Berlinale: digitale Projektion als Herausforderung

Ove Sander, Technischer Leiter Digitales Kino der Berlinale.

Die Anforderungen eines Filmfestivals an die Kinotechnik unterscheiden sich vom normalen Kinobetrieb. Fünf wechselnde Filme pro Saal und Tag erfordern z.B. höhere Speicherkapazitäten der Kinoserver. Die Berlinale setzt daher auf eigene Technik und eigene Workflows, um eine gute Projektionsqualität zu sichern.

Einschließlich des European Film Market zeigt die Berlinale je etwa 650 Vorführungen von digitalen und analogen Kinokopien und außerdem 1.100 Videos. Zwar sind viele Kinos mit digitaler Technik, dem Standard der Digital Cinema Initiative (DCI) entsprechend, ausgestattet. Das will aber noch nichts heißen, macht Ove Sander, zuständig für die digitalen Projektionen, deutlich: Unterschiedliche Produkte und Firmware-Versionen können die Projektion beeinflussen – oder gar unmöglich machen. Das Festival setzt sowohl für die in diesem Jahr sprunghaft gestiegenen 2k-Vorführungen von Digital Cinema Packages (DCP) als auch für den Videobereich auf einheitliche Workflows und Server, um das Abspiel unter Kontrolle zu halten.

Für die Filmvorführungen stehen Server von Dolby zur Verfügung. Foto: Windszus/Berlinale

So stellt Dolby 35 Showserver à 2,75 Terabyte und für Multiplexe weitere fünf Libraryserver mit bis zu 24 Terabyte allein für die DCPs bereit. In einem eigenen Sichtungskino «prüfen wir die DCPs unter Festivalbedingungen, also mit dem Server und der Firmware, die eingesetzt wird» , so Sander. Vorab wird die angelieferte Wechselfestplatte mit der Software easyDCP des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen technisch getestet, um Probleme wie mehrfache Untertitelungen oder falsche Helligkeitswerte zu erkennen. Von den Produzenten erbittet die Berlinale Key Delivery Messages (KDMs) – die Freischaltschlüssel für die Vorführung von DCPs. Ausgeliefert werden die DCPs auf Wechselfestplatten, die KDMs liegen auf USB-Sticks bei. «Der Vorführer hat ein Zeitfenster von zwei Stunden, um den Film einzuspielen», so Sander weiter. Das geschieht vor allem in den Multiplexen, wo mehrere Säle bespielt werden, über die Libraryserver, von wo die Filmdaten über das hausinterne Netz an die Showserver und über HD-SDI an die Projektoren überspielt werden.

Für die Videos, die auf HDCam und Blu-ray bis zu niedriger aufgelösten Formaten angeliefert werden, wurde ein anderer Workflow aufgesetzt. Nach einer ersten Prüfung des Formats und der Tonspuren werden diese Filme, wenn notwendig, auf HDTV 1920 x 1080 Pixel konvertiert. Dann wird in MPEG-2 MXF-Container encodiert, verschlüsselt und auf einem zentralen hochperformanten 28 Terabyte DDP-System von Ardis, das von von Media Logic geliefert, gespeichert. Das Tagesprogramm eines Saales wird auf Festplatten ausgespielt und ausgeliefert. Parallel stellt Colt eine 12 GB/sec-Glasfaserleitung für die Vernetzung der Filmverwaltung mit 20 Sälen bereit. Bereits vor zwei Jahren wurden für Filmverwaltung und Kinos 30 Server angeschafft, deren Zahl zwischenzeitlich erhöht wurde. «Die Projektionisten bekommen einheitliche Daten und die Information, wie sie den Cache zu fahren haben. Dadurch sind Probleme mit falschen Formaten deutlich zurückgegangen», erläutert Sander.

Früher hatte sich das Festival um digitale Videoprojektoren kümmern müssen. Das wurde mit der wachsenden DCI-konformen Kinoausstattung weniger kritisch. Dennoch springen Hersteller ein – schon um Säle auszustatten, die normalerweise nicht als Kinos genutzt werden. So erhalten unter anderem der Berlinale-Palast, der Friedrichstadt-Palast, der Talent Campus und der Filmmarkt hochwertige Projektoren. Insgesamt kommen elf 4k- (DP4K-23B, DP4K-32B) und 2k- (DP2K-19B und DP2K-12C) Projektoren von Barco und drei DCP30SX-Systeme von Kinoton zum Einsatz.

Die D-Cinema-Projektoren kommen unter anderem von Barco. Foto: Windszus/Berlinale

45 Mitarbeiter der Filmverwaltung und weitere Fachleute der beteiligten Partner sollen für optimale Vorführungen sorgen. Sander nennt Kosten von 500.000 Euro, die wesentlich im DCP-Bereich entstehen und großteils durch die Sponsoren abgefedert werden. Sander sieht das Festival in einer «Übergangszeit, in der temporäre Installationen in die Kinos gebracht werden müssen. Das wird nicht von Dauer sein, dieser Aufwand wird wieder sinken.» Bei einem wird es aber sicher bleiben: «Es gibt viele Fälle, wo wir Rücksprache halten müssen mit der Produktion. Ein Großteil unserer Arbeit ist eben auch Kommunikation.»



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