Interview

Wolfgang Thaler: „Schnelle Entscheidungen treffen“

Jeder Blick ist anders: Wolfgang Thaler wurde 1958 in Möllbrücke im österreichischen Bundesland Kärnten geboren. Als 16jähriger konnte er sich nur Film als Beruf vorstellen, ließ sich aber zunächst von den Aufnahmebedingungen der Wiener Filmakademie abschrecken: Er arbeitete dann als Bienenzüchter und studierte Landwirtschaft. Seit 1988 hat er aber doch den Weg als freier Kameramann beschritten – ohne ihn wären entscheidende Filme von Ulrich Seidl, Pepe Danquart und Michael Glawogger nicht denkbar. 

WORKINGMAN’S DEATH (2005, Trailer) hat er wiederholt als seine wichtigste Kameraarbeit bezeichnet hat. WHORES‘ GLORY, die jüngste Zusammenarbeit mit Michael Glawogger, hatte vor wenigen Tagen (am 2. September, Orrizonti-Sektion) seine Premiere in Venedig und läuft bald in Toronto. In den österreichischen Kinos startet er am 9. September, der deutsche Kinostart war am 29. September.

Mit unser Autorin Gertraud Schwarz hat er sich im Jahr 2008 ausführlich unterhalten und die Besonderheiten seiner bislang wichtigsten Zusammenarbeit mit Glawogger über die Entwicklung körperlicher Arbeit in der heutigen Welt eindrücklich beschrieben:

Wolfgang Thaler: „Bei WORKINGMAN’S DEATH musste ich schnelle Entscheidungen treffen, der ganze technische Ablauf musste automatisiert sein, man konnte in die Arbeitsabläufe nicht eingreifen. Meine ganze Erfahrung, die Suche nach neuen Bildern und das Gelernte der letzten Jahre fanden in der Bildsprache ihren Ausdruck. Obwohl diese Schlachtszenen in Nigeria zum Anschauen vielleicht ziemlich hart sind, finde ich doch, dass mir dieser Teil einfach am besten gelungen ist. In Nigeria war ich fünf oder sechs Tage, jeden Tag von fünf Uhr in der Früh bis um zehn, elf immer mit der Kamera in der Hand bereit. In dem Moment, wo ich etwas gesehen hab, oder wenn ich gespürt habe, da komme ich mit der Kamera in die Szene rein, habe ich abgedrückt. Wenn du nur eine Sekunde zu spät bist, dann funktioniert das nicht mehr. Wichtig war natürlich auch, dass wir schon so viele Jahre zusammengearbeitet haben, mit Attila Boa als Kameraassistent und Ekkehart Baumung als Tonmann. Die kennen mich und spüren auch schon im voraus, wohin ich mich mit der Kamera bewege.“

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