29. Deutscher Kamerapreis

“Die Wertschätzung einer Arbeit”

Morgen abend findet im Kölner Tanzbrunnen die Gala des 29. Deutschen Kamerapreises statt, auf der die Preisträger in den insgesamt neun Kategorien, die beiden Nachwuchspreise eingeschlossen, bekanntgegeben werden. Uwe Agnes war für Film & TV Kamera in der Jury der Kategorie „Journalistische Kurzformate“. Er sprach für unsere Ausgabe 3/2019 mit der Gesamtjury-Vorsitzenden Barbara Hennings.

(Bild: WDR/Herby Sachs)

Barbara Hennings lernte von 1962 bis 1964 Filmschnitt in Hamburg. Danach arbeitete sie für einige Jahre beim Norddeutschen Rundfunk, bevor sie sich als Editorin selbstständig machte und vor allem für öffentlich-rechtliche Sender tätig war. In der Folge wandte sie sich dem Kino-Film zu und arbeitete unter anderem mit den Regisseuren Michael Verhoeven, Max Färberböck und Peter Timm zusammen. Dabei entstanden Werke wie „Die weiße Rose“ oder „Das schreckliche Mädchen“. Barbara Hennings ist Honorarprofessorin an der ifs Internationalen Filmschule Köln und Preisträgerin des Deutschen Kamerapreises.

Dieses Jahr standen die Jurys trotz des vorgezogenenen Einreichtermins vor 500 Einreichungen. War das gut zu bewältigen?
Es waren wirklich sehr viele Einreichungen in diesem Jahr. Dann kämpft man natürlich mit der Zeit, die zur Verfügung steht und hat immer ein bisschen Sorge, dass man den Filmen wirklich gerecht werden will. Wir haben es dann doch ganz gut gepackt, obwohl es ein ziemliches Pensum war! Aber es hat auch viel Spaß gemacht. Es waren wunderschöne Filme dabei, so dass generell der Jahrgang eigentlich eine gute Qualität aufzuweisen hatte, sowohl von Kamera und Schnitt her als auch inhaltlich.

Was ist der prägende Eindruck, den Sie aus der Jurywoche mitnehmen?
Das ist wirklich die Qualität, die sich hier präsentiert hat. Es war aus meiner Sicht nicht unbedingt viel Innovatives dabei, aber die Qualität war sehr groß. Bei dem einen oder anderem Format hätte ich mir ein wenig mehr Experimentierlust gewünscht, einfach um zu sehen, ob es andere Wege gibt. Aber vielleicht kommt das in der Zukunft. Es ist ja häufig eine rückläufige Tendenz.

Haben Sie tatsächlich solche Gegenbewegungen beobachtet? Die Jury-Präsidenten in den beiden Vorjahren hatten ja einen Trend zur Langsamkeit benannt. Konnten Sie das wiederfinden oder geht es wieder in die andere Richtung?
Langsam … das ist sicherlich teilweise so. Die lange Erzählweise beim Feature oder fiktionalen Film hat natürlich den Vorteil, dass man die Figuren, die Entwicklung in den Gesichtern stärker nachvollziehen kann. Das finde ich sehr positiv. Eine Zeit lang gab es ja den schnell getaktete Schnitt, der ein neues Lebensgefühl darstellen sollte, uns aber emotional nicht so wahnsinnig in den Bann gezogen hat. Das ist jetzt etwas anders. Andererseits muss die Langsamkeit nicht immer gut sein. Darin kann ich aber in diesem Jahr keinen Trend erkennen. Der Trend, der sich zeigt, ist immer mehr Drohnenkameras einzusetzen. Die wird im Moment geradezu inflationär eingesetzt.

In allen Kategorien?
Nein, nicht überall. Bei den Kurzfilmen, Kurzformaten und Dokumentationen habe ich gehört, dass es nicht der Fall war, aber im Dokumentarfilm, Fernsehspiel – und Kinofilm sowieso! Manchmal ergibt es ja auch Sinn, aber oft habe ich das Gefühl, sie wird nur eingesetzt, um mal eine andere Perspektive zu bekommen, ohne jedoch einen dramaturgischen Moment dahinter. Es gibt natürlich glänzende Ausnahmen. Bei dem Film, der im Libanon spielt, haben diese Drohnenaufnahmen eine wahnsinnige Wirkung. Dieses Häusermeer so darzustellen – das war so fantastisch in der Kadrierung und wie es gehandhabt wurde, dass es schon eine künstlerische Grafik hatte. Das war sehr beeindruckend.

Wir reden hier ja über den Film „Capernaum“ von Christopher Aoun, der auch insgesamt eine fantastische Arbeit ist.
Das ist eine hervorragende Arbeit, sowohl von der Kamera als auch vom Schnitt – wobei der Schnitt leider nicht eingereicht war! Leider, leider …

Da sind wir bei einem wichtigen Thema, denn damit haben wir auch in der Jury für die journalistischen Kurzformate gekämpft: Viele Beiträge mit wirklich herausragendem Schnitt sind nur für die Kamera eingereicht worden.
Das ist ein Problem. Die Richtlinien schreiben nun einmal vor, dass keine Nachnominierungen möglich sind – obwohl es einen manchmal geradezu in den Fingern juckt. Wenn dann wirklich besondere Arbeiten daherkommen und sie sind nicht für den Schnitt eingereicht, dann weint die Seele. Aber die nominierten Kollegen haben es natürlich auch verdient. Es geht dabei um die Wertschätzung einer Arbeit. Wir Editoren geben alle unser Herzblut. Nicht umsonst sitzt man dann häufig viel länger im Schneideraum, als unbedingt nötig, um einfach zu sehen, ob man wirklich das Beste herausgeholt hat.

Muss man die Kolleginnen und Kollegen ermutigen, ihre Beiträge einzureichen – und auch den Mut dafür aufzubringen?
Es gibt da sicher Hemmschwellen. Ich weiß das ja auch von mir selbst. Ich habe jahrelang nicht eingereicht und dann wurde ich mehr oder weniger dazu aufgefordert. Dann habe ich das auch getan. Es gab aber auch wieder Phasen, in denen ich es nicht gemacht habe. Ich werde im Bundesverband Filmschnitt und an der ifs in Köln bei meinen Studierenden noch einmal deutlich machen, dass es sich doch lohnt einzureichen. Gerade für jüngere Kolleginnen und Kollegen kann ja so ein Preis oder auch schon die Nominierung ein Schritt zu einer guten Auftragslage sein. [7906]

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