Hochschule: Ludwigsburg ((Teil 1))

Ludwigsburg: Breit gefächert

Uwe Agnes und Bernd Siering besuchten für uns die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und sprach mit Dozenten und Studierenden des Studiengangs „Bildgestaltung/Kamera“.

Filmakademie Ludwigsburg (Bild: Bernd Siering)

Gehört Kultur in die Großstadt? Oder, von der anderen Seite betrachtet, ist Schwaben als der Nabel der Welt bekannt? Was können die Gründe gewesen sein, eine Filmhochschule statt im urbanen Flair einer bedeutenden Metropole genau dort zu einzurichten, wo man jene entlegenen Gegenden vermuten würde, die wir gern als Provinz bezeichnen?

Genau das ist aber im Jahr 1991 geschehen, als die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg gegründet und angesiedelt wurde. Mit etwas über 90.000 Einwohnern ist Ludwigsburg offiziell höchstens „Mittelstadt“ und bewegt sich somit in der illustren Gesellschaft von Orten wie Iserlohn, Düren oder Hanau. Immerhin gibt es ein bedeutendes barockes Schloss, dem die Stadt seine Existenz verdankt, sowie einen Bahnhof, an dem sogar Expresszüge halten.
Aber offenbar hat sich die Standortentscheidung als richtig erwiesen. Mittlerweile ist direkt neben der Filmakademie das Film- und Medienzentrum Ludwigsburg entstanden, wo sich über 50 Firmen der Medienbranche angesiedelt haben. Auch die Produktionsfirma Teamworx ist mit einem Büro in Ludwigsburg vertreten.

Offenbar hat man in Ludwigsburg hinsichtlich Standort und Lehre einiges richtig gemacht, denn nicht nur hat es die Akademie als einzige in Deutschland auf die Liste der weltweit besten Filmhochschulen des Hollywood Reporter im August 2016 geschafft. Auch die Nachfrage im Schwerpunkt „Bildgestaltung/Kamera“ ist beeindruckend, denn jährlich bewerben sich 180 Anwärter auf acht Studienplätze. Erste Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung sind zwölf Monate an praktischer Erfahrung im Medienbereich sowie ein maximal zehnminütiger Film. Wer danach als einer von ungefähr 25 Glücklichen die erste Vorauswahl übersteht, sieht sich als ein Teil der Aufnahmeprüfung dem berüchtigten 72-Stunden-Film gegenüber: von Freitag bis Montag müssen die Bewerber einen fertigen Film von fünf Minuten Länge zu einem vorgegebenen Thema abliefern.

Kooperation

Auch das Studium selbst ist davon geprägt und auch dafür bekannt, dass in Ludwigsburg viel produziert wird. Im gesamten Studiengang Film und Medien, der Studierenden mit insgesamt elf Schwerpunkten die Möglichkeit bietet, sich außer „Kamera / Bildgestaltung“ beispielsweise in den Bereichen Drehbuch, Dokumentarfilm, Animation oder Montage zu spezialisieren, werden pro Jahr ingesamt etwa 250 Produktionen abgewickelt. Das geschieht in schwerpunktübergreifender Kooperation und gilt als besondere Stärke der Filmakademie Baden-Württemberg. „Es gibt im Fach „Kamera“ keine reinen Übungsfilme, sondern wir verknüpfen sie immer gleich mit den produzierenden Abteilungen wie zum Beispiel Serienproduktion, Werbefilm oder Regie“, so Studienkoordinator Roland Mönch. „Das ist vielleicht auch, was die Filmakademie ausmacht: dass wir hier auf unserem Campus ein relativ breit gefächertes Studienangebot haben und deswegen auch sehr viele Projekte realisiert werden. Manchmal wird es dann schon fast zu viel, angesichts der technischen Auslastung, die wir hier erleben.“
Im Unterschied zu anderen Hochschulen gibt es am Studienschwerpunkt „Bildgestaltung/Kamera“ keine festangestellten Dozenten. Sie werden je nach Bedarf und Verfügbarkeit auf Zeit berufen, was den Studierenden die Möglichkeit bietet, mit immer neuen Experten aus der Branche ins Gespräch zu kommen, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen unmittelbar weitergeben.
Das Studium besteht aus einem zweijährigen Grundstudium, gefolgt von zwei Jahren Projektstudium, und schließt mit dem „Diplom der Filmakademie Baden-Württemberg“ ab.

Lesen Sie übermorgen ein Gespräch mit Julian Steiner und Marvin Schatz, Studierende an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und Roland Mönch, Studienkoordinator im Studienschwerpunkt “Bildgestaltung / Kamera”.

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