Filmkamera

Was hat sich bei Filmkameras getan? Was ist verfügbar? Wie sind Workflow und Bedienbarkeit von verschiedenen Filmkameras? Elektronische Kameras für professionelle Anwender im Überblick.

Am Prinzip von Filmkameras – sowohl für Still-Fotos als auch für Bewegtbild – hat sich seit über 150 Jahren nichts mehr geändert: Ein Objektiv erzeugt in einer Kammer(lateinisch: »camera«) an der gegenüberliegenden Wandung ein auf dem Kopf stehendes Bild, das es festzuhalten gilt.

Geändert hat sich die Art, wie man dieses Bild festhält, aber alles andere ist gleich geblieben, und es bestehen vorläufig auch keine Aussichten, dass sich jemals etwas ändern wird. Sicherlich können wir das Objektiv und die Kammer verkleinern, aber das hat Auswirkungen auf die Art des Bildes.

Die Trends der letzten Jahre zeigen deutlich, dass es in der technischen Ausführung einen Kompromiss hinsichtlich der Größe dieser Kammer gibt, und der liegt zwischen dem 35-und dem 16-Millimeter-Film, wenn es um ein Optimum bei der künstlerischen Bildgestaltung geht. Alles andere rund um diese Kammer hat sich aber dramatisch geändert. Von der fotochemischen ist man mehr und mehr zur elektronischen Bildspeicherung übergegangen, und alle dazu nötigen Regelmechanismen und Arbeitsschritte sind hierin wenigen Bausteinen integriert.

Fortschritt bedeutet beim elektronischen Verfahren, dass sich der Platzbedarf für den Schaltungsaufwand von Schrankgröße auf nahezu eine Erbse verkleinert hat. Das erklärt auch, warum man plötzlich mit einer Fotokamera filmen kann, weil die dazu notwendigen Schaltungen sich problemlos auf der CPU der Kamera mit unterbringen lassen, wenn sie nicht sowieso schon in diesen komplexen Bausteinen vorhanden sind.

Schauen wir uns die Produktpalette eines Kameraherstellers heute an: Sony bietet nur im Bereich der Fotokameras gleichzeitig 76 verschiedene Modelle in vier Klassen und noch mehr Unterserien an. Soviel Vielfalt gab es noch nie, und sie ist auch nur zu bewältigen, wenn die Produktion radikal vereinfacht abläuft.

Technisch sind viele Filmkamera Modelle gleich, nur ihre Möglichkeiten sind unterschiedlich. Was welches Modell kann, das bestimmt oft nur die Software, und so ist es heute schon üblich, dass ein Anwender zur Erweiterung der Möglichkeiten seiner Kamera nur einen Aufpreis bezahlen muss und dafür eine neue Firmware erhält, die die entsprechende Funktion freischaltet.

Bei der extrem gestiegenen Vielfalt an Produktangeboten im Kamerabereich ist aber gleichzeitig eine starke Annäherung von Produkten unterschiedlicher Hersteller aneinander zu beobachten, was soviel heißt wie viele Hersteller produzieren annähernd das Gleiche. Im vorliegenden Überblick über aktuelle Kameras sind die Geräte in verschiedene Gruppen eingeteilt:  Single-Chip-Kameras mit großem Sensor (Tabelle ab S. 22)  Kompakte Kameras, Handbetrieb, kleiner Sensor, Einbauoptik (Tabelle ab S. 25)  Spezial- und Mini-Kameras (Tabelle ab S. 30)  Highspeed-Kameras (Tabelle ab S. 34)  Broadcast-Schulter-Camcorder (Tabelle ab S. 36)

Geschichte der Filmkamera

Am Anfang der Fernsehtechnik wurden in den Kameras als Bildwandler Aufnahmeröhren verwendet. Das durch die Optik auf das Target geworfene Bild wird dabei mit einem Elektronenstrahl abgetastet, ähnlich wie man als Leser ein Buch liest. Der Lesestrahl wird durch den Zeittakt der Netzfrequenz gesteuert, unterschiedlich in den Ländern mit 50Hz und 60Hz.

Weil die 24-Bilder-Frequenz des Kinos für die Mattscheibe zu gering war und Flächenflimmern erzeugte, überträgt man die Einzelbilder des Fernsehens halbiert in gerade und ungerade Zeilen nacheinander (Interlaced-Verfahren) und kommt auf die doppelte Bildwechselfrequenz von 50 beziehungsweise 60 Hz.

Um die Farbe ins Schwarzweiß-Fernsehen zu integrieren, hat man in den USA zur Vermeidung von Interferenzen die Bildwechselfrequenz um 1/1000 verschoben und kam beim Fernsehen nicht auf 60, sondern nur 59,96 Bilder pro Sekunde. Das alles ist Geschichte, aber die Interlaced-Technik und die absurden Bildfrequenzen in den 60 Hz-Ländern sind auch der Digitaltechnik erhalten geblieben.

Immerhin hat die Digitaltechnik es geschafft, die unterschiedlichen Fernsehsysteme der ehemalig in PAL/SECAM und NTSC eingeteilten Welt in fast jedes Gerät zu integrieren, und so kann man viele der aktuellen Kameras für die 60- oder 50 Hz-Gebiete anpassen und international verwenden.

Autor: Hans Albrecht Lusznat

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