Wie macht sich die RED Epic-W mit dem neuen IPP2-Farbraum?

Staunen im Proberaum: Unterwegs mit der RED Epic-W (2/2)

Hier der zweite Teil unseres Testberichts zur RED Epic-W und dem neuen IPP2-Farbraum aus dem Film & TV Kameramann 6/2017. Stefan Glückstadt und Philipp Ritterbusch haben für uns mit der neuen Kamera gedreht und erzählen von ihren Erfahrungen. 

Am Set von „Chamber Games“ 2015 mit der RED Epic Mysterium.
Foto: Stefan Glückstadt
Am Set von „Chamber Games“ 2015 mit der RED Epic Mysterium.

DUNKELHEIT UND SLO-MO

Tag 2. Ich sitze am Rechner und bearbeite das Footage vom gestrigen Tag. Da wir nur im R3D-Format gefilmt haben, benötige ich das aktuelle Redcine-X Pro für eine flüssige Bearbeitung. Nur das kann IPP2. Gibt’s aber zum Download auf der RED-Homepage. Das ist nicht ungewöhnlich und eigentlich super, um vorab das Material zu normalisieren. Ich rendere alles in einer JPEG-Sequenz und arbeite dann in Premiere Pro für den kreativen Schnitt und in Davinci Resolve für das Grading. Das Footage sieht fantastisch aus! Die Farbinformationen sind brillant eingefangen und das Bild lebt, selbst ohne Grading. Ich bin begeistert über die Leichtigkeit des Workflows. Song drunter, rendern, fertig.

Wir möchten aber heute noch die Slow-Motion der RED Epic-W testen und vor allem, wie gut die Kamera in Lowlight-Situationen funktioniert. Meine Idee: Mein Kumpel Andy spielt in Hamburgs bester Stoner-Rock-Band diesseits der Weser: Deadbeat Mary. Wir fahren also wieder los, diesmal zum Musikbunker Hamburg und klopfen an der Stahltür zum Proberaum. Andy macht auf und ist überrascht darüber, was wir mit den zwei gigantischen Koffern hier machen. Wir erklären der Band, dass wir die RED Epic-W testen möchten. Das Licht im Proberaum ist spärlich, eine Lichterkette, zwei Standleuchten. Perfekt! Ich werfe das Hanse Inno Tech Celere HS 50mm drauf und sag‘ der Band, sie sollen einfach spielen. „Kann das Ding Slow-Mo?“, fragt mich der Bassist Vince. „Logisch, das kann alles“, sagt Drummer Ramuntcho, der auch weiß, dass mit der RED Epic „Der Hobbit“ gedreht wurde. Also sag‘ ich der Band, sie sollen mal richtig in die Saiten hauen, während ich filme.

Dann testen wir mal 100 fps bei 4K aus und extremes Lowlight. ISO 400. Ich starte die Kamera, der SWIT Akku vom Vortag ist bei 50 Prozent; ein akzeptabler Wert, wenn man bedenkt, was die Kamera leisten muss. Ich beginne mit der Aufnahme in 25 fps, die Kamera fängt unfassbar viel Licht ein, die Blende ist komplett offen. Auch später in der Post ist kein krasses Rauschen zu erkennen, dank dem Rauschabstand von 80 dB. Wahnsinn, denke ich. Als wir „Chamber Games“ auf dem Mysterium-Sensor gedreht haben, mussten wir intensiv ausleuchten, und bei Außenaufnahmen mit wenig Licht rauschte das Bild doch ziemlich stark. Aber jetzt mit dem Helium-Sensor haben wir einen Zuwachs an Spielraum. Bei dem, was wir vorhaben, werden wir das gar nicht nutzen.

PUNCH-IN

Ich bin überzeugt, hier im dunklen Keller könnte sogar noch auf ISO 200 gehen, wenn ich richtig mutig bin. Während ich die Performance filme fällt mir auf, die Kamera läuft nicht heiß – obwohl es gefühlt 35 Grad Celsius im Raum sind. Zum Glück gibt es Bier zum Abkühlen für mich. Die RED muss sich anders behelfen: Die Luftzufuhr und Ventilation ist auch eine große Verbesserung gegenüber den Vorgängermodellen. Ich trage die Kamera in beiden Händen und sie läuft angenehm kühl. Jetzt wechsle ich ganz schnell und unkompliziert die Framerate, während die Band weiterspielt. Ich filme den Drummer wie er durchdreht mit 100 fps. Zwischendurch stehe ich auf und wechsle die Auflösung von 4K Widescreen zu 8K Widescreen. Der Bildausschnitt wird drastisch vergrößert. Das erstaunt mich. So kann man angenehm flüssig einen Punch-In erzeugen, ohne das Objektiv zu wechseln! Großartig. Ich wechsle zwischendurch mal zum Celere HS 85 mm. Die Kombination zwischen crispem RED-Sensor und warmem Celere-Objektiv ist sehr organisch! Kein Wunder, dass RED-Präsident Jarred Land von den Hanse-Inno-Tech-Objektiven begeistert ist.

Foto: Stefan Glückstadt
Auch für „Run & Gun“-Drehs geeignet: Die RED Epic-W.

Nach dem Auftritt fragt mich Ramuntcho, ob wir die Slow- Motion-Aufnahmen sehen könnten. Ich sage ihm, dass wir das Playback anmachen, die Aufnahme aber in normaler Geschwindigkeit laufe, da ich die 100-fps-Aufnahme erst am Computer auf eine 25-fps-Timeline ziehen müsse, damit der Slow-Mo-Effekt zum Tragen komme. Ich schalte kurz auf Playback und die Kamera springt zur Bibliothek der Aufnahmen. Ich scrolle durch, spiele der Band die Aufnahme vom Drummer vor und bin überrascht, denn die Kamera spielt die 100 fps Aufnahme auf einer internen 25 fps Timeline ab und zeigt uns tatsächlich die Slow Motion. Ich bin begeistert. Nach zwei, drei Feierabend-Bierchen geht es ab nach Hause.

POSTPRODUKTION

Das RED Mag muss nun nicht mehr speziell systemseitig über die RED ausgeworfen werden. Nach der Aufnahme kann sie problemlos ausgewechselt werden, ohne Datenverlust, das erleichtert die Arbeit. In der Post haben wir also die RAW-Daten aus Redcine-X Pro rausgerendert, sind damit in DaVinci Resolve gegangen. Das Bild sieht schon vorher wunderbar aus. Ohne viel Grading sind die Schwärzen schwarz, die Farben knallen. Was wir aber gar nicht so wollen. Unser Stil ist etwas dreckig, mattere Farben. Also haben wir hier das Bild etwas normalisiert, die Kurven angepasst und eine 35-mm-Film LUT drüber gelegt, einen Kodak-Look. Bei diesem haben wir dann die Kontraste härter geschraubt, die Farben entsättigt, das Bild wirkt dunkel. Spielraum ist reichlich da im Material.

Screenshot aus dem Grading.
Foto: Stefan Glückstadt
Screenshot aus dem Grading.

Außer dem Bauchgefühl, dass das Material schon vor dem Graden sehr gut aussieht, haben wir die IPP2-Veränderungen in unserem Set-Up nicht stark wahrgenommen. Die wenigsten werden aber auch direkt vergleichen. Bei den ersten Youtube- Videos zu dem Thema ist deutlich, worin die Veränderung besteht. Da wir bei unserem Dreh nicht an ein HDR-Ergebnis ran wollten, beurteilen wir unsere Material nicht nach diesen Kriterien.

Die RED Epic-W ist einfach ein Biest von Kamera und selbst für klassische „Run & Gun“ Drehs super einsetzbar. Die Bedienung ist leicht, jedoch rechnen sich der Ausleihpreis und die Zusatzkosten für Funkschärfe, Steadicam et cetera nicht für eine kleine Produktion.

Eins haben wir noch vor: RED-Mitarbeiter Graeme Nattress erzählte in Ausgabe 4/2017, dass IPP2 auch auf älteres Footage anwendbar ist. Wir kramen jetzt mal die Daten von „Chamber Games“ heraus und gucken, was wir aus dem Material herausholen können.

Ein Kommentar zu “Staunen im Proberaum: Unterwegs mit der RED Epic-W (2/2)”
  1. Christian Bigalk

    Rauscht diese Epic Variante immer noch so stark wie der Vorgänger? Ist man immer noch dazu gezwungen in einer höheren Aufkösung zu drehen um ein rauschärmeres Ergebnis zu bekommen?

    Antworten
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