Heute, Mittwoch 4.1., läuft abends um 21:45 Uhr Josef Vilmaiers Bergdrama NANGA PARBAT erstmals im frei empfangbaren Fernsehen in Deutschland, in der ARD. Gedreht wurde für das monumentale Werk – in der Endfassung auf 35-Millimeter-Cinemascope und 100 Minuten lang – in mehreren Abschnitten zwischen Sommer 2008 und Frühjahr 2009 im Himalaya und den Alpen.
NANGA PARBAT ist die Geschichte des Bergdramas bei der deutsch geleiteten Expedition zum Nanga Parbat von 1970 und ihrer Vorgeschichte. Reinhold Messner, der dabei seinen jüngeren Bruder verlor, beriet bei dem Film. NANGA PARBAT ist unter den Filmen Joseph Vilsmaiers wieder einer, in denen aufwühlende oder öffentlich stark wahrgenommene Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte in der Filmerzählung verbunden sind mit menschlichem Drama.
Er steht da in einer Reihe etwa mit RAMA DAMA (1991), STALINGRAD (1993), COMEDIAN HARMONISTS (1997), MARLENE (2000), DER LETZTE ZUG (2006), die alle in den letzten Jahren auch ein- oder mehrmals im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Joseph Vilsmaiers Film DIE GUSTLOFF (2008) ist sogar extra fürs TV produziert, als Zweiteiler. Darüber berichteten wir im FILM & TV KAMERAMANN ausführlich in Heft 2/2008 (S. 112 ff).

Reinhold Messner (li.) und Joseph Vilsmaier bei einer Motivbesichtigung in Pakistan. Foto: Rolf von der Heydt/Senator Film.
Joseph Vilsmaier, Filmemacher, Produzent, Regisseur und Kameramann – jede der Bezeichnungen trifft bei ihm zu – fand eigentlich für jeden seiner Filme eine spezielle Mischung, einen eigenen Zugang zu Stoff und dessen Dramatisierung. Bei NANGA PARBAT kam der Anstoß von dem, der das Drama des Films selbst erlebt hat, von Reinhold Messner. Der bekannte Südtiroler Bergsteiger schrieb 2004 an Vilsmaier, er würde gerne mal einen Bergfilm mit ihm machen, schlug aber noch nichts Konkretes vor. Nachdem sie sich daraufhin getroffen und kennengelernt hatten, verdichtete sich bei Vilsmaier die Idee, das tragische Erlebnis Messners, der seinen Bruder bei der ersten Besteigung des Nanga Parbat verlor und Jahre danach mit dem Vorwurf zu kämpfen hatte, er habe ihn im Stich gelassen, in Verbindung zu setzen mit dem regelrechten Mythos, der sich seit den 1930er Jahren in Deutschland und im deutschsprachigen Alpenraum um diesen Berg gelegt hatte. Oder, besser gesagt, der Film will eigentlich den Bergmythos brechen, indem er versucht, das persönliche Erleben der Messner-Brüder um die Expedition herum und ihre individuellen Motive zu schildern. Er will einfach nur dabei sein. Um Intensität und Authentizität herüberzubringen, war für Vilsmaier von Anfang an klar, dass an echten Bergen und in echtem Schnee und Eis gedreht werden sollte. So organisierte er für seinen Film einen Dreh in mehreren Etappen, zum einen in Pakistan am realen Nanga Parbat, zum anderen im Ortlergebiet bei Sulden, Südtirol, und am Großvenediger bei Matrei, Osttirol.

Florian Stetter (li.) und Andreas Tobias spielen die Brüder Reinhold und Günther Messner. Foto: Rolf von der Heydt/Senator Film.
Weitere Originalmotive sind in Villnöss, dem Heimatort der Messner-Brüder, und in München, wo der Aufbruch zur Expedition spielt und Messner später Herrligkoffer wiederbegegnet, der dort einen Diavortrag hält. Als Szenenbildner engagierte Vilsmaier Anton Gerg. Der hatte schon bei LEO UND CLAIRE (1999) und dem BRANDNER KASPAR (2008) mitgemacht und half nun, reale und einige wenige in München im Studio gebaute Drehorte zu finden, herzurichten und zusammenzubringen. Ihm und Kostümbildnerin Renate Schönian kam zupass, dass sich in Vilnöss und anderswo Originalbekleidung und Ausrüstungsgegenstände aus der Zeit finden ließen; weitere Kostüme kamen von Theaterkunst. Fürs Finden der geeigneten Stellen in den Bergen und Bergsicherung war der bergerfahrene und -begeisterte Leo Baumgartner aus Lienz, Osttirol, dabei.
Hauptaufnahmeformat für den in Cinemascope herauskommenden Film war 35 Millimeter, und zwar Super-35 sphärisch. Als Rohmaterial verwendete Vilsmaier als einer der ersten das 2008 neu auf den Markt gekommene mittelempfindliche Vision3-Tageslichtmaterial 5207 (250 ASA) von Kodak sowie die Emulsionen 5201, 5205 und 5219 des Herstellers (50, 250 und 500 ASA). Ein beachtlicher Teil wurde aber auch mit einer Arri 765 auf 65 Millimeter aufgenommen, rund 4.500 Meter wurden hier verdreht. Es sind Flugaufnahmen in den Bergen und auch Szenen im Lager vor der Bergkulisse und in Südtirol, die einen stark ins Geschehen hereinziehen.
Mehr zu den Hintergründen der Geschichte, zu den Dreharbeiten und zur Endfertitung des Films steht in unserem großen Produktionsbericht in Heft 1/2010, S. 106 ff.
Foto oben: Der auf pakistanischem Gebiet liegende reale Nanga Parbat in Joseph Vilsmaiers Film.
Für Berginteressierte:
Wir wünschen unseren Lesern und Online-Besuchern guten Sehgenuss bei diesem Breitwandfilm auch im Fernsehen! Die dargestellten Bergsteigerszenen sind allerdings zur Zeit im Alpenraum nicht zur Nachahmung empfohlen, es herrscht zumeist Lawinenwarnstufe 3, mit Aussucht auf Zunahme der Gefahr bei dem aktuellen stürmischen und niederschlagsreichen Wetter. Wer’s genau wissen will:
Lawinenwarndienst Bayern (DE): http://www.lawinenwarndienst-bayern.de/lagebericht/
Lawinenwarndienst Tirol (AT): http://lawine.tirol.gv.at/
Lawinenwarndienst Südirol – Alto Adige (IT): http://www.provinz.bz.it/lawinen/






























Der Film ist ganz sehenswert, glaube aber, dass sich die beiden Filmemacher mehr Erfolg erwartet haben. Der Film erzählt nichts Neues, dafür sind die Aufnahmen sehr spektakulär.
Andreas Niederkofler, Südtirol Footage, Bruneck/Brunico (IT) – http://www.suedtirol-footage.com