Im Gespräch mit Eddie Hamilton, Editor von „Mission Impossible: Fallout“

Mit Tom Cruise am Schnittplatz

„Mission Impossible: Fallout“: Schnitt auf AVID Media Composer, mobiles Arbeiten und Tom Cruise als Produzent – Editor Eddie Hamilton teilte in der Ausgabe 10/2016 seine Erfahrungen mit uns.

Mr. Hamilton, wie arbeiten Sie mit dem Avid-Equipment? Haben Sie schon mal mit Avid on Demand geschnitten?
Ganz generell: Ich habe eigentlich nur Sicherheitsbedenken in solchen Fragen. Unsere Avid Media-Composer-Hardware hängt aktuell nicht am Netz. So kann es keine Leaks geben.
Wir reden hier über viele Millionen teure Projekte. Der Gedanke, dass das Material auf irgendeinem Server in der Welt liegt und wer da Zugang haben könnte, würde mich etwas beunruhigen. Aber offensichtlich gibt es auch dafür Lösungen, die getestet werden und robust sind.

Zudem sind doch sicher auch die Datenmengen enorm groß, die bei einem „Mission Impossible“- Projekt anfallen?
Wir reden über 40 TB nur bei der Arbeit auf dem Avid. Die vielen TB an Kameramaterial sind da noch gar nicht eingerechnet. Eine Bandbreite zu finden, die 40 TB hochlädt und dann streamt – das ist schon eine Herausforderung. Und wir reden dann nicht über einen Stream, sondern über zwei, drei parallele Streams. Zudem muss der Sound perfekt synchron sein, nicht ein einziges Frame auseinander.
Ich bin mir sicher, dass das alles bald möglich sein wird. Aber aktuell, mit dem enormen Zeitdruck im Nacken, ein Weltklasse-Produkt auf den Punkt genau liefern zu müssen, führt an der lokalen Speicherung und Vor-Ort-Arbeit noch kein Weg vorbei. Verstehen Sie mich richtig: Man kann da kein Leak und keine Downtime riskieren. Das geht einfach nicht.

Was schätzen Sie an den Avid- Produkten?
Meine Erfahrung nach zwei Jahrzehnten ist, dass Avid an der Spitze der Industrieprodukte beim Media Management steht, weil die Anwendungen so robust und erprobt sind und es kaum Downtime gibt. Ich kann meinen Laptop mit seinem 40-TB-Laufwerk nehmen und mit jedem Media Composer auf der Welt verbinden und sofort poppt der Job auf. Es ist wirklich beruhigend, so arbeiten zu können.
Ich konnte mein Laufwerk bei den verschiedenen Regisseuren zuhause in deren iMac klinken oder an deren TV-Monitore hängen und es konnte sofort losgehen.

Stehen Sie während der Arbeit an einem Projekt wie „Mission Impossible“ in Kontakt mit dem Software- hersteller? Wie sieht der Support bei Fragen aus?
Die Leute bei Avid reagieren immer schnell und beheben Probleme in kurzer Zeit. Ich konnte in Echtzeit mit den Software-Technikern im Media-Composer-Team kommunizieren. Die sind erfahren und vor allem leidenschaftlich, auch weil einige von ihnen bereits seit 20 Jahren oder länger dabei sind und die „Ursoftware“ mitentwickelt haben. Dann habe ich auch erfahren, wie eng die Weiterentwicklung des Systems mit den Kundenbedürfnissen zusammenhängt. Es gibt viele Iterationen, also kleine Updates. Alle paar Monate gibt es kleine Verbesserungen – das empfinden auch alle Kollegen so, mit denen ich im Aus- tausch bin.

Wie sah das typische Setup, also Ihre Arbeitsumgebung während der Arbeit an „Mission Impossible: Fallout“ aus?
Mein Team und ich hatten eine Art von Best Practice für die Arbeit am Projekt entwickelt. In London gab es eine Art Basisschnittplatz, eine Art Homebase. Etwa 12 bis 15 Personen hatten Zugang zu der 40-TB-Festplatte mit dem aktuellen Arbeitsstand. Zweimal täglich wurden komplette Backups des Arbeitsstandes gemacht und es wurden zwei Festplatten verfügbar gehalten, eine davon für das Studio. Die andere konnte ich mir jederzeit schnappen, wenn der Director mich darum bat, zu ihm zu kommen.
Als die Crew in Neuseeland filmte, ging ich für zwei Monate dorthin. Einige Zeit war ich in New York – hängte meinen Laptop an das TV-Gerät im Hotelzimmer des Regisseurs und arbeitete dort. Ich flog nach Arizona und nach LA zu Test-Screenings, hatte meinen Laptop dabei und wir konnten direkt nach den Screenings noch mal auf das Material schauen.
Eine sehr komplizierte Skydive-Sequenz wurde auf einem Militärgelände in Abu Dhabi gedreht – also ging ich dorthin und arbeitete mit dem Regisseur in dessen Trailer dort. Sie konnten dort nur drei Minuten am Tag drehen, weil der Sonnenuntergang eine zentrale Rolle in der Szene spielt. Sie probten also den ganzen Tag und drehten zwischen 18:43 und 18:46 diese äußerst komplizierte Skydive-Szene. Es waren drei kleine Stücke, mit unsichtbaren Stitches verbunden, wie in „Birdman“ oder in „Gravity“. Sie brauchten inklusive der Vorbereitungssprünge 106 Sprünge, um das zu bekommen. So etwas wird es kaum ein zweites Mal geben, weil es erstens kaum Filmstars wie Tom Cruise gibt, die das selbst machen, und er sich zweitens nicht gerne wiederholt!
Wir haben die Szene Dienstag fertiggestellt, Colorgrading war am Mittwoch, Donnerstag war sie im Film. Donnerstag war die Premiere in Paris. Es gibt ein zweiminütiges Making-of dieser Szene – da werden alle sehen können, wie kompliziert sie war. Unfassbare Liveaction anstatt gebauter Environments.

Wie präsent war Tom Cruise, der ja auch Produzent ist, beim Schnitt?
Grundsätzlich vertraut er den Experten, die er angeheuert hat. Aber er verbrachte auch viel Zeit mit mir am Schnittplatz. Er war an allen Produktionsschritten extrem interessiert. Jeden Nachmittag hatten wir ein einstündiges Telefonat mit ihm. Wann immer er in London war, kam er vorbei und setzte sich zu allen Details mit uns zusammen. Dabei ist es ja sein eigentlicher Job ein Filmstar zu sein, in außerordentlicher physischer Verfassung zu bleiben und vor der Kamera einen 1-A-Job abzuliefern! [6481]

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