Hersteller Offhollywood machten den Anfang und boten schon 2016 eine breite Palette an Supportsystemen. Nach und nach folgten Produkte auch außerhalb des RED-Universums wie Objektive und Akkus. Später kam weiteres Kamera-Equipment hinzu. Die aktuellste Erweiterung stellt das Lichtzubehör dar. Alte Bekannte der Branche wie die erfolgreich laufenden Atlas-Objektive oder Bebob-Akkus teilen sich die Plätze im Angebot mit Newcomern. Dazu gehören Tentacle Sync und Neuheiten aus Asien von Gen Energy und die Funkstrecken von Vaxis. „Manchmal stolpern wir selber über Produkte. Das sind Dinge, die wir im Netz finden. Aber häufiger kommen Kun- den, die über etwas fallen und uns fragen: ,Habt ihr das?‘ So werden wir darauf aufmerksam.“

Auch auf Messen ist Jaax mit Xinegear immer präsent. Er geht gezielt auf die Suche nach neuen Produkten. Beim heutigen Distributionspartner Kandao jedoch war es eher Zufall. Das Unternehmen baut 360-Grad-Kameras. Auf einer Messe wurde Jaax angesprochen, ob er die Kameras mit Rundumblick mit ins Sortiment nehmen würde. Denn Xinegear vertrieb bereits die Kamera-Buggys von Motion Impossible. Die fernsteuerbaren Fahrgeräte lassen sich auf unterschiedlichste Weise konfigurieren und bieten unter anderem eine Säule für 360-Grad-Kameras. So passte das neue Produkt gut ins Portfolio. „Wir versuchen, Nischenprodukte zu finden, die nicht jeder hat. Das ist neben RED, wo wir nur zu zweit im Markt sind, zum Beispiel Kandao. Deren Kamerasysteme bedienen sicherlich einen etwas anderen Markt. Aber es sind ebenfalls interessante Produkte.“

Aber auch beim Kamera-Zubehör stellt sich das Berliner Unternehmen breiter auf. Zuletzt konnte Alfred Jaax vermelden, dass er Focusbug Distanzmesser neu im Programm hat. „Wenn Vollformat mehr und mehr eingesetzt wird, dann werden auch diese Range-Finder-Systeme mehr und mehr benötigt“, erläutert Jaax seine Wahrnehmung des Full-Frame-Trends.

INNOVATION FINDEN

Auf den ersten Blick scheinen Akkus aus Asien nicht so recht in dieses von Exklusivität geprägte Konzept zu passen. Denn asiatische Akku-Hersteller, so ein häufig gehörtes Vorurteil, kopieren sich sowieso nur gegenseitig und überschwemmen den Markt mit Produkten, die wegen schlechter Verarbeitung nur allzu leicht abbrennen. Aber es gibt Ausnahmen. 2018 stellte sich bei Xinegear der koreanische Akku-Hersteller GEN-Energy vor. Anfangs zweifelte Jaax daran, ob das Produkt sich vom Wettbewerb absetzen könne. Doch die Koreaner konnten ihn überzeugen: „Die verfolgen ähnliche Philosophien wie wir. Da finde ich vieles wieder, was wir als ,deutsche Gründlichkeit‘ in der Technik umsetzen.“

Bei der Produktvorstellung zerlegten sie den Akku vor seinen Augen. Das Innenleben der V-Mounts hatte es in sich: Eine CPU kontrolliert über einen Widerstand den Stromfluss im Akku. Dadurch kann die Entladung exakter bestimmt werden, was auch Einfluss auf die Lebensdauer hat. Nach zwei Jahren im Einsatz sollen sie so noch 90 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität besitzen, da sie richtig be- und entladen werden können. Besonders robust sollen die GEN-Energy-Akkus auch sein. Die Verlustwärme sei minimal, so Jaax. Dadurch wird eine optimale Leistung erreicht. Ebenfalls nicht unwichtig für die Arbeit am Set: eine Sicherung, die Kurzschlüsse verhindern soll. Nach einer versehentlichen Verpolung muss man die meisten Akkus austauschen. Das ist ein nicht nur umwelttechnisches, sondern auch wirtschaftliches Problem. Bei GEN-Energy-Akkus, so Alfred Jaax, reiche ein Reset, um den Akku zu retten.

Es gibt seit diesem Jahr neue Versionen. Der GEN G- B100/290W liefert bis zu 22 Ampere. Alle Modelle verfügen zusätzlich über zwei D-Tap-Anschlüsse, die zwölf Ampere ausgeben. Mit der 48-V-Powerbank lassen sich zwei 22A V-Mount-Akkus zusammenschalten, so dass sie ein SkyPanel mit 48 Volt und 100 Prozent Leistung betreiben können – die kleinste und mobilste Powerbank am Markt für ein ARRI SkyPanel. Jaax Erfahrung aus über zwei Jahrzehnten in Technik, Marketing und Vertrieb hilft ihm bei der Einschätzung: „Da weiß ich schnell, diese Produkte sind es wert, sie in den Vertrieb aufzunehmen.“ [9832]

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