Blick auf den praktischen Einsatz

Sony PXW-FS5 im Test

Vor einem Jahr präsentierte Sony auf der IBC 2015 einen neuen Spross der „Film-Style“ (FS) Serie: Die FS5. Ulrich Mors hat mit ihr gearbeitet und konnte die Ähnlichkeiten und Unterschiede zur FS7 kennenlernen.sony-pxw-fs5-1

Zunächst: Die FS5 ist keine kleine FS7! Sony hat sehr gezielt und geschickt beide Modelle voneinander getrennt. So scheint die FS5 eher ein Zwischenmodell zwischen der bisherigen FS700 und der FS7 zu sein. Aber drehen wir einfach mal los:

Handheld

Die FS5 fällt wirklich sehr klein aus. Ausgeliefert wird sie auf Wunsch mit der Kit-Optik SEL-P 18-105 f4 G OSS PZ, einer kleinen motorisierten Zoomoptik, die zwar sehr gut zur Baugröße passt, Autofokus und Bildstabilisation bietet, aber deutlich verzeichnet. Immerhin kann Letzteres in Echtzeit von der Kamera digital kompensiert werden. Manuell lässt sich die Optik (vor allem Fokus!) dagegen schlecht handhaben. Für mich also eher eine praktische Zugabe. Mit dieser Optik hat man aber ein recht universelles Kamerabundle in der Hand, kleiner und unauffälliger kann S35-TV-Produktion mit Motorzoom kaum ausfallen.

Objektivmount

Sony hat sich bewusst bei den FS-Kameras für den EMount entschieden. Mit nur 18 mm Entfernung vom Sensor – trotz vorgesetztem Vari-ND – lassen sich sämtliche marktüblichen Optiken von Nikon über Canon bis hin zu PL-Filmoptiken elektrisch und mechanisch adaptieren. In unserer eigenen Firma adaptieren wir die FS7 häufig auf EF per Metabones Speedbooster, bei einfachen szenischen Drehs kommen E-Mount Cineoptiken zum Einsatz, bei aufwändigeren Drehs zugemietete PL-Optiken. Alle Kombinationen lassen sich 1:1 auf die FS5 übertragen, da hier die gleiche Sensorgröße (S35) und der gleiche Mount vorhanden sind.

Highlight: Elektrischer Vari-ND

„Vari-NDs kennen wir schon lange“ – dachte ich auch! Recht unscheinbar deutet ein kleiner seitlicher Schalter auf ein marktweisendes Detail hin: Das IRIS-Rädchen an der Seite lässt sich auf „ND“ umschalten … Denn die FS5 hat eigentlich nur einen ND-Filter, der bei Bedarf einschwenkt und seine Dichte verändern kann. Die Nummerierungen „ND2/3/4“ auf dem ND-Rad sind dabei reine Softwarepositionen. Es werden keine anderen Filter eingeschwenkt! Dieser Vari-ND basiert nicht auf zwei Polfiltern, wie wir das aus dem Fotobereich kennen. Stattdessen hat Sony erstmals in einer S35-Kamera ein elektrisch tönbares LCD-Fenster in der Größe des Sensors integriert. Dieses lässt sich nahezu fließend von 1/4 (2 Blenden ND) bis 1/128 (7 Blenden ND) regeln.

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Die FS5 kann die Verzeichnung der SEL-P 18105 in Echtzeit kompensieren.
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Auswahl der Stärke des Vari-ND im Menü.

Damit werden Arbeitsweisen möglich, die ich mir bei großen Sensoren schon lange gewünscht habe, nämlich per Blende die Schärfentiefe zu bestimmen und dann mithilfe des Vari-NDs die eigentliche Belichtung auch in Nuancen schnell und ohne externe Filter festsetzen zu können. Sony verfolgt diesen Ansatz weiter und hat bereits eine Autofunktion für den Vari-ND angekündigt. Eine Farbverschiebung konnte ich bei den bisherigen kurzen Testdrehs nicht feststellen, das bleibt noch den Messlabors überlassen.

FS5 und S-Log

Hier offenbart sich einer der größten Unterschiede zur FS7: Die FS5 kennt keinen Cine-Modus. Intelligente und interaktive „filmlike“-Workflows entfallen somit, nicht aber der große Belichtungsumfang des Sensors: Die FS5 bietet wie die größeren Geschwister S-Log2 mit 14+ Blenden, betonte Mitten und Highlights, und S-Log3 mit 14+ Blenden, mehr Reserve in den Schatten gegenüber S-Log2 in Rec709 und S.Gamut3.cine (Sony-Farbraum des Sensors) als Gammakurven an und kann in sehr weiten Teilen noch die Farben beeinflussen. Über Look-up-Tables (LUTs) zur Korrektur des S-Log verfügt sie im Gegensatz zur FS7 eben nicht, dafür gibt es aber ein „Gamma Display- Assist“, das bei Bedarf den Kontrast des Displays entsprechend erhöht und damit das Arbeiten mit den S-Log Kurven erleichtert.

ISO3200

Die native Empfindlichkeit der FS5 gibt Sony mit ISO3200 an, obwohl es sich laut Sony um den gleichen Sensor der FS7 / F5 handelt. Dabei ist zu vermuten, dass man vor allem am Noiseprocessing gedreht hat – Sony weist auf Erfahrungen im Processing der Alpha 7S hin. ISO3200 gilt dabei für die 14-Blenden Varianten mit S-Log, im alltäglichen Rec709 legt Sony die Empfindlichkeit bei ISO1000 an – und damit ebenfalls ein Stückchen empfindlicher als bei der FS7 mit ISO800.

REC709

… wurde ursprünglich für lediglich knapp sechs Blenden Dynamikumfang ausgelegt – Kameras übertreffen diese Werte schon seit langem und komprimieren – mehr oder weniger weich – die Highlights bis in die Mitten. Damit erreicht man sieben, acht und mehr Blenden „sichtbaren“ Spielraum, bei den Sony Cine- oder Hypergammas sogar bis zu zwölf (12). Um Highlight-Reserven aber überhaupt erst anlegen zu können, muss man dem Sensor auch Luft (Licht) nach oben lassen. Mit ISO800 (FS7) beziehungsweise ISO1000 (FS5) stehen den Sony-Kameras für Highlight-Komprimierung via Knee oder über flachere Gammakurven je nach Rezept mehrere Blenden als Spielraum zur Verfügung. Für das Grading eignen sich diese Highlights wenig – dafür gibt es S-Log.

Alles im Griff

Den drehbaren Smartgriff mit Zoom, Usertasten und Joystick kenne ich bereits von meiner FS7 – hier sitzt er jedoch direkt an der Kamera, und das tut der Ergonomie bei dieser Baugröße auch gut. Wer es anders mag, kann den Griff abmontieren und durch den kompletten FS7-Arm ersetzen und erhält damit eine mini-FS7, zumindest von der Bauform her. Der Smartgriff und Arm von der FS7 sind bei Sony als Ersatzteil bestellbar.

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Bei Bedarf unterstützt die FS5 den Anwender mit einer Kontrastkorrektur für S-Log, nicht jedoch mit LUTs.

Ich finde, der anmontierte Griff passt gut zur FS5, allerdings verführt er wie bei allen Handhelds zum untersichtigen Drehen vor dem Bauch oder von der Brust aus. Die beste Kombination wäre ein einfaches Einbeinstativ, damit gelingen dann auch lange Interviews ohne Nasenlöcher.

Alles ab!

Auch ohne Schraubenzieher geht’s der Kleinen jetzt ans Gehäuse: Mit zwei Schrauben lässt sich der Kameragriff entfernen, etwas fummelig – gut gesperrt! – der Smartgriff. Das Display lässt sich abschrauben, danach liegt ein kleines unscheinbares Kästchen vor mir. Schon kommen mir „Edel-GoPro“- Gedanken, denn mit deutlich unter einem Kilogramm (ohne Optik und Batterie 0,9 kg) habe ich hier eine vollwertige S35-4K-Kamera in der Hand, die sich per WLAN auch noch remoten lässt! In dieser Bauform eignet sich die FS5 dann auch für die üblichen Gimbals oder Drohnen.

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Vari-ND im praktischen Einsatz: Das Canon EF24-70 2.8 wird mithilfe des Metabones Speedbooster auf Blende f2.0 eingestellt. Die Belichtung erfolgt anschließend per Vari-ND.

Codecs und Aufzeichnungsoptionen

Auch hier unterscheidet sich die FS5 deutlich von der großen FS7. Zunächst einmal zeichnet die FS5 auf SD- beziehungsweise SDXC-Karten auf, während die FS7 XQD-Karten verwendet. Hintergrund dieser Entscheidung ist die maximal notwendige und betriebssichere Datenrate der Aufzeichnung. Bei der FS7 hieß das: max. 4K 60p Intra- Kompression 10bit = 600 Mbit/s = 75 Megabyte pro Sekunde. 75 Megabyte pro Sekunde! Das muss Sony für alle Situationen garantieren: kalt, warm, feucht, verschiedene Spannungen und so weiter.

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Die Sony PXW-FS5 schafft mit E-Mount gerade mal knappe 18 mm Entfernung von Sensor zu Optik – trotz vorgesetztem Vari-ND-Filter.

Daher hat man sich hier für die XQD-Karten (aktuelle Serie: bis 350 Mb/s Schreibgeschwindigkeit) entschieden. Die bieten immer einen großen Headroom für den Codec beziehungsweise für das Schreiben. Einen „Write Error“ vermeidet Sony damit erfolgreich, obwohl XQD strenggenommen ein Consumer- Medium ist und sich damit von der SxS („Sony by Sandisc“)-Karte unterscheidet. Diese ist noch robuster und widerstandsfähiger.

75 Megabyte pro Sekunde, also XAVC-I, ist aber auch für SDXC-Karten zu viel – jedenfalls wenn man immer betriebssicher sein will. Daher stellt die FS5 ausschließlich LongGOP Codecs zur Verfügung. Bei XAVC, dem aktuellen Sony Codec, heißt dieser dann „XAVC-L“.

Codecs der Sony PXW-FS5

XAVC-I XAVC Intra Codec, 10 bit, 4:2:2 , innerhalb einer Videodatei werden Einzelbilder komprimiert, benötigt dadurch mehr Speicher, bietet die höchste Bildqualität je Frame. Max. 4K bis 60p -> FS7 XAVC-L XAVC Long GOP (Group of Pictures) Codec, 10 bit 4:2:2 in den HD-Formaten, 8 bit 4:2:0 in den 4K/UHD-Formaten. Innerhalb einer Videodatei werden nicht alle Frames einzeln komprimiert, sondern Gruppen von Frames (max. 12), in dem örtlich gleiche Bildanteile nur einmal codiert werden (z. B. ein Arm, der Vordergrund), sehr komplex, braucht daher mehr Processingleistung. Speicherersparnis bei gleicher Bildqualität: ca. 50 % und mehr. ->FS5, FS7 *) Die FS5 ist bei 4K limitiert bis 30p, 4:2:0 Aufzeichnung in 8 bit. *) Die FS7 zeichnet 4K auf Wunsch auch mit XAVC-L bis 60p auf, dann aber ebenfalls nur in 4:2:0 und 8 bit. XAVC-I 4K bis 60p in 4:2:2 10 bit. XAVC-S ist ein weiterer Sony Codec, der in einigen Kameras (Consumer, Handhelds, DSLMs) mit 8 bit und 4:2:0 aufzeichnet. XAVC-S ist in der FS5 und der FS7 nicht implementiert.

Ins Netz

Selten war eine Sony Kamera so umfangreich ausgestattet, was Streaming & Co angeht: Neben einer echten Netzwerkbuchse (macht unabhängig vom WLAN-Netz) kann die FS5 Proxy Files aufzeichnen, in reduzierter Auflösung für Web oder Kunde, und/oder streamen. Sony weist auf die Kompatibilität mit den Teradek-Geräten und auf die eigene Mobile Content Browser App hin, um das Livebild (aus dem Proxy bis 720p erzeugt) der FS5 auf Tablets oder einem Server zu übertragen. Da werde ich als FS7- oder F5- User wirklich neidisch …

Zeitlupen

Back to FS700! Die FS5 arbeitet nicht wie die FS7 mit durchgehend hoher Framerate, sondern greift bei den Zeitlupen auf die Methode der Vorgängerkamera FS700 zurück: Für deutliche Zeitlupen (mehr als 60 fps) in HD gibt es einen internen Puffer, der die Zeitlupe zehn Sekunden oder länger, je nach Codec und Format, mit zum Beispiel 200 Frames/s aufzeichnet und anschließend erst auf die Speicherkarte codiert. Dabei kann man als Anwender wählen, ob die Aufnahme vor oder nach Drücken des REC-Knopfes ausgelöst wird – Loop-Recording für Zeitlupen.

PRO: Es sind Zeitlupen bis 240 fps in HD (bis 960 fps mit reduzierten Qualitäten und Auflösungen) möglich! CONTRA: Nach gut zehn Sekunden ist Schluss, danach muss man warten bis der Puffer codiert und weggeschrieben worden ist.

Die FS7 kann in Echtzeit Zeitlupen aufnehmen bis die Speicherkarte voll ist, allerdings „nur“ mit 180 fps @30/60p beziehungsweise 150 fps @25/50p. Die vollen 240 fps sind übrigens nur über RAW-Recording möglich.

Erstes Fazit

Die ersten Begegnungen mit der FS5 sind vielversprechend. Gerade für den mobilen Einsatz auf Gimbal oder Slider, oder als Ersatz für die bisherige FS100/700 oder C100/300 wirbt sie mit vielen Features und Optionen wie Vari-ND oder Streaming. Die „erwachsenere“ Kamera ist aus dieser Sicht aber doch die FS7, die mit Schulterform, Intra-Codecs, Cine EI Workflow, Look-up-Tables und 10 bit 4:2:2 Aufzeichnung auch bei 4K, UHD und 4K DCI, ihre klaren Vorteile hat. Für den FS7-Anwender kann die FS5 eine gute bildgleiche Zweitkamera sein, für Aufsteiger von kleineren Modellen der Einstieg in S-Log und UHD.

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