Die Budgets, die ARD und ZDF, aber auch die Privatsender für einen 90-Minuten-Fernsehfilm bereitstellen, sinken. Die Folge: Es wird immer schneller gedreht. Inzwischen müssen 21 Drehtage für einen TATORT reichen. Und die haben oft kein Ende, das Pensum will geschafft werden.
Goldene Zeiten, in denen man szenisch auch mal was probieren konnte, sind Erinnerung. «Das ist heute durch die Industrialisierung des Fernsehens anders», beklagt Regisseur Marco Serafini. Die Budgets werden nicht etwa größer, sondern kleiner, stellt ein ausführlicher Beitrag der Süddeutschen Zeitung unter der Überschrift «Das ist mörderisch» fest. «Wir wissen, dass wir mit 21 Drehtagen am Ende der Fahnenstange angekommen sind», wird WDR-Fernsehspielchef und TATORT-Koordinator Gebhart Henke zitiert, «weniger geht nicht. Aber auch uns stehen außer bei Eventproduktionen keine höheren Etats zur Verfügung. Wir wissen um die Probleme der Produktionen. Eine Lösung wäre, weniger Filme zu drehen. Aber das will keiner.» Regisseur Rainer Kaufmann beschreibt seinen Arbeitsalltag: «Ich fange weit vor Vertragsbeginn an, ohne dass ich Geld kriege, und arbeite noch Monate im Nachhinein. Es gibt viele junge Regisseure und Anfänger, an denen eine Art Ausbeutung stattfindet, die von ihnen gar nicht bemerkt wird.»
Betroffen sind nicht nur die erwähnten künstlerischen Gewerke, sondern alle Filmmitarbeiter vom Bildgestalter bis zum Blocker. Und genauso betroffen sind die nach ihrer Zahl explodierten TV-Kanäle, die sich wesentlich durch Wiederholungen profilieren müssen, weil die Aufwendungen für Produktionen mit dem Wachstum der Abspielflächen nicht mithalten. Und nicht zuletzt betrifft der hohe Zeit- und Arbeitsdruck bei Fernsehproduktionen auch die Zuschauer. Für ihre Gebühren und den Anteil ihrer täglichen Ausgaben, die über die Werbeaufwendungen die Privaten finanzieren, sollte sorgfältig erarbeitete Qualität ihr gutes Recht sein. Soviel Zeit muss sein.
Zum Nachlesen
Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 2. August 2012
Foto oben
Im Frühjahr 2011 beim Bodensee-TATORT – SCHMUGGLER, wir berichteten über den Dreh ausführlich in unserer Print-Ausgabe 4/2011.
© Christine Gebhard







Ich frage mich nur, weshalb gerade die Öffentlich Rechtlichen immer weniger Geld ausgeben – deren Finanzierung ist doch durch die GEZ ziemlich bombensicher. Ob da wohl zu viel Geld für Starmoderatoren und überteuerte Sportübertragungen ausgegeben wird?
wird ja auch zeit das endlich öffentlich darüber geredet wird
ohje!!…