Sounddesignerin aus Berlin

Drei Fragen an Noemi Hampel

Das Sounddesign ist in jedem Film ein wichtiges Element um die Stimmung in eine bestimmte Richtung zu lenken. Für unsere Drei Fragen sprachen wir mit einer Frau, die ihr Handwerk versteht. Noemi Hampel ist Sounddesignerin aus Berlin und beantwortete für unsere Ausgabe 4/2018 die Fragen.

(Bild: Hannah Baumgartner)

Was ist dein Arbeitsschwerpunkt?

Ich bin Sounddesignerin und für die Tongestaltung im Film zuständig. Einen Schwerpunkt habe ich eigentlich nicht. Jeder Film ist anders, und das ist auch das, was ich an meiner Arbeit so liebe. Bei jedem neuen Film musst Du dich in eine neue Klangwelt hineinhören. Wie klingt ein kleines Dorf in Afghanistan, wie das New York der 1950er Jahren? Wie klingt das Berlin der 1920er Jahre? Wie gestalte ich eine düstere Atmosphäre in einem Thriller? Wie lasse ich eine Plattenbausiedlung deprimierend erscheinen? Wie hört sich ein kalter Wintertag an?

Ich finde es spannend, wie Geräusche und Atmosphären die Stimmung des Films und so auch den Zuschauer beeinflussen können. Zum Beispiel kann eine Szene nur alleine durch die Wahl der Vögel völlig anders wirken. Wenn ich Krähen oder eine einsame Elster wähle, bekommt die Szene etwas Düsteres, wenn ich Schwalben wähle bekommt sie etwas Leichtes, Helles.

Faszinierend ist auch die Wirkung von Stille im Film. Wenn ich während eines Dialogs an einer Stelle die Hintergrundgeräusche wegnehme und plötzlich nur Stille ist, kann dieser Moment eine unglaubliche Aussagekraft bekommen. Das Gespräch kann dadurch plötzlich peinlich oder unangenehm wirken. Und wenn ich dann in diese Stille ein kleines Geräusch lege, wie das Miauen einer Katze oder das Quietschen eines Fensterladens, so kann der gleiche Dialog auf einmal eine komische, groteske Drehung bekommen.

Am liebsten arbeite ich an Filmen, in denen ich mir Geräusche für Dinge ausdenken muss, die es eigentlich gar nicht gibt. Da kann ich kreativ sein, mich austoben und der Film bekommt eine ganz persönliche Note.

Bist du in einem Verband aktiv?

Ich bin Mitglied im BVFT, für mehr reicht es nicht. Der Verband Familie nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch!

Wofür schlägt dein Herz außerhalb der Arbeit? 

Mein Herz schlägt für Musik! Seit ich klein bin beschäftige ich mich mit Musik, spiele Bratsche, Klavier und singe. Das versuche ich so viel wie möglich unterzubekommen. Ich singe im Bach-Chor an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-kirche alle zwei Wochen eine Bach-Kantate und bin gerade dabei, für ein Streichquartett zu üben. Als Kontrastprogramm zur Arbeit am Computer gehe ich Bergsteigen, je höher, desto besser! Dort oben in den Bergen liebe ich die Stille, die ich sonst nur selten um mich habe!

Sie möchten sich als Filmschaffender der Branche vorstellen oder ein Ihr Gewerk in den Mittelpunkt stellen? Dann beantworten auch Sie unsere Drei Fragen in unserem Online-Formular.

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Der Ton in einem Film ist einer der wichtigsten Bestandteile eines Tonfilms. Der Ton ist ein Multiplikator der Emotionen, welche ein Film den “Zuschauerhörern” näher bringen möchte. Umso verwunderlicher ist es, dass der Ton im Allgemeinen und die Leistungen der Sound Designer und Komponisten nicht (mehr) genügend wertgeschätzt werden. Selbst namhafte Unternehmen als Auftraggeber wollen oder können heutzutage keine fairen Honorare mehr zahlen. Wenn man sich mal anschaut, welche Tiefstpreise man bei Film-Streaming-Plattformen bezahlt und was heute eine Film-DVD im Vergleich zu vor 20 Jahren kostet, braucht man sich nicht zu wundern. Immer mehr, selbst namhafte Komponisten und namhafte Tonstudios müssen heutzutage um’s Überleben kämpfen, müssen irgendwelche Neben-Jobs annehmen, um finanziell einigermaßen über die Runden kommen zu können. Nur sehr wenige trauen sich dieses Thema öffentlich anzusprechen, da sie (auch verständlich) befürchten, dass dadurch weitere Aufträge ausbleiben könnten.

    Andererseits erwartet das Publikum von den Sound Designern und Komponisten gleichbleibende, qualitativ hochwertige Leistungen, während sie immer weniger für deren gleichbleibend hohe Dienstleistungen zahlen wollen oder können. Zu einem Teil ist dieses Problem auch von der Musikwirtschaft hausgemacht. Die neue Technik, welche Musikschaffenden heutzutage zur Verfügung steht, vermittelt nach außen den Eindruck, als ob jeder heute Musik machen könne. Richtig ist, dass es heutzutage viel mehr Menschen möglich ist, sich musikalisch zu betätigen. Jedoch gehört nach wie vor jede Menge jahrelanger Berufserfahrungen dazu, um qualitativ hochwertige Audio-Produktionen bereitstellen zu können, auch mit neuester Audio Software. Wer über kein geschultes Ohr verfügt und über wenig Berufserfahrungen als Audio Engineer, kann lange nicht an die Qualitäten von professionellen Produktionen heranreichen.

    Dennoch sehe ich die Entwicklung der letzten Monate der Musikwirtschaft positiv. So langsam fängt an, sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Mehr und mehr Auftraggeber sehen ein, dass es einfach einen himmelweiten Unterschied macht, ob man für ein geringes Budget einen Sound-Design- oder Komponistenstudenten mit der Produktion von Werbemusiken beauftragt, oder ob man sich mit einem angemessenen Budget an ein etabliertes Tonstudio bzw. einen etablierten Komponisten wendet. Ich finde, dass dies der richtige Weg ist und auch dafür sorgt, dass die Musikwirtschaft sich in den nächsten Jahren wieder erholen kann. Es macht einfach Sinn, etablierte Tonstudios und Komponisten zu unterstützen. Dies sichert den Fortbestand der Tonstudios und somit auch den Fortbestand der dortigen Arbeitsplätze und zwar auch so, dass diese auch mal wieder “Nachwuchs” einstellen können, was auch wiederum mit zum Fortbestand beiträgt.

    Dabei wäre es von Vorteil, wenn die Musikwirtschaft auch signifikante Unterstützung seitens der Politik bekommen würde. Wichtig wäre eine Optimierung, respektive Verschlankung unserer Gesetze, im Hinblick des Abbaus von Bürokratie, und eine gesetzliche Regelung im Hinblick der Honorare für kreative Wertschöpfung. Es darf nicht sein, dass weiterhin jeder “Möchtegernmusiker” mit Dumping-Honoraren auf den Markt gehen kann und somit, ob bewusst oder unbewusst, Arbeitsplätze etablierter Unternehmen in Gefahr bringen kann. Viele vergessen, dass Tonstudios Unternehmen wie jedes Unternehmen anderer Branchen ist, und dies immer eine Kettenreaktion auslöst. Wenn ein Tonstudio nicht mehr genügend Umsatz genieren kann, sind nicht nur die Ton-Ingenieure, Aufnahmeleiter, Sound Designer, Komponisten usw. betroffen, sondern auch weitere Freischaffende und Angestellte wie z. B. Office Manager/in / Buchhalter/in, Marketing-Leiter/in / Studio Account Manager/in und Dienstleister (wie z. B. Mastering Studios und deren Angestellte, Händler von Musik- / Studio-Equipment und deren Angestellte, IT-Dienstleister und deren Angestellte, bis hin zu Reinigungsfirmen usw.).

    Ich freue mich auf das, was die Musikwirtschaft noch herausbringen wird und schaue zuversichtlich in die Zukunft.

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