Camerimage und die Frage: Wie lebendig ist Film?

20 bewegte Jahre mit zwei Umzügen – Plus Camerimage, nun zum dritten Mal in Bydgoszcz,  hat eine aufregende Geschichte wie wenige Festivals. Und es hat sich zugleich einen Ruf gerade unter Kameraleuten mit Vertretern anderer Gewerke wie Schnitt erarbeitet, der weltweit außergewöhnlich ist. FILM & TV KAMERAMANN ist natürlich vor Ort – und wird in der kommenden Ausgabe 1/2013 ausführlich berichten.

So viel kann man aber kurz nach der Festivaleröffnung bereits sagen (Fotos hier): Bydgoszcz kann sich zum Jubiläum damit brüsten, eines der familärsten Treffen internationaler Top-Kameraleute zu sein, die hier zugleich auf den (europäischen) Nachwuchs treffen. Und das gefällt allen Beteiligten offenbar so gut, dass Regisseure, Kameraleute, Szenenbildner, Cutter und die Studenten gerne wiederkommen.

Schon fast ein beliebtes Spiel: In welcher Jury sitzt er dieses Jahr? Enge Freunde des Festivals kommen wieder, und sind Teil einer der vielen Juries für kurze und lange Dokumentarfilme, Spielfilme international und polnisch, Studentenfilme oder Musikvideos. Ein Beispiel ist Hollywood-Regisseur Joel Schumacher: 2010 gab es einen Preis, 2011 eine erste Jury-Präsidentschaft, nun ist er Präsident der Hauptjury. Alan Parker, ebenfalls in der Vergangenheit ausgezeichnet, leitet nun den Studenten-Wettbewerb.

Besonders in diesem Wettbewerb sind deutsche Filme stark vertreten. Sin Huh gewann hier im vergangenen Jahr die bronzene Kaulquappe. FALLEN von Christoph Schuler (Kamera: Fabio Stoll, HFF München) ist nun einer von insgesamt fünf deutschen Beiträgen, die gegen 20 weitere Filme ins Rennen gehen.

Deutsche Langfilme in den Wettbewerben gibt es mit CLOUD ATLAS (das ganz Line-up des Wettbewerbs sehen Sie hier, Frank Griebe ist zur Filmvorstellung anwesend) und WIR WOLLTEN AUFS MEER im Debüt-Wettbewerb für Kameraleute (Felix Novo de Oliveira, Regie: Toke Constantin Hebbeln). Karl Walter Lindenlaub ist hier übrigens Jury-Präsident, auch er ein langjähriger treuer Bydgoszcz-Fan.

Außer Konkurrenz laufen weiterhin die deutschen Festivalhits OH BOY (ausgezeichnet unter anderem in München und Oldenburg), ENDE DER SCHONZEIT (Premiere München, Publikumspreis in Braunschweig) sowie EASTALGIA (Eröffnung in Hof) – mehr zu den Filmen hier.

Eröffnet wurde das Festival übrigens mit LIFE OF PI (Regie: Ang Lee, Bild: Claudio Miranda, ASC), und wenn es nach manchen Kommentaren am Tag danach geht, kann das Festival an einer Stelle trotz aller Erfolge noch deutlich zulegen. Die technische Qualität der 3D-Projektion ließ für manche Beobachter zu wünschen übrig. Und Technik, das dürfte angesichts des Zielpublikums klar sein, spielt hier immer eine besonders delikate Rolle.

Wie üblich fällt es  nicht leicht, die Übersicht zu bewahren bei den zahlreichen Lebenswerkpreisen, Master Classes oder Länderretros, die in diesem Jahr unter anderem Irland und Lettland gewidmet sind. Schon zur Eröffnung waren Keanu Reeves (der seinen Film SIDE BY SIDE zeigte) und David Lynch anwesend; Lynch wurde dabei mit dem Lebenswerk-Preis ausgezeichnet. Am heutigen Montag sollte er abends vor dem Publikum sprechen, aber ganz genau steht der Ablauf offenbar noch nicht. Das passiert hier vielleicht etwas öfter als anderswo, doch  gerade das Spontane, die unvermittelte Begegnung ist in Bydgoszcz Stärke, weil das Festival die Macher nahe zusammenbringt. Bei nur ganz wenigen anderen Festivals weltweit dürfte die Mischung aus kreativer Viefalt, Hang zur Improvisation und vielen Starpräsenzen so charmant funktionieren.

Ein Highlight der Woche: der Musikvideopionier Michael Lindsay-Hogg, Filmer der Beatles und The Who, ist anwesend. Und natürlich stellen sich die Technikfirmen wieder mit spannenden Themen dem Publikum. THE MASTER-DP Mihai Malaimare Jr. spricht am 28.11. um 15:30 Uhr Tagen bei der Kodak-Veranstaltung. Dort, im Eröffnungsfilm SIDE BY SIDE,  und in vielen anderen Master Classes wird es immer wieder um die Frage gehen: Wie lange, unter welchen Umständen überlebt der klassische Film? DP Wolfgang Thaler, AAC, erzählte uns zum Beispiel ziemlich zufrieden hier in Bydgoszcz, dass er auch sein jüngstes Projekt noch auf auf 35mm realisieren konnte – und gibt zugleich augenzwinkernd zu, dass dies heute schon fast exotisch wirkt. Ihn und viele andere werden wir in diesen Tagen für Sie interviewen.

Auf dem Camerimage-Festival haben wir übrigens auch im letzten Jahr mit zahlreichen Kameraleuten geredet: Sin Huh, Gewinner der Bronzenen Kaulquappe für RAJU gehörte wie Friede Clausz, junger Kameramann von TEARDROP aus München, dazu. Wir trafen aber auch weltweit erfolgreiche Filmleute wie Jack Fisk, Roberto Schaefer, Edu Grau, John Seale, Timo Salminen, um nur einige zu nennen, die den Weg nach Bydgoscz in Polen im Jahr 2011 fanden. Einige von ihnen treffen wir nun mit neuen Projekten wieder – in den kommenden Ausgaben lesen Sie mehr.

Foto oben: Impression von der Eröffnung
© Plus Camerimage

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Weitere Interviews – ganz oder in Auszügen – von Filmschaffenden finden Sie übrigens hier.



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