Arri

Die Firma Arnold & Richter und ihre Gründer zählen zu den deutschen Filmpionieren. Filmkopiermaschinen waren das erste Produkt der jungen Firma, und das Entwickeln von Filmmaterial und das Herstellen von Kopien war gleich von Anfang an ein wichtiges Geschäftsfeld.

 

 

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Im Arri-Kopierwerk: Markus Kirsch (l.) und Philip Schittko, von Hans-Albrecht Lusznat auf echtem Schwarzweiß-Film mit Leica fotografiert.°

Das Arri-Kopierwerk gehörte mit zeitweilig 70 Mitarbeitern zu den großen Dienstleistern im analogen Filmgeschäft. Heute ist es das letzte Kopierwerk in München und beschäftigt noch fünf Mitarbeiter. Innerhalb von sieben Jahren ist der Markt in Folge des digitalen Umbruchs auf ein Zehntel geschrumpft, die entwickelten Filmmeter gingen bei 35mm von 3.5 Millionen (2007) auf 350.000 (2014) zurück. Als weltgrößter Hersteller analoger Filmkameras will Arri das Labor weiterhin mit einem breiten Angebot an Dienstleistungen erhalten. Zwei Entwicklungsmaschinen stehen in der Münchner Türkenstraße, eine für den Schwarzweiß- Prozess, die andere für Farbe.

Die Schwarzweiß-Maschine stammt aus eigener Produktion der 1960er Jahre, als Arri noch Entwicklungsmaschinen baute und weltweit verkaufte. Die Farbmaschine ist ein englisches Fabrikat auf dem letzten Stand der Technik und ist wie die Schwarzweiß-Maschine für 35 und 16mm geeignet. Die maximale Tagesleistung einer Schicht liegt bei 8.000 Metern Film. Farbmaterial wird täglich entwickelt. Beim selteneren Schwarzweiß-Prozess muss entsprechend viel Auftragsvolumen zusammenkommen, damit sich die 100 Liter Entwicklungsbad rechnen, die die Maschine braucht, und die nur begrenzt haltbar sind.

Zu den angebotenen Dienstleistungen zählen im 35mm-Format in Farbe oder Schwarzweiß Negativentwicklung sowie Sonderentwicklung mit Pushen, Bleichen; Einlichtmuster oder Muster mit Farbkorrektur; Erstkopie, Korrekturkopie, Distributionskopie; Lichttonnegativ mit Dolby, Synchronisation mit Bildnegativ. Im 16mm-Format macht Arri Negativentwicklung in Farbe oder Schwarzweiß (auch Sonderentwicklung wie bei 35mm, aber keine Kopien mehr.

Traditionelle Kopierwerksarbeiten wie Vorbereiten und Selektieren, Waschen, Ultraschallreinigung und Negativprüfberichte gehören selbst verständlich zum Angebot wie auch die digitale Weiterverarbeitung etwa mit Videomustern vom ungeschnittenen 16- oder 35mm-Negativ via Telecine auf HD-Formate, die Abtastung vom Negativ oder Positiv mit Arriscan in 2/4K, 10/16bit auf TIFF/DPX-Files, Ausbelichtung mit Arrilaser in 2/4K auf 35mm-Film oder das Mastering für DCPs und Distribution über Arri Fusion Network. Traditionelle Preislisten mit Meterpreisangaben gibt es nicht mehr. Die Angebote werden individuell erstellt, und es gibt auch Paketangebote in Zusammenarbeit mit den Rohfilmherstellern, von denen nur mehr Kodak und Filmo Tec Kameranegativ liefern.

Das Auftragsvolumen verteilt sich beim Arri-Kopierwerk zwischen Neuproduktionen und Archivaufträgen ungefähr im Verhältnis 30:70. Unter den Neuproduktionen waren heuer Steven Spielbergs Bridge of Spies (Bild: Janusz Kaminski, Kinostart am 26.11.2015) und, in Schwarzweiß, Semih Kapla noglus neuer, von Heimatfilm, Köln, und Kaplan Film, Istanbul, produzierter Film Grain (Bild: Giles Nuttgens).

Die Frage nach der Zukunft wird nach Arris Einschätzung der Markt beantworten. Wenn Filmemacher, Hochschüler und Künstler den analogen Film nicht mehr als kreativ eigenständiges Medium begreifen, seien die Tage des Labs gezählt. Finanziell, das wissen die Kopierwerksleute aus ihren Kalkulationen, gibt es bei überschau baren Drehverhältnissen von 1:5 bis 1:8 zur Digitaltechnik keinen wesentlichen Unterschied.

Text: Hans-Albrecht Lusznat

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