Aktion „Teampreis 1000+“ des BVFK

„Der Claim ist die Botschaft“

Der Bundesverband der Fernsehkameraleute (BVFK) e.V. hat unter dem Motto „Teampreis 1000+“ ein Projekt gestartet, mit dem er Kameraleuten eine klare Empfehlung für die Preisgestaltung bei Teameinsätzen an die Hand geben will. Wir sprachen mit dem 1. Vorsitzenden des BVFK Frank Trautmann und dem Vertreter Vorstand West Jens Schade über die Hintergründe der Aktion.

Jens Schade, Vertreter Vorstand West beim BVFK

Was war für den BVFK der Anlass, zum jetzigen Zeitpunkt die Aktion „Teampreis 1000+“ zu starten?
Frank Trautmann: Wir beschäftigen uns ja seit vielen Jahren regelmäßig mit den so genannten Teampreis-Ausschreibungen bei den Sendeanstalten und haben dabei beobachtet, dass die die Preisentwicklung nicht dem entspricht, was normalerweise zugrunde gelegt werden müsste. Stattdessen stagnieren die Teampreise seit Ende der 1990er Jahre, aber gleichzeitig werden die Ansprüche vor allem an die Technik immer höher. Wenn wir da nachfragen, kommt von den Sendern oft das Feedback, sie seinen verpflichtet, das günstigste Angebot zu nehmen und wenn sich die Kameraleute gegenseitig unterböten, seinen sie selbst schuld. Wir haben ja mit den Mindesthonoraren von 450 Euro für Kameraleute und 315 Euro für EB-Technikerinnen und -techniker Standards gesetzt, können aber bei den Preisen für die Technik natürlich keine konkreten Empfehlungen geben. Aber wir möchten mit dem griffigen Claim „Teampreis 1000+“ erreichen, dass sich bei den Kolleginnen und Kollegen der Gedanke verfestigt: Unter 1.000 Euro ist es nicht möglich, einen rechtssicheren Auftrag zu übernehmen, der sich rechnet und der auch den Arbeitsschutzrichtlinien entspricht.

Wenn ich diese bestehenden Honorarempfehlungen addiere, lande ich bei 765 Euro. Wofür genau sind die restlichen 235 Euro, die zu 1.000 Euro noch fehlen, vorgesehen?
Jens Schade: Diese 235 Euro sind für die Technik. Ein EB-Team besteht aus Kamerafrau- oder mann, EB-Technikerin beziehungsweise -techniker sowie der Technik und da sind wir eigentlich schon beim Problem. Wir als Verband können und wollen natürlich nur beim Thema Honorare für die Kolleginnen und Kollegen sprechen, weil die Technik Komponente ist, die letztlich jeder für sich kalkulieren muss. Wir haben Ende letzten Jahres im Rahmen unserer Honorarinitiative versucht, ein Standard-Equipment für den Fernseh-EB-Markt zu definieren . Das erwies sich als nicht möglich. Der eine dreht mit Canon, der andere mit Sony oder Panasonic, jemand braucht eine oder drei Lampen oder setzt preiswerte Funkstrecken ein. Wir haben hier versucht, ein gewisses Level festzulegen, aber es hat nicht funktioniert. Wir wissen aber: Für 235 Euro pro Tag lässt sich ein normales Fernseh-Equipment nicht mehr darstellen.

Frank Trautmann, 1. Vorsitzender des BVFK

Frank Trautmann: Die Ansprüche werden eben auch immer größer. Es ist ja schön, dass sich der EB-Standard mit dem Aufkommen der digitalen Kinematografie sich auch in technischer und gestalterischer Hinsicht wirklich sehen lassen kann, aber das kostet eben auch entsprechend. Wir halten uns als BVFK ganz bewusst aus den technischen Fragestellungen heraus, weil es hier auch um die unternehmerische Freiheit geht und wir auch die Konkurrenzsituation nicht aufheben wollen.
Vielleicht noch ein kurzer Hinweis zu den Honorarempfehlungen: Wir reden hier ja ausdrücklich von Mindestgagen. Die Beauftragungen sind aber schon sehr anspruchsvoll geworden, so dass hier die Frage auftaucht, ob wir so etwas wirklich mit Menschen realisieren wollen, die lediglich ein Mindesthonorar bekommen. Deshalb ist „Teampreis 1000+“ eine ganz wichtige Botschaft, mit Fokus auf dem „plus“. Wir wollen dahin kommen, dass man gar nicht mehr darüber reden muss, was preislich unter den 1.000 Euro noch möglich ist, sondern welche Spielräume es darüber gibt. Es gibt einige Beispiele, wo das auch funktioniert, Kolleginnen und Kollegen, die sehr viel zu tun haben und die als Teampreis deutlich mehr als 1.000 Euro verlangen.

Es ist ja eine Sache, solch einen Standard zu definieren, eine andere jedoch, ihn am Markt auch durchzusetzen? Wie ist hier die aktuelle Situation?
Jens Schade: Grundsätzlich ist die Situation angespannt, erst recht durch die Corona-Pandemie. Wir hatten schon vorher Probleme und jetzt haben wir sie erst recht. Viele sind froh, gebucht zu werden und gehen für weniger arbeiten und verhandeln gar nicht mehr, bevor sie gar nicht drehen. Das das macht es nicht unbedingt einfacher für, Mindesthonorare durchzusetzen, aber nichts zu tun, ist auch nicht richtig. Wer außer uns soll da Richtlinien setzen? Wir wollen die Marschrichtung vorgeben. Zu erwarten dass es zum 1. Januar 2021 dann schon soweit ist, wäre naiv. Wir können nur Ideen entwickeln und Orientierung geben.

Ist es denn ein realistischer Gedanke, dass man bei einem angespannten Markt überhaupt in absehbarer Zeit bei Mindesthonoraren landet, die auch eine gewisses Element der Vorsorge enthalten können? Gerade Die Covid-19-Krise hat ja aktuell gezeigt, wie wichtig so etwas wäre.
Frank Trautmann: Es ist keine Revolution, über solch einen Teampreis zu reden. Dafür muss man auch keine mathematischen Anstrengungen unternehmen, sondern das liegt einfach auf der Hand. Deshalb haben wir das Thema in diesem Claim zusammengefasst. Der Claim ist die Botschaft. Es soll sich in den Köpfen festsetzen, dass ein Team nicht für unter 1.000 Euro zu haben ist, auch bei den Sendeanstalten, wenn sie ihre Budgets aufstellen. Seitens der Sender heißt es immer: „Wir haben das Geld einfach nicht.“ Aber warum haben sie es nicht? Weil sie nicht entsprechend budgetieren und weil sich die Kolleginnen und Kollegen im diesem Kampf um die Zuteilung bei den Teampreisen gegenseitig unglaublich unterbieten. Das ist einfach so. Deshalb wollen wir hier eine gewisse Sicherheit implementieren, dass man sagt, wir gehen einfach nicht mehr unter 1.000 Euro. Man muss sicherlich daran arbeiten und es wird sich wohl auch nicht in der kompletten Breite durchsetzen lassen, aber wir sind optimistisch, dass sich das solidarisch realisieren lässt.
Jens Schade: Man muss klar sagen, dass wir hier einen langen Weg vor uns haben. Wir haben hier einfach zu lange geschlafen. Aber die Dinge kommen in Bewegung. Mich rufen immer wieder Produzenten an, nicht weil sie mich buchen wollen, sondern weil sie merken, dass die Kameraleute mit den Honoraren hochgehen. In Köln haben und EB-Techniker und -technikerinnen vor zwei Jahren mit ihren Honoraren massiv angezogen. Da geht keiner mehr für 180 Euro auf die Straße. Das müssen wir auch bei den Teampreisen schaffen und die Leute dafür mobilisieren. [13964]

 


Die Mitteilung des BVFK zur Aktion „Teampreis 1000+“ im Wortlaut können sie hier finden!


 

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