Travemünder Woche: Cineflight bei Segel-Bundesliga

Zu Land, zu Wasser, in der Luft: Das Team (2/3)

Die Cineflight GmbH drehte auf der Travemünder Woche 2016 die Segel-Bundesliga mit ihrem Cineflex-Stabilisierungssystem und einer DJI-Inspire-Drohne. Wir begleiteten das Team beim Test am Vortag. Hier der zweite Teil unseres Berichts aus der Ausgabe 10/2016

Im Cineflex-System liegt die Sony HDC-1500 mit 7,6 mm- 175 mm Fujinon-Optik.
Foto: Timo Landsiedel
Im Cineflex-System liegt die Sony HDC-1500 mit 7,6 mm- 175 mm Fujinon-Optik.

CINEFLEX PLUS BOOT

Die Crew hat das Travemünder Hafenbecken mittlerweile auf der Axopar 28 verlassen. Vom SAP-Team ist Skipper Frederik dazu gestoßen. Er hat neben technischen Details die wichtigen Informationen, auf was es beim Einfangen der Bilder für den Kunden ankommt. Beim Ausparken achtet Nüske peinlich genau darauf, nicht gegen die hölzernen Poller zu kommen. Der einzige große Nachteil des Axopar 28: „Man muss sehr vorsichtig mit dem Boot umgehen. Damit nichts kaputt geht.“ Alles andere ist exakt auf die Bedürfnisse des Teams angepasst.

Die Anschaffung erfolgte nach einer Tagesschausendung in 2014. Nüske sah Bilder von der Kieler Woche, in denen die Kameraleute breitbeinig mit der EB-Mühle an Deck standen – und so sahen seiner Aussage nach auch die Aufnahmen aus. „Und da dachte ich: ,Ey, Leute, das kann nicht euer Ernst  sein, solche Bilder anzubieten’.“ Daraufhin zog er los und besuchte Bootsmessen, wo er auf das Axopar 28 stieß. „Es war einfach am flexibelsten gestaltbar, mit fester Kabine, Dach, Toilette, man kann ein bisschen abdunkeln. Dann haben wir von Herbst bis Frühling noch so umgerüstet, dass alles funktioniert.“

Kameramann Dieter Goerke an seinem Arbeitsplatz: Hinter dem Sony-Monitor – mit Cineflex-Steuerpult auf den Knien.
Foto: Timo Landsiedel
Kameramann Dieter Goerke an seinem Arbeitsplatz: Hinter dem Sony-Monitor – mit Cineflex-Steuerpult auf den Knien.

Das hieß unter anderem, den Airfilm-Unimount zu montieren, an den dann das Cineflex- System gehängt wird. Wo beides installiert werden sollte, war schon beim Erwerb des Boots klar, so Nüske: „Die Kamera muss natürlich im Bereich des Motors sein, wo die Relativbewegung am geringsten ist.“ Gerade bei einem Wellengang wie dem hier in der Bucht vor Lübeck- Travemünde ist das von höchster Wichtigkeit. Patrick Nüske steht hinter dem Steuerrad. Gischt spritzt gegen die Seitenwand. Drohnenpilot Jan Evers steht am Bug des Boots. Er ist über sein Headset mit dem Studio verbunden. Er dreht sich zu Nüske und Goerke, Daumen hoch. Kann losgehen? Nüske gibt Gas, Kameramann Dieter Goerke zoomt an den ersten Segler heran.

Zum Cineflight-Team stieß Goerke über eine Kleinanzeige bei Crew-United. „Ich dachte als erstes: Heist? Das ist ja nicht gerade das Zentrum der Welt“, erinnert sich Goerke. „Dann bin ich mal hin und das war schon sehr beeindruckend.“ Nach Zivildienst und kurzem Soziologie-Studium rutschte Goerke in eine Produktionsfirma, in der er vom Praktikanten, über Assistenzen zum Kameramann aufstieg.

1995 ging er nach München zu Pro7, machte viel Reportage, Magazin und Doku, zog dann ein paar Jahre nach Los Angeles. Zum Job bei Cineflight kam er nach seiner Rückkehr. Für ihn geht das über die reine Bildgestaltung hinaus. Wo die Cineflex V14HD für die von Cineflight eingesetzten Kameras RED Dragon und Sony HDC-1500 ein geschlossenes System darstellt, muss die Shotover F1, mit der flexiblere Optik- und Kamerazusammenstellungen möglich sind, jeweils neu auf die Kombination  justiert werden. „Aber bei den Bilder, die ich jetzt kreieren kann, ist der visuelle Gestaltungsspielraum gigantisch.“

DROHNE VERSUS HELIKOPTER

Mit in Travemünde ist auch Jan Evers. Er ging nach dem Abi zur Bundeswehr, flog dort bereits Hubschrauber und studierte Elektrotechnik. Nach dem Abschluss wechselt er zu einer Airline und wurde Verkehrspilot. Schon im Studium hatte er sich erstmals mit Multikoptern beschäftigt und schrieb sowohl Bachelor- als auch Masterarbeit darüber. Nach eigener Firmengründung stieß er zu Cineflight, da für ihn die Idee, Helikopter- und Drohnenaufnahmen aus einer Hand anzubieten, schon immer Sinn ergeben hatte. So kann aus Sicht des Anbieters für den Wunsch des Kunden die passende Technologie gewählt werden.

Die DJI-Inspire-Drohne von Cineflight
Foto: Timo Landsiedel
Check vor der Fahrt: Die DJI-Inspire-Drohne

Patrick Nüske: „Es passiert ganz häufig, dass die Leute denken, sie bekommen für ganz wenig Geld die gleichen Aufnahmen wie mit einem Helikopter. Das ist oft schon schiefgegangen.“ Die Unterschiede sind technikseitig, wie bei der Geschwindigkeit und Reichweite, aber auch rechtlicher Natur, wie bei den unterschiedlichen Aufstiegshöhen, fügt Jan Evers hinzu: „Die Drohne darf rein rechtlich gesehen in Deutschland 100 Meter aufsteigen, mit Ausnahme natürlich auch höher. Und wenn man da mit dem Hubschrauber runter kommen möchte, braucht man immer eine Tieffluggenehmigung.“ Als Berufspilot darf Jan Evers auch im Ausland Drohnenflüge veranstalten. Cineflight ist offiziell zugelassen für Spanien, Österreich, Schweiz, Kroatien, Frankreich und Italien.

Gestalterisch fangen die Unterschiede schon bei den verwendeten Optiken an: Mit einer 20-mm-Optik an der Drohne erhält man keine Bilder, die mit dem Zoom einer 30-300-Fujinon im Cineflex-Gehäuse möglich sind. Die Manövrierfähigkeit einer Drohne mag sie für Häuserschluchten und Fels – spalten prädestinieren, bei der Überwindung größerer Strecken, wie bei dem „Berlin/Brandenburg von oben“-Projekt, ist der Hubschrauber effizienter. Das muss je nach Kundenwunsch manchmal erst kommuniziert werden. Den beratenden Faktor bei ihrer Arbeit schätzen alle drei Filmflieger als hoch ein.

Problematisch ist laut Patrick Nüske bei Drohnenflügen das Sparen an der falschen Stelle: „Das macht dann der Bruder vom Beleuchter, und so sieht es auch aus.“ Ihn ärgert nicht der Verlust des Auftrags, sondern, dass diese Piloten den Ruf der Profis kaputt machen. Immer wieder stürzt bei unerfahrenen Piloten eine Drohne ab, wie beim Abfahrtslauf in Italien Anfang 2016 knapp einen Meter hinter einem Sportler. Nüske geht heute noch an die Decke, wenn er darüber spricht. Das ZDF zog zwei Aufträge zurück, weil der Skiverband nach dem Unglück, bei dem glücklicherweise niemand körperlich zu Schaden kam, Drohnenflüge generell verbot.

Morgen gibt es dann den dritten und letzten Teil des Berichts aus dem Film & TV Kameramann 10/2016.

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