Zum elften Mal "Wir"

Berlinale 2018: Empfang der Filmhochschulen

“We.” Mit diesem Wort beschreiben Organisatoren und Studenten ihr gemeinsames Streben nach mehr Gleichberechtigung und Diversität nicht nur in der Filmbranche, sondern in einer modernen und offenen Gesellschaft.

(Bild: Foto: André Herrmann)

Film gehört zu den mächtigsten Medien unserer Zeit und FilmemacherInnen müssen sich ihrer Verantwortung, die sie mit diesem Beruf tragen, bewusst machen und gesellschaftlich Stellung beziehen. Der 11. Empfang der Filmhochschulen wurde daher unter das Motto “We.” gestellt und mit der diesjährigen Schirmherrin Dr. Maria Furtwängler eine prominente Frau aus der Medienbranche gefunden, der die Gleichberechtigung in ihrer Branche, aber auch darüber hinaus, besonders am Herzen liegt. Eine von ihr in Auftrag gegebene Studie “Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland” befasst sich mit der Verteilung von Frauen und Männern auf deutschen Fernsehbildschirmen und Leinwänden.

Dieses Thema wurde dann auch im Anschluss an die Pitchings beim Podium diskutiert. Die Moderatorin Kim Seidler führte durch einen eineinhalbstündigen Austausch zum Stand der audiovisuellen Gender-Diversität in Deutschland. Neben der Schirmherrin und Schauspielerin Dr. Maria Furtwängler nahmen daran die Präsidentin der HFF München Bettina Reitz, die Präsidentin der Filmuniversität Babelsberg Susanne Stürmer, die Stellvertretende des Vorstands der FFA Christine Berg und der Vorsitzende Geschäftsführer der Studio Hamburg Produktion GmbH Michael Lehmann teil.

In seiner Rede hob der Aufsichtsratsvorsitzende der VFF Prof. Dr. Norbert P. Flechsig hervor, dass es ihm und seinen  Kollegen seit Anbeginn ein wichtiges Anliegen sei, den Verbund der Studierenden und den Empfang der Filmhochschulen zu fördern, weil die hochschulübergreifende Verbindung der Studierenden sehr wichtig sei. Das besondere Ansinnen der Verwertungsgesellschaft sei die Qualitätssteigerung und ein weiteres großes Anliegen die rechtliche Sicherung und Vergütung. Er versprach den Studierenden auch für die Zukunft weiterhin volle Unterstützung beim Empfang.

Dr. Maria Furtwängler betonte vor der Preisverleihung noch einmal, dass die Filmstudentinnen und Filmstudenten “die Bilderproduzenten von morgen” seien, während in ihrer Studie nur die Bilder “von heute und gestern” untersucht worden seien. Laut Studie kämen in den medialen Berufen auf eine Frau zwei Männer und ab dem dreißigsten Lebensjahr würden Frauen allmählich ganz vom Bildschirm verschwinden.

Mit 50 Jahren käme nur noch eine Frau auf vier Männer und diese Ungerechtigkeit müsse überwunden werden. Bilderproduzenten trügen eine Verantwortung, denn sie eröffneten mit ihren Bildern “Möglichkeitsräume” oder verschlössen sie dadurch, dass bestimmte Bilder nicht gezeigt oder Geschichten nicht erzählt würden. Durch Filme könnten Vorurteilsmuster in Frage gestellt werden, denn Bilder, die wir nicht kennen, ließen uns in alten Gedanken und Strukturen verhaften. Dazu zitierte sie den Filmemacher Alexander Kluge “Das Unverfilmte kritisiert das Verfilmte.”

Die ARD Degeto stellte den Studierenden den “Impuls Preis” vor. Unter dem Motto “Endlich Freitag” zeigt das Erste Familienunterhaltung und ruft den Abschlussjahrgang und Absolventen der deutschen Filmhochschulen dazu auf, ein Exposé von sechs Seiten einzureichen. Der Gewinner oder die Gewinnerin erhält einen Treatment-Auftrag im Wert von 7.500 Euro. Einsendeschluss ist der 13. April 2018.

THEMENPITCHINGS

Doch wie jedes Jahr stand der Tag der Hochschulen vor allem im Zeichen der Begegnung und der Pitchings. In fünf Blöcken stellten Studentinnen und Studenten der teilnehmenden Filmhochschulen ihre Filmprojekte aus den Bereichen Komödie, Drama, Krimi & Thriller, Genrefilm sowie Dokumentarfilm vor. Am stärksten vertreten waren die Genres Drama und Komödie. Thematisch bedienten die gepitchten Stoffe ein breites Spektrum.

Besonders häufig klangen Themen wie Erwachsenwerden, gesellschaftliche Normen und Zwänge sowie Selbstfindung, Heimat, Sexualität und Missbrauch an. Im zumeist vollen Präsentationssaal der Landesvertretung NRW befanden sich, neben Studenten und der Jury, auch dieses Jahr wieder viele Vertreter von Produktionsfirmen sowie freie Produzenten, Redakteure der Fernsehanstalten, aber auch Verleiher und Förderinstitute auf der Suche nach spannenden Projekten und vielversprechenden Talenten. Die Förderpreis-Jury, bestehend aus Moritz Hemminger von ARRI Media International, Olga Wierzenko von der Fernsehproduktion MME, Robert Laning von der MFG Filmförderung Baden-Württemberg, Kristin Wille, Producerin bei DCM, Stefanie Gross, Redakteurin beim SWR und der Schauspieler Jonathan Berlin, hatte bei so vielen Projekten keine leichte Aufgabe zu bewältigen.

Und das, obwohl bereits eine Vorauswahl getroffen worden war. In sieben Stunden musste die Jury etwa 70 Pitchings verfolgen und durfte am Ende die begehrten Förderpreise von jeweils 1.000 Euro an nur drei Projekte vergeben. Aufgrund der schwierigen Entscheidung gab es in diesem Jahr zwei lobende Erwähnungen. Diese gingen an die 360-Grad-Thriller-Serie “Monolith” von Max Villwock, Henning Wagner und Lukas Schmölders sowie den Dokumentarfilm “A Portrait on the Search for Happiness” von Benjamin Rost und Márk Szilágyi.

Die Förderpreise erhielten in diesem Jahr zum einen das Team um Anja Gurres, Manuel Ostwald und Johanna Röder von der Filmakademie Baden-Württemberg mit ihrem Pitch eines Coming-of-Age Films “Die kalte Sophie” über eine vermeintliche Terrorgruppe, die die Nordseeinsel Tünneoog in Atem hält. Niemand weiß, dass es sich um drei 13-Jährige und einen beeinträchtigten Inselkofferträger handelt. Vivien Hartmann, Louise Peter, Bianca Laschalt und Friederike Weykamp von der Filmakademie Baden-Württemberg wurden für ihren eindrücklichen Pitch des Dramas “Aufbruch – SALIDA” ausgezeichnet, welches in Ecuador spielen soll und sich mit dem Thema illegale Abtreibungen beschäftigt.

Zuletzt begeisterte Florian Fettweis von der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf mit seiner Idee einer sechsteiligen Musical-Dramedy im Fußball-Milieu. “Busango” erzählt von einem homosexuellen Nachwuchsfußballer, der zum Helden für heimlich schwule Fußballer in ganz Deutschland avanciert.

[4347]

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: